Den FC St.Gallen gegen Stickereibaron Gröbli? Das Theater gegen die Olma? Marktplatz gegen Akris? Die St.Galler Geschichte und Gegenwart als Spiel um Panini-Bildchen: Diese witzige Eröffnungsszene zum Stück Erstickte Träume konnte man am Freitagabend in der prallvollen Lokremise noch einmal sehen, drei Jahre nach der Uraufführung am gleichen Ort. Autorin Rebecca C.Schnyder spielte gleich selber, zusammen mit Schauspieler Matthias Flückiger. Und die Laudatio hob noch einmal die Qualitäten des Stücks hervor, den frischen Blick, die doppelbödige Sprache, den alles andere als betulichen Zugriff auf die schmerzhafte Geschichte der Stadt.
Szene aus „Erstickte Träume“. (Bild: Theater St.Gallen)
Das Stickereistück war einer der Gründe, warum die st.gallische Kulturstiftung Rebecca C. Schnyder ihren Förderpreis im Betrag von 10000 Franken verliehen hat. Trotz des dafür gewählten historischen Stoffs sei Schnyder aber nicht «die Eveline Hasler der Theaterbühne», frotzelte Laudator und Stiftungsrat Hansruedi Kugler. Schnyders Spezialität seien vielmehr Familiendramen und «beunruhigende Emanzipationsgeschichten», wie Alles trennt, kürzlich in der Kellerbühne uraufgeführt, oder das im Vorjahr vom Konstanzer Theater auf dem Säntis inszenierte Stück Und wenn sie gingen. Mit Texten wie diesen, aber auch Alles ist besser in der Nacht, ihrem Roman von 2016, einem «Antimärchen» um die rotzige Billy, habe sich die in Ausserrhoden aufgewachsene Autorin als prägnante Stimme in der Ostschweiz etabliert.
Rebecca C.Schnyder.
Damit eine solche Stimme auch gehört wird, braucht es Zusammenarbeit. Der Text allein mache noch kein Theater – nötig sei ein Team mit Regie, Technik, Spielerinnen und Spielern, Helfern. Das hob Stiftungspräsidentin Corinne Schatz in ihrer Begrüssung hervor. Sie erinnerte an die Wechselfälle der Kunstgeschichte: Hier das Bild des genialen Künstlerindividuums und die Verabsolutierung der künstlerischen Idee – dort die Werkskepsis des 20. Jahrhunderts bis hin zur werkfreien Konzeptkunst. Und hier in St.Gallen, unten im Sittertal, einer, der nicht der Künstler sein will, sondern der Handwerker, der hilft, dass aus Ideen Kunst wird: Felix Lehner.
Man müsste Felix Lehner eine ganze Palette anderer Preise geben: einen Innovationspreis, einen Unternehmerpreis, einen Kreativitätspreis… oder ganz einfach den «Prix Felix», sagte Regierungsrat und Stiftungs-Vizepräsident Martin Klöti in seiner Laudatio zum mit 20000 Franken dotierten Anerkennungspreis. Lehner habe das Sitterwerk zu einem Nabel der globalen Kunstwelt gemacht und sei der lebende Beweis dafür, dass die Kombination von «Unternehmer» und «Kulturmensch» keine Giftmischung sei.
Der Start 1994 im Sitterwerk, rechts Felix Lehner. (Bild: Archiv Sitterwerk)
1994 war Felix Lehner vom aargauischen Beinwil zurück nach St.Gallen gekommen, mit zwei Mitarbeitern. Heute arbeiten im Sitterwerk 40 bis 50 Personen, betreiben Kunstgiesserei, Bibliothek, Werkstoffarchiv, Kesselhaus Josephsohn und weitere dem Sitterwerk und der Stiftung angegliederte Arbeitsfelder.
Einen Grund für den Erfolg liess die Bilderserie zur Geschichte des Sitterwerks erahnen: engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Einen weiteren möglichen Grund nannte Lehner in seiner Dankrede: Das Sitterwerk sei am Rand der Stadt gelegen, unter der Brücke, an einem nicht so ganz definierten Ort. Einem guten Ort vermutlich für freies Denken, für jenen «Mut, Eigensinn, Inspiration und kulturellen Elan», welche die Jury ihrem Preisträger attestiert.
Felix Lehner.
Felix Lehner lobte daneben das tolle Kulturklima in St.Gallen. Martin Klöti war stolz darauf, eine Institution wie das Sitterwerk in der Region zu haben. Und Hansruedi Kugler lobte das Theater St.Gallen und sein vielseitiges Programm. Bloss beim Lob blieb es allerdings nicht. Schnyder wie Lehner betonten, wie willkommen ihnen das Preisgeld sei – weil mit künstlerischer Arbeit niemand reich werde und die Kultur Unterstützung brauche.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See