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Saiten im Februar: Bührle Züri Ost

Zürich hat seinen Bührle-Skandal. Was den Waffenhändler und Kunstsammler mit der Ostschweiz verbunden hat, blieb bisher unbeachtet - dabei waren die Connections eng. Nachzulesen im geschichtsträchtigen und auch sonst nahrhaften Februarheft.
Von  Redaktion Saiten

Dass man aus der Geschichte lernen kann, ist eine Binsenwahrheit. Ebenso wahr und bekannt ist, dass viele sich mit den Lehren aus der Geschichte schwer tun oder sich ihnen glattweg verweigern. So geschehen im Fall Bührle: Die milliardenschwere Kunstsammlung des Waffenproduzenten hat der Stadt Zürich zu einem neuen Kunsthaus verholfen, letzten Oktober wurde es eingeweiht, seither brechen die Negativ-Schlagzeilen nicht ab. Denn um die lückenlose und unabhängige Aufarbeitung der Fluchtgeschichte der Bilder hat sich die Zürcher Kunstelite gedrückt. Die Bührle-Stiftung versuchte auf den Forschungsbericht zur Sammlung Einfluss zu nehmen, im Dokumentationsraum im Kunsthaus selber sind die Fakten verharmlost. «Kein Wort dazu, dass die Fabrik der verdeckten Aufrüstung der Nazis diente, dass Bührle mit der Lieferung von Flugabwehrkanonen den Zweiten Weltkrieg befeuerte. Kein Wort zu den Nazis, keines zu den Opfern», kritisiert Woz-Journalist Kaspar Surber in seinem Saiten-Beitrag.

Soweit so skandalös. Unbeachtet blieben bisher aber die Ostschweizer Connections von Emil G. Bührle. Roman Hertler hat sie für dieses Heft recherchiert. Vor und während des Zweiten Weltkriegs pflegte Bührle enge Kontakte zu Rüstungsfirmen am Bodensee und im Rheintal sowie zum Fürsten in Liechtenstein. Ab 1941 beschäftigte er Zwangsarbeiterinnen in einer Textilfabrik im Toggenburg. Zur erbaulichen Jagd zog man sich in den Thurgau zurück, wo auch ein Bundesrat zu Gast war. Das Titelbild dieses Hefts zeigt Bührle, wie er auf dem Bodensee das «Drehringgeschütz Oerlikon» bedient.

Bührles wichtigster Partner beim Aufbau seiner Kunstsammlung war der St.Galler Kunsthändler Fritz Nathan. Ihm widmet Jörg Krummenacher einen weiteren Beitrag im Themenschwerpunkt dieses Hefts. Was aus dem Ganzen zu lernen wäre? Zumindest dies: Geschichte kann nicht rückgängig gemacht werden. Aber sie kann und muss erforscht werden, tabulos und mit maximalem Respekt vor ihren Opfern.

Exemplarisch für einen solchen Umgang mit der Geschichte steht der «Fall Grüninger»: das Schicksal des ehemaligen St.Galler Polizeikommandanten, der im Zweiten Weltkrieg hunderte oder tausende Geflüchtete im Rheintal über die Grenze liess, deshalb entlassen und erst nach jahrelangem Kampf posthum von der St.Galler Regierung rehabilitiert wurde. Im Interview zum 50. Todestag von Paul Grüninger erklärt Historiker Stefan Keller, was Grüningers Leistung war und was sie für die heutige Flüchtlingspolitik bedeuten könnte.

Ausserdem im geschichtsträchtigen Februar: Herbert Maeders Afghanistan im Museum Stein, 50 Jahre Mummenschanz, ein Besuch beim AuGeil-Label in Frauenfeld, Theater für ein junges Publikum und der Versuch einer Auslegeordnung nach zwei Jahren Pandemie – was haben wir gelernt von Corona?

Peter Surber

 

Der Inhalt:

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Medien und Mäzene
Redeplatz mit Kurt*
Nebenbei gay von Anna Rosenwasser
Warum? von Jan Rutishauser

Bührle Züri Ost:

Bührles Spuren in der Ostschweiz und in Liechtenstein: Ein historischer Spaziergang im Oerlikoner Hinterland. Von Roman Hertler

«Der Waffenmarkt funktioniert wie der Kunstmarkt»: Interview mit Historiker Matthieu Leimgruber. Von Roman Hertler

Fritz Nathan: Der jüdische Kunstvermittler in St.Gallen und seine enge Beziehung zu Emil Bührle. Von Jörg Krummenacher

Ein Rundgang durchs neue Zürcher Kunsthaus und ein paar Gedanken zum aktuellen Bührle-Hype. Von Kaspar Surber

Perspektiven:

36 Grad im Land, das nie eine Chance hatte: Flaschenpost aus der brasilianischen Provinzmetropole Ribeirao Preto. Von Toni Saller

Es gibt keine Freiheit, nur Befreiung: Rolf Bossart über die Lektionen im Aushalten von Widersprüchen, die uns das Virus seit bald zwei Jahren lehrt. Von Peter Surber

Ihr seid nicht allein: Stefan Keller im Interview über den Fall Grüninger, 50 Jahre nach dem Tod des St.Galler Polizeikommandanten und Flüchtlingshelfers. Von Peter Surber

Kultur:

Das Theaterstück The Garden von Paul Bowles erstmals auf Deutsch in einer Prachtsausgabe: die Besprechung. von Richard Butz

The Garden und wie es dazu kam: das Interview mit dem St.Galler Bowles-Übersetzer und Herausgeber Florian Vetsch. Von Tamea Wissmann

Die Entdeckung des letzten Jahres: Nobelpreisträger Abdulrazak Gurnah und sein Roman Das verlorene Paradies. Von Jochen Kelter

Kollektives Bandgestöber: Das Label AuGeil in Frauenfeld feiert seinen fünften Geburtstag. Ein Besuch bei den Macher:innen. Von Corinne Riedener

St.Gallen erhält einen neuen Kunstort. Er liegt an der steilsten und engsten Stelle der Stadt in der Mülenenschlucht: die Klause. Von Peter Surber

Der Dokfilm Thiel der Rote – Ein sehr diskreter Agent erzählt ein unbehagliches Stück Schweizer Überwachungsgeschichte. Von Corinne Riedener

Herbert Maeders Afghanistan-Fotografien erinnern an eine verlorene Kultur – zu sehen sind sie im Volkskundemuseum Stein. Von Hanspeter Spörri

Was Mummenschanz seit 50 Jahren einzigartig macht: Ein Gespräch mit Roy Oppenheim, dem Autor des Jubiläumsbuchs. Von Urs Oskar Keller

Zum dritten Mal bringt das Festival Jungspund im Februar Theater für ein junges Publikum in die Lokremise – samt Symposium. Von Peter Surber

Neue Alte Musik, neue Kraaken-Klänge, neue Einsichten über den Jodel und Gedenken an die «Grandes Dames» der Schweizer Literatur: der Kulturparcours.

Kellers Geschichten
Pfahlbauer
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