Fünfzigtausend Franken im Jahr kostet den Kanton St.Gallen das Atelier in Rom. Jetzt soll es weggespart werden. Visarte wehrt sich.
Der traditionell kulturfreundliche Kanton Aargau hat gleich vier Ateliers: zwei in Berlin, je eins in London und Paris. Das Wallis hat drei, Graubünden hat zwei, und mit dabei im Atelier-Reigen sind auch Bern, Genf, Jura, Neuchatel, Waadt, Zug, Zürich, Schaffhausen und Appenzell Ausserrhoden, letzterer seit diesem Jahr mit einem Artist-in-Residence-Stipendium mit freier Ortswahl. Hinzu kommen Ateliers der Städte oder Regionen (etwa 14 Destinationen allein für Kunstschaffende in der Region Basel). Auch die Städtekonferenz (mit St.Gallen, Frauenfeld und Winterthur als Teilhaber) vergibt im Turnus Ateliers in Kairo, Genua und Varanasi, der Bund hat vier Angebote, hinzu kommen Stiftungen, darunter die mit diversen Atelierstipendien herausragende Landis&Gyr-Stiftung in Zug.
Diese Angaben hat der Kanton Appenzell Ausserrhoden ermitteln lassen, als es im Vorjahr um die Ausgestaltung eines eigenen, neuen Artist-in-Residence-Stipendiums ging. Inzwischen ist das Stipendium etabliert – und Ausserrhoden bald einmal fortschrittlicher als St.Gallen, wenn der Kantonsrat Ende Juni in der Spar-Sondersession seine Streichung wahr macht.
Die gute Nachricht zwar: Das Netz von Atelier- und Artist-in-Residence-Möglichkeiten für Kunstschaffende ist eng geknüpft. Die schlechte Nachricht: Streicht der Kantonsrat das Rom-Atelier, dann steht der Kanton St.Gallen als einer der wenigen Kantone ohne Atelierförderung im Regen. Das kritisiert denn auch der Berufsverband visuelle Kunst, Visarte Ost, in einem am 11. Juni verschickten Brief an die Mitglieder des Kantonsrats. «Mit grossem Entsetzen» habe man die geplante Streichung des Romstipendiums zur Kenntnis genommen, schreibt die Visarte und begründet den Nutzen des «verhältnismässig geringen Betrags von Fr. 50000.-» so: «Für die Künstlerinnen entstehen bei diesen Ausland-Aufenthalten entscheidende Impulse mit längerfristiger Wirkung auf ihre künstlerische Arbeit. Von dem kulturellen Mehrwert profitieren alle.»
Visarte-Präsident Stefan Rohner argumentiert grundsätzlich: Rom als Ort sei nicht zwingend – umso mehr jedoch die Möglichkeit, finanziell einigermassen gesichert ein paar Monate Freiraum und Inspirationen fürs eigene Werk zu erhalten. Darum gehört für ihn eine weitere geplante Sparmassnahme ins gleiche Kapitel wie das Rom-Atelier: Reduziert werden soll auch der Ankaufskredit für die kantonale Kunstsammlung. «Die Ankäufe des Kantons sind für die regionale Künstlerschaft existenziell», protestiert die Visarte in ihrem Brief und klärt die Kantonsräte darüber auf, dass Kunst für den Grossteil nicht existenzsichernd ist und dass die meisten Kunstschaffenden «auf einen zusätzlichen Broterwerb angewiesen sind». Die Kürzung des Ankaufskredits träfe die Kunstschaffenden massiv, «wichtiges Einkommen geht verloren».
Tenor unter Kunstschaffenden: Von Rom haben viele profitiert (rund 60 Leute aus allen Sparten seit 1997), die Wohnung in der Via dei Latini wird als Arbeits- und Vernetzungsort geschätzt – den vergleichsweise mickrigen Betrag von 50000 Franken zu streichen stünde daher in keinem Verhältnis zum Verlust.
Aber ob man dies der sparwütigen bürgerlichen Parlamentsmehrheit verständlich machen kann? Das dürfte ähnlich aussichtslos sein wie jene Aufgabe, die Ivo Ledergerber in einem seiner Rom-Gedichte (2004 bei Waldgut erschienen) so beschrieben hat:
Charakteristik Roms
Jemandem erklären wo der Weg ist der hinführt wohin er will
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
Nachruf auf Urs Ullmann
Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun
Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.