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Saiten im April: Piff Paff Peace

Aus gegebenem Anlass: Ein Heft über Frieden, Bewegung, Doppelmoral und den Krieg der Emotionen. Ausserdem: Arbeitskampf in Dietfurt, Putzen & Politik und die Ausstellungen zu Orlando und Hans Krüsi.
Von  Redaktion Saiten , 
Das Cover des Aprilhefts (hier ein Ausschnitt davon) ist von Maj Lisa Dörig.

Zerbombte Wohnhäuser, kaputte Spitäler, Kindergärten, Kirchen, verlorene Menschen vor ausgebrannten Häusern, dazwischen schwerbewaffnet patrouillierende Soldaten: Es sind Bilder, die kaum auszuhalten sind, die man nicht glauben will und doch glauben muss: Da wird im Frühling 2022 ein blühendes Land in Ruinen geschossen, Millionen Menschen sind zur Flucht gezwungen, Tausende sind gestorben, und der Krieg geht mit unverminderter Gewalt weiter – jetzt, bei Redaktionsschluss Mitte März, zieht sich die tödliche Schlinge um die Hauptstadt Kiew immer mehr zu.

Wie es dazu kam, wie dieser Krieg gegen die Ukraine verläuft, den man auf allen Kanälen (ausser in Russland selber) 24 Stunden lang verfolgen kann, was versäumt wurde, wie der Westen reagieren soll, was für die Geflüchteten zu tun ist: All das und vieles mehr ist erschöpfend analysiert, diskutiert, erhofft und erbangt worden in den Medien seit dem 24. Februar.

In diesem Heft versuchen wir, hilflos wie alle, dem Frieden die Stange hochzuhalten.

Saiten hat acht Zeichnerinnen und Zeichner gebeten, je ihre Assoziation zum Thema «Friedensappell» auf Papier zu bringen – entstanden ist eine vielfältige Bildstrecke, eine Art künstlerischer Demonstrationszug. Peter Müller blickt zurück auf die «grosse Zeit» der Friedensbewegung in der Ostschweiz, Grace Inauen berichtet über eine Friedenswerkstatt in St.Gallen, Corinne Riedener bringt kritische Überlegungen zum westlichen Rassismus im Umgang mit Geflüchteten ein. Und der Psychologe Urs Honauer gibt im Interview Auskunft zur Frage, wie friedliches Verhalten in sich selber beginnen könnte und wie es nach aussen wirkt. «Krieg wird immer von grossen Narzissten inszeniert. Selber nicht dem Narzissmus und damit dem Ego und Machtgelüsten zu verfallen, ist auch ein Beitrag zum Frieden», sagt Honauer.

Weitere Perspektiven zum alles dominierenden Thema eröffnen die Flaschenpost aus St.Petersburg und der «Redeplatz» im Heftauftakt, das Interview mit einem jungen Friedensaktivisten. Ausserdem im vom Krieg überschatteten April: «Wer putzt die Schweiz?» im Buch. Tilda Swinton, Hans Krüsi, Hans Schweizer in aufsehenerregenden Ausstellungen. Und die neue Saiten-Recherche zum Bührle-kontaminierten Mädchenheim in Dietfurt.

Gegen ein Virus Krieg zu führen, sei «genauso unsinnig wie die Ansicht, man könne Krieg durch Krieg besiegen», sagte der Filmemacher Alexander Kluge Anfang März in einem «Zeit»-Interview. «Man kann den Krieg nur beenden, wenn man den kleinen Möglichkeitsraum findet, in dem Frieden möglich wäre.» Kluges kluges Fazit: «Sieger ist nicht, wer die Schlachten gewinnt. Sieger ist, wer einen Frieden herstellt.»

Peter Surber

 

Der Inhalt:

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Viel geklickt
Bildfang
Position I – Menschen statt Häuser
Redeplatz mit Robin Eichmann
Nebenbei gay von Anna Rosenwasser
Warum? von Jan Rutishauser
Position II – Justiz statt Schmutz
Position III – Frauen statt Männer

Piff Paff Peace

Die Ostschweizer Friedensbewegung hat eine lange Geschichte. Ihre zentrale Botschaft: Kriege werden durch Abrüstung verhindert, durch Gerechtigkeit und Solidarität. Von Peter Müller

Solidarität mit den Geflüchteten aus der Ukraine ist jetzt wichtig. Aber nicht, weil es sich um «europäische Menschen mit blauen Augen und blonden Haaren» handelt. Von Corinne Riedener

Dozierende, das «Movetia»-Projektteam und die Studierendenorganisation SOSA haben an der Fachhochschule OST eine Solidaritäts- und Friedenswerkstatt eröffnet. Von Grace Inauen

Raus aus dem inneren Kriegszustand: Urs Honauer, Psychologe und Traumatherapeut, über den Umgang mit Emotionen und die Bedingungen für Friedfertigkeit und Gewaltfreiheit. Von Peter Surber

Illustrationen: Maj Dörig, Miriam Schöb, Herbert Weber, Lika Nüssli, Julia Trachsel, Dario Forlin, Armanda Asani und Nicolas Sourvinos

Illustration: Julia Trachsel

Perspektiven

Was lässt sich seit dem 24. Februar über Russland schreiben – und wie? Was ist noch sagbar? Und was kann man tun, um mit Russland in Beziehung zu bleiben? Die Flaschenpost aus St.Petersburg. Von Maren Schreier

Zwang und Opposition in Dietfurt: Wie die Gewerkschaften die Situation der Toggenburger Zwangsarbeiter:innen ignorierten. Und was das mit dem Streik 1931 zu tun hat. Von Roman Hertler

Kultur

Putzen ist intim. Putzen ist politisch. Das kann man aus dem Buch Wer putzt die Schweiz? von Marianne Pletscher und Marc Bachmann lernen. Von Gabriele Barbey

Paris-Strahlholz: Hans Schweizer, zeitlebens unterwegs zwischen Gegensätzen, bekommt zum 80. Geburtstag eine grosse Retrospektive im Kunst(Zeug)Haus. Von Kristin Schmidt

Queer, trans und dekolonial: Die von Tilda Swinton kuratierte Ausstellung «Orlando» im Fotomuseum Winterthur spinnt Virginia Woolf weiter. Von Corinne Riedener

«Onedöre gohts au»: Im Museum im Lagerhaus ist Hans Krüsi «am Zug», unter anderem mit seinem bemalten Velowagen der Appenzeller Bahnen. Von Peter Surber

Im Teig der Zeit: Die Performance-Künstlerin Andrea Vogel erhält den Konstanzer Kunstpreis 2022. Ihre Kunst begann auf dem «Laufsteg». Ein Porträt. Von Roman Hertler

Brautraub hat Tradition in Kirgistan – bis heute. Der Kurzfilm Ala Kachuu erzählt in bildstarken Aufnahmen von einer Frau, die sich dagegen auflehnt. Von Corinne Riedener

Hulda Zwingli in Schaffhausen, neue Töne vom Hämmerchen Klub, von Elio Ricca und Enrico Lenzin im Kulturparcours.

Abgesang

Kellers Geschichten
Pfahlbauer
Comic

 

 

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
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Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
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Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller