Die Verlage Niggli und Benteli in Sulgen wurden per 1. Oktober an die Braun Publishing AG in Salenstein verkauft. Auf der Landkarte sind das nur 20 Kilometer, trotzdem bedeutet es eine Zäsur: Die gesamte Belegschaft verlässt den Verlag.
Der Verkauf kam für alle Beteiligten überraschend und ist im September innert kurzer Zeit vollzogen worden. «Bei uns ging es um eine Konzentration der Kräfte. Wir wollten uns auf unsere zentralen Kompetenzen ausrichten – und das sind Grafik und Druck», erklärt Daniel Stierli. Er ist zusammen mit Markus Bättig Inhaber der bsmediagroup in Sulgen, zur Holding gehören die Heer Druck AG, Smartpublishing, der Neue Anzeiger, die beiden Verlage Niggli und Benteli sowie die Architekturzeitschrift Archithese. Einen Verkauf aus finanziellen Gründen verneint Stierli. Der Druck im Verlagsgeschäft nehme zwar stetig zu, aber der Verlag habe schwarze Zahlen geschrieben. Und seit der Verpflichtung von Andrea Wiegelmann als Verlagsleiterin 2013 sei es aufwärts gegangen.
Der Käufer Markus Sebastian Braun von Braun Publishing AG hingegen will von finanziellen Schwierigkeiten und mangelnder Führung des Verlags gehört haben. Der Kauf sei ihm angetragen worden, um den Fortbestand der Verlage zu sichern. «Es sollte alles sehr schnell gehen», sagt er, «aus heutiger Sicht wohl zu schnell, vor allem für das Personal.»
Die sechs Mitarbeiterinnen des Verlags fielen tatsächlich aus allen Wolken. «Von einem Verkauf war nie die Rede gewesen», sagt Programmleiterin Kerstin Forster, die seit sechs Jahren bei Niggli arbeitet. «Kurz vor der Frankfurter Buchmesse wurden wir vor vollendete Tatsachen gestellt. Und dann erhielten wir alle die Kündigung per Ende Jahr.» Eigentlich sollte das Personal vom neuen Eigentümer neu angestellt werden. Diesen habe man zwar auf der Messe getroffen, aber auch in den Wochen danach sei nicht klar geworden, wen Braun für welche Aufgabe übernehmen wolle, sagt Forster. Einen Vertragsentwurf habe niemand gesehen – inzwischen interessiert sich auch keine mehr dafür. Eine nach der anderen räumt ihren Schreibtisch, bezieht Ferien und baut Überzeit ab. In Sulgen ist Kehraus.
«Das Ohr am Markt»
Die Postadresse des Verlags Braun Publishing AG in Salenstein führt zur STG Salensteiner Treuhand-Gesellschaft mbH von Reinhard Suhner. Das Treuhandbüro ist gemäss moneyhouse.ch das Domizil von Braun Publishing AG und einer ganzen Reihe weiterer Firmen. Das Büro des Verlegers Markus Sebastian Braun jedoch befindet sich in Berlin, weitere Redaktionen gibt es in Hamburg und Stuttgart, ein wichtiger Faktor ist der internationale Vertrieb durch Thames & Hudson in London. Braun Publishing verlegt grossformatige Bildbände im Themenbereich Architektur und Design; aktuelle Spitzentitel heissen «Living in Style», «Bars, Clubs & Lounges» oder «Sommeliers‘ Heaven».
Markus Sebastian Braun ist seit mehr als 20 Jahren im Buchgeschäft und alleiniger Inhaber seines Verlags. «Geld und Geist in einer Person», betont er und wendet sich gegen Verlagsmanager, die als Angestellte agierten und nicht als Verlegerpersönlichkeiten. «Dem Niggli-Verlag hat es in den letzten Jahren an einer verlegerischen Leitung gefehlt», so seine Diagnose. Nun will er die Sache selber in die Hand nehmen. Die Inhalte seien werthaltig, versichert er, aber die Buchcover seien oft regelrecht abweisend gegenüber den Käufern und die Ladenpreise der Bücher zu hoch. Mit «dem Ohr am Markt» möchte er einen grösseren Leserkreis ansprechen und damit auch höhere Stückzahlen absetzen, und er will den Verlag internationaler positionieren. «Ich sehe mich da in der Tradition von Arthur Niggli, der schon früh mehrsprachige Ausgaben gemacht hat.»
Im global gedachten Buchmarkt hat Sulgen keinen Platz mehr, Niggli und Benteli werden nach Zürich umziehen. Sie sollen aber als Marken mit einem eigenen Katalog erhalten bleiben. Während Braun Publishing das bildorientierte Segment der Architektur abdeckt, soll Niggli sich im theoretischen Feld profilieren, erklärt Braun. Er hat die Rechte an den Marken Niggli und Benteli sowie an allen lebenden Titeln erworben und will auch einige von ihnen neu auflegen. Ob die Autorinnen und Autoren für künftige Titel wieder diesen Verlag wählen, steht ihnen frei.
Eines der legendären Bücher aus dem Niggli-Verlag.
Der Wert eines Verlags
«Ich werde das Gefühl nicht los, dass weder der alte noch der neue Besitzer wissen, was sie am Niggli-Verlag haben», sagt Kerstin Forster. Der 1950 von Arthur Niggli in Teufen gegründete Verlag machte sich einen Namen auf den Gebieten Architektur, Typografie und Kunst aus dem Bauhaus-Umfeld. Josef Müller-Brockmann, Armin Hofmann, Jost Hochuli oder Le Corbusier, Luigi Snozzi, Gigon Guyer… die Liste der illustren Namen bei Niggli ist lang, Weltläufiges steht hier selbstverständlich neben Ostschweizerischem.
1992 kam Niggli zur Heer Druck AG nach Sulgen, 2007 auch der Berner Kunstbuchverlag Benteli (gegründet 1902). Viktor Heer war ein Fachmann für den Druck, für die Verlagsleitung holte er Sachverständige ins Haus, druckte aber gern auch einige der aufwendigen Bücher selbst. 2009 verkaufte Heer das Geschäft seinen Nachfolgern Markus Bättig und Daniel Stierli und deren bsmediagroup, die die Verlage nun verkauft haben.
Bei Niggli und Benteli war nach einigen Wechseln seit April 2013 Andrea Wiegelmann die Verlagsleiterin. «Seither hat sich der Verlag strategisch neu ausgerichtet. Wir machen weniger Bücher, aber mit einer klareren Linie», sagt die Pressesprecherin Kirstin Meditz, die seit zehn Jahren für Niggli arbeitet. Sie bedauert, dass der neue Schwung nun abrupt gestoppt wird. Zur Programmstrategie gehört ganz wesentlich das Selbstverständnis als Autorenverlag, in dem jedes Buch auch seinen eigenen Gestalter und damit sein eigenes Gesicht bekommt. «Das ist oft ein langwieriger Prozess, der auf einer vertrauensvollen Beziehung und vielen Gesprächen beruht – und sehr viel Geduld braucht», sagt Kerstin Forster, «aber schneller und billiger kommt man nicht zum gleichen Ergebnis.»
Traditionsbruch
Dass Niggli und Benteli nach Zürich umziehen, ist sicher ein Verlust für die Ostschweiz. Einschneidender für die Verlage ist jedoch der Verlust des Personals und damit genau jener langjährigen Beziehungen zu Autoren und Grafikern, auf deren Basis hochwertige Produkte entstehen konnten. Viele davon holten Auszeichnungen für ihre Gestaltung – so das Buch «Gestaltung der Grundlagen» in der jüngsten Jurierung der Schönsten Schweizer Bücher, die aktuell im Sitterwerk ausgestellt sind. Und einige der Niggli-Bücher sind zu Klassikern geworden, die weitervererbt werden. Gut möglich, dass hier ein Traditionsbruch passieren wird. Der Zufall will es, dass Ende November die Teufner Ortsgeschichte erscheint, in der ein Aufsatz von Hanspeter Spörri unter anderem von der Pionier- und Blütezeit des Niggli-Verlags erzählt. Hoffentlich wird dies nicht zum ungewollten Abgesang auf den Verlag.
www.niggli.ch
www.benteli.ch
www.braun-publishing.ch
www.bsmediagroup.ch
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Die Ausstellung «Beyond the Manosphere. Masculinities today» im Kunstmuseum St.Gallen untersucht, wie Männlichkeit dargestellt, geprägt und gelebt wird. Und zeigt dabei auch ihre Widersprüchlichkeit.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.