Es sind erschütternde Nachrichten und Bilder, die uns seit dem Terrorangriff der radikal-islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober und der darauffolgenden Gegenoffensive der israelischen Streitkräfte im Gazastreifen erreichen. Und es macht in höchstem Mass betroffen, das Leid der Menschen zu sehen, das dieser Krieg auf beiden Seiten verursacht, ganz zu schweigen von den vielen Toten. Aber auch die Bilder, die es als Folge des Aufflammens dieses jahrzehntealten Konflikts in weiten Teilen Europas zu sehen gibt, sind beängstigend. Bilder von israelfeindlichen Parolen an Demos, von antisemitischen Sprüchen und Hakenkreuzen an Häusern, von Hetze in den sozialen Medien, kurzum: von offen zur Schau getragenem purem Judenhass, in welcher Form auch immer er sich äussert.
All das macht einen sprachlos. Dennoch muss man darüber diskutieren. Dinge benennen, die nicht zu akzeptieren sind. Man muss sagen können, dass man den barbarischen Angriff der Hamas verurteilt und Solidarität mit den israelischen Opfern zeigt, ohne damit die palästinensischen Anliegen zu negieren. Und genauso muss man Kritik an der rechten israelischen Regierung und der israelischen Siedlungspolitik der vergangenen Jahrzehnte üben können, ohne dieses Massaker zu relativieren. Das ist nicht nur legitim, sondern auch wichtig. Denn nur ein offener Diskurs ohne ideologische Dogmen kann diese Situation entgiften.
Für Antisemitismus gibt es keine Rechtfertigung. Und genauso wenig, wie man alle Jüdinnen und Juden für die Politik Israels der vergangenen Jahrzehnte und für das aktuelle Handeln der Armee im Gazastreifen verantwortlich machen kann, kann man von den Musliminnen und Muslimen erwarten, sich von den Gräueltaten der Hamas zu distanzieren. Tatsache ist aber, dass viel zu wenige islamische Meinungsführer:innen den Angriff auf Israel verurteilt haben. Und Tatsache ist ebenso, dass viele Musliminnen und Muslime seit der Eskalation zunehmend mit antimuslimischem Rassismus konfrontiert sind.
In dieser Ausgabe thematisieren wir den Antisemitismus (der, auch das muss man betonen, in jeder Gesellschaft latent vorhanden ist). Jüdinnen und Juden aus der Ostschweiz erzählen, wie sie ihn wahrnehmen und wie sie mit dem Krieg in Nahost und seinen Folgen umgehen. Wir reden mit der Aktivistin Miriam Rizvi über eine Demo, die aus dem Ruder gelaufen ist. Und Alfred Hackensberger beleuchtet die mediale und gesellschaftliche Wahrnehmung des palästinensischen Kampfes und erläutert, warum sich selbst sogenannt progressive Stimmen oft schwertun damit, den Terror der Hamas zu verurteilen.
Ausserdem im Dezemberheft: Die St.Galler Künstlerin Juliette Uzor, die den Manor-Kunstpreis 2023 erhalten hat und damit ihre erste Einzelausstellung im Kunstmuseum St.Gallen realisiert. Im Saiten-Porträt erzählt sie von ihrem Werdegang. Ein Gespräch mit einer Pflegefachfrau über den Personalabbau in den Spitälern, ein kritischer Blick auf die neuen Ausstellungen im Textilmuseum St.Gallen, ein Rückblick auf 30 Jahre Klang und Kleid, ein Einblick in die Aufbauarbeit für unseren neuen Veranstaltungskalender, die Bücher über den langjährigen St.Galler Rabbiner Hermann Schmelzer und über das Restaurant Baratella sowie ein Dokfilm über den Kampf gegen die Armut in Zürich.
David Gadze
In eigener Sache: MinasaRedeplatz mit Ronja StahlReaktionen / viel geklicktBildfangStimmrecht von SangmoNebenbei gay von Anna Rosenwasser
Perspektiven
Die Türen zum Dialog offen halten: Antisemitismus nimmt stark zu. Auch in der Schweiz ist es zu zahlreichen Vorfällen gekommen. Wie erleben das die Jüdinnen und Juden in der Ostschweiz? Und wie gehen sie mit der Situation in Nahost um? von David Gadze
«Ich habe Fehler gemacht»: Der Diskurs ist zum Teil hysterisch, es gibt kaum Raum für Reflexion und am Schluss gewinnen Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus. Eine Demo in St.Gallen hat das exemplarisch gezeigt. von Corinne Riedener
Verstaubte Stereotype bestimmen den Diskurs: Im Nahost-Konflikt hat seit den 1970er-Jahren ein Schwarz-Weiss-Denken eingesetzt. Dass sogenannt progressive Stimmen Terrorismus legitimieren, ist kein neues Phänomen. von Alfred Hackensberger
Die St.Galler Künstlerin und Tänzerin Juliette Uzor wurde mit dem diesjährigen Manor-Kunstpreis geehrt. Jetzt ist im Kunstmuseum St.Gallen ihre erste Einzelausstellung zu sehen. Nach einigen Wendungen im Leben geht sie inzwischen unbeirrt ihren Weg – auch wenn sie immer noch nicht weiss, wohin er sie führen wird. von David Gadze
Juliette Uzor. (Bild: Brigham Baker)
Kino: Himmel über Zürich – Ein Dokfilm über Zürich und die ganze Schweiz, in der Armut und der Kampf dagegen immer noch vielfach unsichtbar sind. von Corinne Riedener
Jubiläum: Ein Stück Grossstadt in der Kleinstadt – Der Fake-Laden Klang und Kleid feiert sein 30-Jahr-Jubiläum. von Philipp Bürkler
Literatur: «Immer wieder Baratella» – Das neue Buch über eines der legendärsten Restaurants in der Stadt St.Gallen. von Richard Butz
Literatur: St.Gallens dritter Rabbiner – Roland Kleys Buch über Hermann I. Schmelzer und die Jüdische Gemeinde St.Gallen. von Richard Butz
Ausstellung: «Guter Stoff» ist auch ungenügend – Die aktuellen Ausstellungen im Textilmuseum kann man zunächst einmal loben, aber ganz auf der Höhe der Zeit sind sie nicht. von Hans Fässler
Parcours: Postcarte, Palace, Rorschach, Dies Das
Plattentipps: Analog im Dezember
Gutes Bauen Ostschweiz: Werkplatz der Zukunft. von Stefanie Haunschild
Abgesang
Kellers Geschichten
Pfahlbauer jr.
Comic von Julia Kubik
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 6: «Wegwarte 002», Sur le Lac, Winterthurer Musikfestwochen und Schlossfestspiele Werdenberg.
Der FCSG kriegt beim Auswärtsspiel in Lissabon die Grenzen deutlich aufgezeigt. Sie verlieren das Spiel 0:5. Damit geht's für den FCSG jetzt gegen Sheriff Tiraspol in der Conference League weiter. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Notizen zu Christopher Nolans The Odyssey
Anja Braun lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.
Neues Buch
Bereits 1971 eröffnete Ursula Krinzinger ihre erste Galerie in Bregenz. Bis heute prägt sie die Kunstszene weit über die Bodenseeregion hinaus. Nun befasst sich die Bregenzer Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis mit der Galeristin.