Das Kunsthaus Bregenz zeigt Barbara Kruger in einer grossen Einzelausstellung. Die Losungen der Amerikanerin sind nicht neu - aber unvermindert aktuell.
Es ist der ganz normale Wahnsinn. Zwei sitzen am Tisch, oder drei oder vier, ein Wort ergibt das andere. Schnell sind alle voneinander genervt, obwohl keiner wirklich etwas gesagt hat, zumindest nichts von Bedeutung. Die eigentlichen Inhalte spielen sich im Kopf ab, beziehungsweise im Subtext.
Barbara Kruger zeigt im Kunsthaus Bregenz eine ihrer raren Videoinstallationen. Sie hat professionelle Schauspielerinnen und Schauspieler banale, allbekannte Szenen spielen lassen und das gesprochene Wort mit einem Untertitel ergänzt, der nicht das Gesagte wiederholt, sondern die Gedanken offen legt. Aber wessen Gedanken? Der Sprechenden? Ihrer jeweiligen Gegenüber? Des Publikums? Ach, wenn Gedankenlesen doch so einfach wäre. Aber gerade, weil es das nicht ist, suggerieren die nebeneinander laufende Hirn- und Tonspur, es doch wieder einmal zu versuchen, mehr zu spüren als zu sprechen.
Doch grundsätzlich ist die Sprache Barbara Krugers Medium. Seit den 1980er Jahren arbeitet sie mit vorgefundenen Bildern und dem geschriebenen Wort. Mit der 1927 von Paul Renner entwickelten Schrift Futura setzt sie markante Statements zum Verhältnis der Geschlechter, zu Krieg, Kultur und thematisiert soziale ebenso wie politische Fragestellungen. Daran hat sich nichts geändert und auch ihre jahrzehntealten Losungen sind leider noch immer aktuell.
Schon deshalb lohnt sich der Besuch der Einzelausstellung der Künstlerin in Bregenz. Aber es gibt noch einen anderen Grund wieder einmal ins Kunsthaus zu fahren: Wie kaum ein anderer Künstler oder eine Künstlerin geht Kruger auf die Architektur Peter Zumthors ein. Sie holt einerseits das Beste heraus für ihre Arbeit und arbeitet andererseits die Qualitäten des Baus heraus.
UV-Druck auf Vinyl, Boden 21 x 23 m Ausstellungsansicht 1. OG, Kunsthaus Bregenz, Foto ©: Christian Hinz
Mit wandhohen Lettern, zentimetergenau gesetzt, bespielt sie das Obergeschoss. Der Boden des ersten Stockwerks ist vollständig mit Schrift bedeckt, perfekt eingesetzt und mit überwältigendem Effekt. Die Aufrufe zum physischen und verbalen Gewaltverzicht in weiss auf schwarz vor den grauen Betonwänden – das lässt sich in seiner Wirkung kaum mehr steigern. Barbara Kruger hatte einmal die Architektur als ihre erste Liebe bezeichnet, in Bregenz ist derzeit der Beweis dafür zu sehen.
Dienstag – Sonntag 10 – 18 Uhr, Donnerstag 10 – 21 Uhr, bis 12. Januar
Das Naturmuseum St.Gallen eröffnet Mitte November zum zehnjährigen Bestehen seines Neubaus den Ausstellungsbereich «Mensch und Universum». Zwischen Klimakrise und Sternenhimmel geht es um eine ziemlich grosse Frage: Wo stehen wir eigentlich?
Seit zehn Jahren gibt es die Residency in der Bibliothek Andreas Züst im Alpenhof, diesem so schwer zu fassenden Ort in Innerrhoden. Der runde Geburtstag wird nun mit einem vielfältigen Festival gefeiert.
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In der Ausstellung «Smile maniacally we’re alive» verbindet Jala Wahid scheinbar getrennte Welten. Sie schlägt darin eine Brücke zwischen Erinnerung, Emotion, Wissenschaft und Politik.
Die erneuten Sparvorschläge der St.Galler Regierung stossen auf breite Ablehnung. Die Kulturszene solidarisiert sich gegen die Abbaupläne. Die Kulturlobby hat sich in Stellung gebracht. Obs hilft?
Kunstausstellung
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
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Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller