Kategorie
Autor:innen
Jahr

Luzerner Chef für Tagblatt Medien

Weitere Umwälzung beim St.Galler Tagblatt: Der bisherige Gesamtleiter der Medien Ostschweiz, Daniel Ehrat, geht per sofort. Seinen Job übernimmt Jürg Weber, Chef der Luzerner Zeitung. Die Folgen sind offen.
Von  Peter Surber , 

Orientiert wurde am Freitagmorgen an der Fürstenlandstrasse in St.Gallen: Die NZZ führt ihre beiden «Töchter», Tagblatt und Luzerner Zeitung (oder geschäftsoffiziell: Medien Ostschweiz und Medien Zentralschweiz) in einem einzigen Geschäftsbereich Regionalmedien zusammen. Die Führung übernimmt Jürg Weber, bisher Chef in Luzern. Daniel Ehrat, bisher Chef in St.Gallen, «hat sich im Zuge der Neuorientierung entschlossen, das Unternehmen zu verlassen», heisst es in der Mitteilung der NZZ-Medien. Er hat sich mit einem Mail bereits verabschiedet.

ehrat

Daniel Ehrat

Umweltschutz

Jürg Weber

Luzern und St.Gallen unter einem Dach

Bereits im Sommer hatten das St.Galler Tagblatt und seine Regionalausgaben auf eine Zweibund-Zeitung umgestellt. Jetzt kommt das gemeinsame organisatorische Dach Luzern-St.Gallen. Und als nächstes: ein gemeinsamer Mantelteil für die überregionalen Themen?

Die Folgen seien schwer abzuschätzen, sagt Adrian Rüesch, Verwaltungsratspräsident der St.Galler Tagblatt AG auf Anfrage. Einzig sicher sei zur Stunde: «Es gibt einen neuen Chef.»

Von Kündigungen oder neuen Ressortverteilungen sei keine Rede. Die beiden Chefredaktoren in Luzern und St.Gallen hätten nun den Auftrag, Möglichkeiten zur redaktionellen Zusammenarbeit aufzuzeigen. Einen Zusammenhang zwischen der Einführung der Zweibund-Zeitung und der jetzigen Neuorganisation sieht Rüesch nicht. Aber: «Die wirtschaftliche Lage zwingt zu Synergien zwischen den beiden Häusern.» Zwar sei die Zahlen in St.Gallen momentan noch «gut schwarz» – zugleich gebe es aber so «dramatische Einbrüche» bei den Inseraten, dass man handeln müsse, um auch in Zukunft noch investieren zu können.

Bekenntnis zur Lokalperspektive

In einer leerstehenden Halle des Tagblatt-Gebäudes an der Fürstenlandstrasse bekannten sich, wie Rüesch bestätigt, sowohl NZZ-CEO Veit Dengler als auch der neue Regionalleiter Jürg Weber vor der Redaktion ausdrücklich zum Lokalen und Regionalen. Plausibel, wenn man sich etwa eine allfällige gemeinsame Sportberichterstattung vorstellt: Spielt der FC St.Gallen gegen den FC Luzern, so schreibt jede Zeitung aus ihrer Lokalperspektive – wer dies aufgibt, vergrault nicht nur die Fans, sondern hat auch bei den Lesern verloren. Ähnliches gilt, wie Rüesch sagt, für die nationale Politik: Wie in Bern über die AHV debattiert werde, wolle man in St.Gallen aus der Sicht von Karin Keller-Sutter oder Paul Rechsteiner hören – und nicht mit der Stimme eines Urner Ständerats.

Über eine stärkere redaktionelle Zusammenarbeit mit Luzern (und zuvor bereits mit dem Berner «Bund», als dieser noch zur NZZ-Gruppe gehörte) diskutiert man an der Fürstenlandstrasse seit Jahren – die obigen Beispiele machen klar, wie gross die Schwierigkeiten sind und die Gefahr, weiter an Leserbindung zu verlieren.

Deshalb gibt es nach den Chef-Bekenntnissen zum Lokalen auch ein vorsichtig optimistisches Szenario: Wenn sich durch die Zusammenarbeit mit Luzern (etwa in der Auslandberichterstattung) Ressourcen sparen lassen, könnte dies den Regionalteilen der beiden Zeitungen zugute kommen. Und nach den Querelen und Führungsschwächen rund um die Personalabgänge bei der «Ostschweiz am Sonntag» setzt man zusätzliche Hoffnung in den neuen starken Mann an der Spitze – umso mehr, als für Jürg Weber die Ostschweiz als ehemaliger HSG-Absolvent kein weisser Fleck auf der Landkarte ist.

Andere Beobachter meinen: «Jetz wert’s chessle.» Die «Ostschweiz am Sonntag» sei ein Klumpfuss, weit unter den finanziellen und publizistischen Erwartungen geblieben – das Problem werde der «Neue» lösen müssen.

Wie weiter mit der Regionalpolitik?

Adrian Rüeschs persönliche Reaktion, als «Ur-Sanktgaller»? Wirtschaftlich sei die Konsolidierung unvermeidbar, «es geht gar nicht anders» – unter dem Gesichtspunkt der emotionalen Bindung aber tue jede Ent-Regionalisierung weh, sagt er. Und erinnert daran, dass er als Bub in Rorschach bereits das «Ostschweizer Tagblatt» ausgetragen habe, eine von damals noch zwei Rorschacher Zeitungen, in welcher der Lokalteil noch mit «Heimat am See» übertitelt war – bevor das «OT» vom Verlag Löpfe-Benz ans Tagblatt ging, das damals seinerseits noch Mehrfachkonkurrenz durch «Ostschweiz» und «AZ» hatte.

Rüesch betont: Von einer «Übernahme von St.Gallen durch Luzern» könne keine Rede sein – dennoch stellt man sich in der Tagblatt-Redaktion die Frage, ob es diesmal Reaktionen von Seiten der Politik gebe. Denn immerhin gehe es um Entscheidendes: ob und wie die regionale Politik in der einzigen Tageszeitung der Region künftig ihren Platz finde.

 

Die Er­de ist nicht ge­nug

Das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len er­öff­net Mit­te No­vem­ber zum zehn­jäh­ri­gen Be­stehen sei­nes Neu­baus den Aus­stel­lungs­be­reich «Mensch und Uni­ver­sum». Zwi­schen Kli­ma­kri­se und Ster­nen­him­mel geht es um ei­ne ziem­lich gros­se Fra­ge: Wo ste­hen wir ei­gent­lich?

Von Philipp Bürkler,
Naturmuseum Mensch und Universum Niklas Thalmann

Ein ziem­lich ab­ge­fah­re­nes Ding

Seit zehn Jah­ren gibt es die Re­si­den­cy in der Bi­blio­thek An­dre­as Züst im Al­pen­hof, die­sem so schwer zu fas­sen­den Ort in In­ner­rho­den. Der run­de Ge­burts­tag wird nun mit ei­nem viel­fäl­ti­gen Fes­ti­val ge­fei­ert.

Von Hanspeter Spörri,
Alpenhof bibliothek andreas zuest residency

Ein künst­le­ri­sches Ge­ne­ra­tio­nen­tref­fen

Be­vor die Kunst­hal­le St.Gal­len im De­zem­ber we­gen Um­bau­ar­bei­ten vor­aus­sicht­lich bis April 2027 schliesst, dreht sie noch­mals voll auf. In der Aus­stel­lung «House of Ch­an­ge: Pre-Con­s­truc­tion-Warm-Up-Ga­lo­re» prä­sen­tiert sie im lau­fen­den Mo­nat ein dich­tes, bun­tes Pro­gramm an Kunst und Kul­tur.

Von Larisa Baumann,
House of change larisa baumann 1

Zwi­schen Kunst und Kör­per 

In der Aus­stel­lung «Smi­le ma­nia­cal­ly we’re ali­ve» ver­bin­det Ja­la Wa­hid schein­bar ge­trenn­te Wel­ten. Sie schlägt dar­in ei­ne Brü­cke zwi­schen Er­in­ne­rung, Emo­ti­on, Wis­sen­schaft und Po­li­tik. 

Von Sieglinde Wöhrer,
Jala Wahid Smile maniacally were alive Sieglinde Woehrer

Ver­ei­nig­te Kul­tur­sze­ne pro­tes­tiert ge­gen den Spar­ham­mer

Die er­neu­ten Spar­vor­schlä­ge der St.Gal­ler Re­gie­rung stos­sen auf brei­te Ab­leh­nung. Die Kul­tur­sze­ne so­li­da­ri­siert sich ge­gen die Ab­bau­plä­ne. Die Kul­tur­lob­by hat sich in Stel­lung ge­bracht. Obs hilft?

Von Roman Hertler,
2611 Kulturgelder gaffa rappenspalter 2 farbe

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
226736

Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
DSC02464

Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,