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Kässelistrategie für mehr ÖV

Schulterklopf für die stadtsanktgallischen Gerbührentarif-Macher: Die Parkbewilligungen für den Individualverkehr werden teurer. Auf Januar 2013 soll die Gebühr für Pendlerinnen und Pendler von 102 auf 128 Franken pro Monat und für Tageskarten von bisher 7 auf 8 Franken angehoben werden. Im Rathaus rechnet man mit voraussichtlichen Mehreinnahmen von 150´000 Franken. Aber den Gebührentarif-Machern geht es […]
Von  Harry Rosenbaum , 

Schulterklopf für die stadtsanktgallischen Gerbührentarif-Macher: Die Parkbewilligungen für den Individualverkehr werden teurer. Auf Januar 2013 soll die Gebühr für Pendlerinnen und Pendler von 102 auf 128 Franken pro Monat und für Tageskarten von bisher 7 auf 8 Franken angehoben werden. Im Rathaus rechnet man mit voraussichtlichen Mehreinnahmen von 150´000 Franken. Aber den Gebührentarif-Machern geht es um mehr als den schnöden Mammon. Sagen sie selbst.

Es geht ihnen um die positive Beeinflussung des öffentlichen Verkehrs. Er kann mit der privaten Herumfahrerei nicht mithalten. 1990 kamen noch 45,5 Prozent der Erwerbstätigen mit dem ÖV in die Stadt. 2000 nur noch 40,7 Prozent. In der gleichen Zeitspanne stieg der motorisierte Individualverkehr von 53 auf 58 Prozent. Seit 2000 stieg das Verkehrsaufkommen allein im Rosenbergtunnel um 21,8 Prozent auf 74´800 Fahrzeuge pro Tag. Vor diesem Hintergrund sei es sinnvoll, die Gebühren für die Pendler-Parkbewilligungen zu erhöhen, schreibt die Stadtverwaltung.

Aber ist das schon das sprichwörtliche Lanzenbrechen für den ÖV? Das wäre wohl zu viel gesagt, denn auf den Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2012 steigt bekanntlich auch der Preis für das Ostwind-Monatsabo für die Stadtzone von 68 auf merkliche 73 Franken – um 7,3 Prozent also. Und es steigen mit dem selben Stichtag auch die Preise für fast alle Tickets und Abos der SBB – durchschnittlich um 5,2 Prozent. Also ist der ÖV-Günstigkeitsfaktor in der Relation zu den Pendler-Parkbewilligungen nicht unbedingt ein Anstoss zum Umsteigen, vor allem nicht, wenn die immer noch viel zu tiefen Grundkosten des individuellen Motorfahrzeugs mitberücksichtigt werden.

Die Kässelistrategie fördert wahrscheinlich in der Stadt St. Gallen den ÖV nicht nennenswert. Trotzdem aber ein Schulterklopf den Behörden: Der Weg ist schon mal der richtige. Nur müsste jetzt halt auch der Mut zum Paradigmenwechsel vorhanden sein. Würde heissen, in der Verkehrspolitik das Hege-und-Pflege-Prinzip und nicht die Gebührenordnung anzuwenden. Wenn es zu viel Wild gibt, senken die Behörden ja auch nicht die Jagdgebühren, sondern erhöhen die Abschusszahlen der Tiere im Wald. Im übertragenen Sinn heisst das: Die Vergabe von Parkbewilligungen muss massiv reduziert werden. Um das zu bewerkstelligen, mangelt es an den einschlägigen rechtlichen Mitteln sicher nicht.

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