Kategorie
Autor:innen
Jahr

Lehrplan 21: Planmässig trotz Widerstand

Die St.Galler Regierung will den Lehrplan 21 wie vorgesehen ab 2015 einführen. Die Initiative der rechtskonservativen Gegner ändere daran nichts, sagt Bildungschef Stefan Kölliker.
Von  Peter Surber

Die Tonalität war unüberhörbar: Verteidigung und Angriff zugleich. Dem Lehrplan 21 weht politischer Gegenwind entgegen – der St.Galler Regierungsrat Stefan Kölliker reagierte darauf an einer Medienkonferenz am Mittwoch mit der Sprache des Marketings: «Der Lehrplan 21 ist ein sehr gutes Produkt.» An seiner Seite bestätigten Vertreter der Schulträger (Verbandspräsident Thomas Rüegg), der Lehrerschaft (KLV-Präsident Hansjörg Bauer) und der Pädagogischen Hochschule (Dozent Thomas Birri) die breite Zustimmung der Fachleute zum LP 21.

«Weder dick noch teuer»

Was der LP 21 nach Köllikers Worten ist – beziehungsweise was er nicht ist:

  • Der LP 21 gebe Antwort auf die komplexer gewordene Welt, für deren Anforderungen der heute geltende Lehrplan 97 nicht mehr zeitgemäss sei. Eine Revolution bedeute er aber nicht, vielmehr die Weiterentwicklung von der einstigen Stoff- über die heutige Lernziel- bis zur künftigen (und heute schon weitherum praktizierten) Kompetenzorientierung, erläuterte PH-Dozent Birri. Viel gelernt werde weiterhin, denn: «Es gibt keine Kompetenzen ohne Wissen und Können.»
  • Der LP 21 sei seit 2009 breit abgestützt und zusammen mit St.Galler Schulpraktikern erarbeitet worden und nicht «abgeschottet und praxisfern» entstanden. Der Plan schaffe für die Lehrerinnen und Lehrer «Sicherheit und Klarheit», fügte Lehrervertreter Bauer hinzu – und lasse ihnen dennoch Methodenfreiheit.
  • Der LP 21 ist nicht umfangreicher als der heute geltende Lehrplan – was Kölliker mit den beiden Plänen in der Hand auch gleich demonstrierte. 470 Seiten (statt bisher 516) für 11 Schuljahre: Damit sei der Lehrplan kein Monster, sondern eine handliche Unterrichtsgrundlage und Leitlinie für neue Lehrmittel, ergänzte Schulträger-Präsident Rüegg.
  • Der LP 21 harmonisiert zwar den Schulbetrieb überkantonal – er lasse aber den Kantonen genügend Spielraum für ihre Eigenheiten. Und er komme, mit der halben Million Franken, welche St.Gallen dazu beisteure, entscheidend billiger, als wenn der Kanton auf eigene Faust einen neuen Lehrplan entwickeln müsste.

Aus all den Gründen hält die Regierung am vorgesehenen Zeitplan fest: Im Januar 2015 berät der Erziehungsrat in erster Lesung, danach gibt es eine Vernehmlassung u.a. zu den Lektionentafeln, im Mai und Juni soll ihn der Erziehungsrat erlassen und die Regierung genehmigen, danach wird er schrittweise bis 2017/18 eingeführt – bei 93 Schulträgern und rund 6000 Lehrpersonen im ganzen Kanton «eine logistische und inhaltliche Herausforderung».

Initiative verhindert LP 21 nicht

Noch härter dürfte die politische Herausforderung werden – auf verschiedenen Ebenen. Zum einen wird im Thurgau und in St.Gallen gefordert, dass künftig die Kantonsparlamente und nicht mehr der Erziehungsrat für die Lehrpläne zuständig sein sollen. Für Kölliker keine gute Idee – in 14 Tagen entscheidet der St.Galler Kantonsrat darüber.

Zum andern laufen insbesondere rechtskonservative Kreise gegen den LP 21 grundsätzlich Sturm. Sie sammeln unter dem Titel «Starke Volksschule St.Gallen – ohne Lehrplan 21» seit dem 4. November Unterschriften für eine Initiative. Diese fordert den Ausstieg St.Gallens aus dem Harmos-Konkordat. Eine solche Initiative hätte jedoch, im Widerspruch zu ihrem Titel, keinen direkten Einfluss auf den LP 21, sagte Kölliker. Sollte es zu einem Ausstieg kommen, so könnte der Kanton den neuen Lehrplan gleichwohl einführen.

Auch die Diskussion um eine oder zwei Fremdsprachen in den Primarschulen solle nicht mit der Debatte um den Lehrplan 21 verknüpft werden, hiess es an der Medienkonferenz. Harmos erkläre zwar die umstrittene Fremdsprachenregelung für verbindlich – würde sich aber der Widerstand gegen das Frühfranzösische durchsetzen, so müsste man den LP 21 halt anpassen.

Achtung: Indoktrinierung?

Differenziert diskutieren statt Schwarz-weiss-Malen: Das war die Botschaft an der Medienkonferenz. Von den Gegnern ist solches allerdings kaum zu erwarten – ihr Argumentarium gegen den LP 21 greift ins Volle. «Massiver Bildungsabbau» oder «dramatische Zunahme der Jugendarbeitslosigkeit» werden an die Wand gemalt – die Schimpfwörter heissen «Indoktrinierung», «Ideologisierung» und «Genderisierung» der Schule. Der Lehrplan greife die «natürliche Geschlechterordnung und die Familien» an, die Schweiz und ihre Institutionen würden in Frage gestellt und im Gegenzug «internationale Interessen propagiert».

Dem neuen Lehrplan wird insgesamt ein wertezersetzendes Weltbild unterstellt. Konkret? Darauf gibt die Website des Vereins Starke Volksschule St.Gallen keine Antwort. Vielleicht im Lehrplan für die Oberstufe, vielleicht in der Abteilung «Räume, Zeiten, Gesellschaften», vielleicht im Kompetenzbereich «Demokratie und Menschenrechte verstehen und sich dafür engagieren»? Darin lautet Ziel 3: «Die Schülerinnen und Schüler können die Schweizer Demokratie erklären und mit anderen Systemen vergleichen.» Staatszersetzend?

Oder im Bereich «Ethik, Religionen, Gemeinschaft»? Hier versteckt sich das aus ewiggestriger Warte umstrittenste Thema: Geschlechterrollen. Eines der Kompetenzziele heisst: «Die Schülerinnen und Schüler kennen Faktoren, die Diskriminierung und Übergriffe begünstigen und reflektieren ihr eigenes Verhalten.» Genderistisch? Näher liegt der Verdacht, dass sich die Lehrplangegner vor informierten und selber denkenden Schülerinnen und Schülern fürchten.

Regierungsrat Stefan Kölliker äusserte sich an der Medienkonferenz moderater, aber unzweideutig: Den Gegnern gehe es offensichtlich darum, mit allen Mitteln und auch mit Falschinformationen Unsicherheit zu schüren. Dabei sei der Lehrplan die zeitgemässe «Grundlage für das Wissen und Können und Handeln unserere nächsten Generationen».

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3.

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
IMG 5826 Paul Trummer 2

Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
IMG 1558