Gemeinsam mit FCSG-Trainer Jeff Saibene trat der 32-jährige Philippe Montandon am Mittwochnachmittag vor die Presse. Montandon machte damit offiziell, was anfang Woche durchgesickert war: Der 1,89 Meter grosse Innenverteidiger und FCSG-Captain tritt per sofort vom Profifussball zurück.
Grund dafür sind die mittlerweile acht Hirnerschütterungen, die sich Montandon über die Jahre beim Luftkampf im Strafraum eingefangen hat – die jüngste im vergangenen August. Von dieser hatte er sich nie mehr richtig erholt. «Im Alltag habe ich keine gesundheitlichen Probleme, das ist das Wichtigste», sagte Montandon mit einem Blick zu seiner Frau und seinem Sohn, die bei der Pressekonferenz ebenfalls anwesend waren.
Dass es auf dem Platz nicht mehr gehen würde, hatte sich im ersten Training nach der Winterpause abgezeichnet. «Das Training war eher locker, trotzdem hatte ich danach einen sturmen Kopf und Schmerzen», erinnert sich Montandon.
Der Entscheid sei ihm nicht leicht gefallen, sagte der abgehende Captain. «Doch jetzt bin ich dankbar für die Karriere, die ich hatte – statt dem nachzutrauern, das vielleicht noch gekommen wäre.» Am Mittwoch wirkte er gelöst, gefasst und strahlte eine fast schon zen-mässige Ruhe aus.
Er war mal Stürmer
Mit Montandon geht einer jener Spielertypen, wie sie das St.Galler Publikum liebt: Eine Kämpfernatur ohne Allüren – nicht nur auf dem Platz. 2009 besiegte Montandon den Hodenkrebs und sprach mutig in der Öffentlichkeit darüber.
Auch sportlich ging es für ihn Auf und Ab. Nach seinem ersten, zweijährigen Engagement hatte er 2006 keinen Platz mehr beim FCSG und schlug sich durch die Challenge League: Nach Schaffhausen kam er zu Lugano, mit dem er mehrmals den Aufstieg verpasste. Mit der Rückkehr zum FCSG gelang das Kunststück 2012 dann im ersten Anlauf. Nun stehen 181 Spiele in der Super League und 136 in der Challenge League auf Montandons Konto.
Vor der Presse blickte Montandon auch auf spezielle Momente seiner Karriere zurück. Sein Profidebüt gab er im Mai 2000 beim FC Winterthur – als Joker wurde er auf der Stürmerposition eingewechselt und erzielte in der 90. Minute sogar ein Tor. Erinnerungswürdig sei auch der Cupsieg 2004 mit dem Underdog FC Wil. «Unvergessen bleibt mir aus der Zeit beim FCSG natürlich unsere Zeit in der Europa League, das war ein Highlight.» Ganz Profi vergass Montandon auch nicht, das «schöne St.Galler Stadion mit seinen tollen Fans» zu erwähnen.
Saibene will Montandon behalten
Seine Zukunft lässt Montandon vorerst offen – auch wenn Saibene gestern sagte, er hätte Montandon gerne beim FCSG, «ob jetzt im Nachwuchsbereich oder im Marketing». Saibene, mit dem Montandon eine langjährige Zusammenarbeit verbindet, lobte seinen abtretenden Captain als «Turm in der Abwehr» und stets wichtigen Gesprächspartner: «Philippe denkt wie ein Trainer.»
Der FCSG-Trainer betonte gestern auch, dass die Innenverteidigung stark genug besetzt sei, um den nun endgültigen Abgang zu kompensieren. Das mag sportlich stimmen, hat doch Montandon-Ersatz Daniele Russo eine erstaunliche Entwicklung hingelegt. Als Integrationsfigur, Sympathieträger und Routinier wird Montandon Trainer Saibene aber schmerzlich fehlen.
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