Keine Ahnung, wie viel Zeit wir früher im «Rüümli» verbracht haben. Da es keine richtigen Fenster hatte, wusste man nie genau, wie spät es war. Plakatierte Wände, volle Aschenbecher und leere Flaschen, Instrumentenkoffer, Plattenkisten, Turntables und mittendrin das speckige 80er-Jahre-Sofa meiner Tante. Darauf habe ich nicht nur musikalische Lebenserfahrung gesammelt. Aber was erzähle ich, ihr hattet ja gefühlt alle auch ein Rüümli – Zufluchts- und Kraftort aller Teenies.
Manche haben mit dem Erwachsenwerden den Schlüssel dazu abgegeben, für andere waren die muffigen Garagen, Luftschutzbunker und Ställe nur der Anfang. Viele Bands haben sich so gefunden. Wie essenziell solche Räume sind, kann man jeweils auch am St.Galler Bandraumfestival Disorder erleben. Letztes Jahr haben über 20 Bands und Solokünstler:innen ihre Rüümli für zwei Nächte geöffnet. Dieses Jahr findet das Festival am 23. und 24. September statt – man kann sich noch anmelden.
Aber wie steht es eigentlich um die junge Ostschweizer Bandszene – nach Corona, vor der Wintersaison und trotz komischem Dialekt? Was wuselt, wer wuselt? Wer hat die Saiten in der Hand? Und gibt es überhaupt noch ein Publikum? Philipp Bürkler hat Franca Mock, Basil Kehl und Michael Gallusser dazu befragt. Aber die Bandlandschaft ist natürlich – zum Glück! – viel zu gross, um sie in Gänze abbilden zu können. Wir haben drum alles Mögliche auf drei Seiten wild zusammengewürfelt, ohne Vollständigkeitsanspruch. Und noch drei «Fanportraits» draufgelegt, über Claude Bühler, Europa: Neue Leichtigkeit und Crimer, illustriert von Mindaugas Matulis.
Weiter im Heft: Roman Hertler hat sich mit Celin Fässler getroffen. Jahrelang glaubte die St.Gallerin zu wissen, wer ihre leiblichen Eltern sind – bis sie mit 17 ihre Adoptionspapiere in die Hand gedrückt bekam. DNS-Tests und Reisen nach Sri Lanka, ihr Geburtsland, haben mehr Fragen aufgeworfen als Antworten gebracht. Es ist die Geschichte einer Identitätssuche, aber auch eine des Staatsversagens.
Aufregung auch im Kulturteil: Peter Surber hat sich mit Jan Henric Bogen getroffen. Im Interview spricht der der künftige Theaterchef über die Kontroversen nach seiner Wahl und seine Personalentscheide, über das Njet zu Tschaikowski und die Diversität auf und hinter der Bühne von Konzert und Theater St.Gallen – pünktlich zur neuen Spielzeit.
Ausserdem im September: Hans Fässlers Kritik an der aktuellen Ausstellung im Textilmuseum St.Gallen, die Flaschenpost aus Afghanistan, Bettina Dyttrichs Momentaufnahmen der Schweizer Pop-Szene und Erhellendes über Die Kunst des Zusammenlebens. Auf einen hoffentlich weiterhin aufregenden Herbst!
Apropos aufregend: Habt ihr unser schickes Heft-Layout schon bewundert?! Wir freuen uns sehr über den gelungenen Einstand des neuen Grafik-Teams, bestehend aus Nayla Baumgartner, Fabio Menet, Louis Vaucher und Michel Egger. Diesen Punkt auf der Saiten-Bucket List können wir abhaken, und auch inhaltlich ist einiges im Tun – mehr dazu auf Seite 7 im Heft.
Corinne Riedener
ReaktionenIn eigener SacheBildfangWarum? von Jan RutishauserNebenbei gay von Anna RosenwasserRedeplatz mit Jacques ErlangerStimmrecht von Sangmo
Die Pandemie hat die Musikszene auf den Kopf gestellt. Auch in der Ostschweiz. Jetzt sind die Konzerte wieder zurück. Das Publikum auch? Saiten hat Franca Mock, Basil Kehl und Michael Gallusser zum Gespräch über den aktuellen Zustand der Ostschweizer Bandszene getroffen. von Philipp Bürkler
Fandom: Claude, Neue Leichtigkeit und Crimervon Jessica Jurassica, David Nägeli und Corinne Riedener
Bandgestöbervon Roman Hertler und Corinne Riedener
Artwork: Mindaugas Matulis
Celin Fässler glaubt jahrelang zu wissen, wer ihre leibliche Mutter ist. Bis sie in ihren Dokumenten Unregelmässigkeiten feststellt. Reisen nach Sri Lanka und ein DNS-Test werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten. Die Geschichte einer behördlich verunmöglichten Identitätssuche. von Roman Hertler
Bild: Urs Bucher
«Gut» ist ungenügendvon Hans Fässler
Flaschenpost aus Afghanistan: Unter den Talibanvon Anita Bünter und Jonas Bischoff
Kontroversen um seine Wahl und seine Personalentscheide, das Njet zu Tschaikowski und Diversität auf und hinter der Bühne: Das Gespräch zum Spielzeitstart mit dem künftigen St.Galler Theaterdirektor Jan Henric Bogen. von Peter Surber
Bild: Edyta Dufaj
Literatur: Kinder und Kunst – geht das zusammen? von Karsten Redmann und Laura Vogt
Musik: Dyttrichs popmusikalische Bestandsaufnahme von Roman Hertler
Kino: Es braucht mehr Komplizinnen von Corinne Riedener
Parcours: Beethoven und der Krieg, 30 Jahre volle Säle, Der Krach ums weisse Bild, Seefahrende Seele, Anstoss in der Kunstliga, Ausstellung zur Stadtkaserne
Plattentipps: Analog im Septembervon Philipp Buob und Magdiel Magagnini
Kellers Geschichtenvon Stefan Keller
Comicvon Julia Kubik
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 6: «Wegwarte 002», Sur le Lac, Winterthurer Musikfestwochen und Schlossfestspiele Werdenberg.
Der FCSG kriegt beim Auswärtsspiel in Lissabon die Grenzen deutlich aufgezeigt. Sie verlieren das Spiel 0:5. Damit geht's für den FCSG jetzt gegen Sheriff Tiraspol in der Conference League weiter. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Notizen zu Christopher Nolans The Odyssey
Anja Braun lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.
Neues Buch
Bereits 1971 eröffnete Ursula Krinzinger ihre erste Galerie in Bregenz. Bis heute prägt sie die Kunstszene weit über die Bodenseeregion hinaus. Nun befasst sich die Bregenzer Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis mit der Galeristin.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 5: Emil Brunner – «Berg Kind Welt», Rapid Openair und Kulturufer.
Der Spagat zwischen europäischen Nächten und biederem Superleague Alltag ist oft schwer. So auch heute. Eine Leistungssteigerung und die richtigen Wechsel in der zweiten Halbzeit reichen aber für die ersten drei Punkte der Saison.
In leichten Pastelltönen und dunklen Ölfarben setzt sich der deutsche Künstler Marcel Hüppauff mit dem Profiradsport auseinander. Dabei treten in seiner Schau im Chambre Directe-Schubiger in St.Gallen nicht nur Menschen, sondern auch Katzen in die Pedale.