Premiere am 1. Mai in St.Gallen – und keiner hat's gemerkt: Erstmals lief an vorderster Front der Demo ein Regierungsrat mit (Foto: Benjamin Schlegel).
Fredy Fässler hat den 1. Mai in St.Gallen in bester Erinnerung. Die Kundgebung zum Tag der Arbeit hat ihm sehr gefallen: «Die Stimmung war gut.» Er hatte auch beste Aussicht: Fässler trug das Fronttransparent an der Spitze des Zugs mit. Darauf stand «Faire Löhne – bessere Renten», das gewerkschaftliche Motto des Tages.
Neben ihm und seiner Frau Sylvie lief weitere Prominenz: SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr aus Winterthur, welche die Hauptrede hielt, Nationalrätin Barbara Gysi aus Wil, ex-SP-Parteisekretär und Stadtrat Dario Sulzer aus Wil, SP-Fraktionschef Peter Hartmann aus Flawil sowie SP-Parteipräsidentin Monika Simmler aus St.Gallen.
Es ist das erste Mal seit Gedenken, dass ein amtierender SP-Regierungsrat an der Topposition am Umzug teilnahm. Fässlers Vorgängerinnen und Vorgänger in der Exekutive beschränkten sich jeweils auf diskretere Positionen. Es galt meist das Modell von Heinz Christen: Der langjährige Stadtpräsident, geübt im wohlabgewogenen Kompromiss, beschränkte sich auf die Steh-Demo in der Marktgasse, wo jeweils die Reden gehalten werden.
Fredy Fässler zeigte im doppelten Sinne Flagge: Er marschierte nicht nur zuvorderst mit, sondern trug auch noch eine Fahne, nämlich jene der SP. Es hätte aber auch die der Gewerkschaft Unia sein können, bei der er seit vielen jahren Mitglied ist. Auch jetzt noch als kantonaler Sicherheits- und Justizchef.
Ob die Leute von der St.Galler Stadtpolizei, die den Demozug wie gewohnt begleiteten, den obersten Polizeichef im Kanton überhaupt erkannt haben, ist nicht verbürgt. Auch nicht, ob Fässlers Präsenz sich auf die Sicherheitslage ausgewirkt hat. Die Frage ist wohl zu verneinen: Es ist nicht erinnerlich, dass es in den letzten Jahrzehnten an einer Mai-Demo in St.Gallen je zu einem Zwischenfall gekommen wäre.
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