Kategorie
Autor:innen
Jahr

Punkrock mit Herz

Am Sing and Play Festival spielen 20 Bands von Hardcore über Post- bis Folk-Punk. Die Musiker halten dabei den Punk-Gedanken hoch: Sie spielen ohne Gagen, der Eintritt ans Festival wird per Kollekte erhoben. Und wenn ein Gewinn rausschaut, wird dieser an ein Hilfswerk gespendet.
Von  Urs-Peter Zwingli , 

Hinter dem Sing and Play Festival steht die schöne Geschichte einer eher kleinen, aber gut vernetzten und solidarischen Musikszene: Der Rorschacher Andy Vogler, der das Festival organisiert, wollte sich damit aus der St.Galler Konzertlandschaft verabschieden – und bekam auf einen entsprechenden Aufruf auf Facebook «übewältigendes Feedback von vielen Bands, die ich über die Jahre als Konzertveranstalter kennengelernt habe», sagt Vogler.

Das Resultat: Am Festival, das am Freitag und Samstag im Flon über die Bühne geht, spielen 20 Bands aus der (Ost-)Schweiz, dem Fürstentum Liechtenstein, Deutschland, Österreich, Frankreich, England und den USA. Sie alle spielen für «Benzingeld», verzichten also neben ihren Spesen auf eine Gage. Der Eintritt ans Festival wird per Kollekte erhoben. Dieser «freie Preis» ist in der Punk-Szene gerade in kleinen, nicht kommerziellen Konzertlokalen oder auch besetzten Häusern üblich. Die Idee: Niemand ist von Konzerten und Veranstaltungen ausgeschlossen, nur weil er wenig Geld hat.

Festival könnte Fixum werden

Weil das Festival von rund 30 ehrenamtlichen Helfern getragen wird, sind die Kosten eher tief. Wirft das Wochenende Gewinn ab, werden 60 Prozent davon an das Hilfswerk Viva con Agua gespendet. Dieses setzt sich für Wasserprojekte der Entwicklungsorganisation Helvetas und damit für ein menschliches Grundrecht – Zugang zu sauberem Wasser – ein.

«Der Sinn meiner Konzerte war es nie, Geld anzuhäufen», sagt Vogler. So sei es nur konsequent, dass er die Erträge aus seinem letzten Anlass spende. Wobei: «Wenn Sing and Play gut ankommt, kann ich mir vorstellen, dass es jährlich stattfindet», sagt Vogler. Mit seinem Konzertlabel Blackbird Booking war Vogler im Ostschweizer Untergrund zeitweise sehr aktiv: Rund 50 Konzerte in Rümpeltum, Flon oder Baracca veranstaltete er 2013, noch zehn dann 2014. «Das Booking mache ich in der Freizeit, mit der Zeit wurde es etwas viel», sagt er. Ganz lassen kann er seine Leidenschaft aber nicht: Er wird sich künftig im Treppenhaus Rorschach engagieren und ab und zu Konzerte veranstalten.

Weit mehr als Geknüppel

Das Programm am Sing and Play ist vielfältig und bietet weit mehr als Geknüppel – und einen schönen Querschnitt durch die lebendige Ostschweizer Szene: Da wäre etwa klassischer Street-Fun-Punk wie die Oberrieter NOFNOG oder  die St.Galler Ur-Punkrocker Tüchel, die sich auf ihrem neuen Material gewohnt schnörkellos geben. Ein ähnlicher Klassiker sind die unermüdlichen Rorschacher Painhead, die laut Selbstdeklaration «Positive-energized Indie-Country-Whatever-Postpunk for grown-ups » machen.

Daneben gibts aber auch viele Spielarten des weiten Oberbegriffs Punk zu hören: Etwa die St.Galler Melodic-Punk-Combo i.explode.i oder die ebenfalls in Güllen verwurzelten Punk’n’Roller Violet & The Pony. Den Kopf gut durchlüften dürften in der Freitagnacht auch Taped, eine ziemlich brachial abgehende Metalcore-Truppe aus dem Fürstentum Liechtenstein. Und für Freunde von klassischem, schnellen Hardcore gibts die St.Galler Entitled zu hören.

Daneben hat Vogler wie erwähnt auch internationale Truppen zusammengetrommelt: Etwa die US-Postcore-Musiker mit dem seltsamen Namen Wolves & Wolves & Wolves & Wolves. Oder die Teen Agers aus Orlando, auch eher auf der melodischen Seite angesiedelt. Und ein paar Perlen aus Deutschland und Österreich, speziell zu erwähnen etwa die unermüdlich tourenden Astpai, die am Samstag einen energetischen Schlusspunkt setzen dürften.

Doch genug des Genre-Gehubes und der Schubladisierungen – Musik lebt schliesslich davon, dass man sie sich anhört. Also: hingehen, abgehen. Zur Einstimmung ein paar Bands, die am Wochenende im Flon auf der Bühne stehen.

 

i.eplode.i – Golden Boats

Taped – Turn the Page

95-C – Twenty-Six

Violet & The Pony – Call it a Day

 

Titelbild: Auch St.Gallens Ur-Punkrock-Truppe Tüchel spielt am Sing and Play Festival.

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
226736

Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
DSC02464

Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2

Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
IMG 1890 2

«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz