Dass man aus der Geschichte lernen kann, ist eine Binsenwahrheit. Ebenso wahr und bekannt ist, dass viele sich mit den Lehren aus der Geschichte schwer tun oder sich ihnen glattweg verweigern. So geschehen im Fall Bührle: Die milliardenschwere Kunstsammlung des Waffenproduzenten hat der Stadt Zürich zu einem neuen Kunsthaus verholfen, letzten Oktober wurde es eingeweiht, seither brechen die Negativ-Schlagzeilen nicht ab. Denn um die lückenlose und unabhängige Aufarbeitung der Fluchtgeschichte der Bilder hat sich die Zürcher Kunstelite gedrückt. Die Bührle-Stiftung versuchte auf den Forschungsbericht zur Sammlung Einfluss zu nehmen, im Dokumentationsraum im Kunsthaus selber sind die Fakten verharmlost. «Kein Wort dazu, dass die Fabrik der verdeckten Aufrüstung der Nazis diente, dass Bührle mit der Lieferung von Flugabwehrkanonen den Zweiten Weltkrieg befeuerte. Kein Wort zu den Nazis, keines zu den Opfern», kritisiert Woz-Journalist Kaspar Surber in seinem Saiten-Beitrag.
Soweit so skandalös. Unbeachtet blieben bisher aber die Ostschweizer Connections von Emil G. Bührle. Roman Hertler hat sie für dieses Heft recherchiert. Vor und während des Zweiten Weltkriegs pflegte Bührle enge Kontakte zu Rüstungsfirmen am Bodensee und im Rheintal sowie zum Fürsten in Liechtenstein. Ab 1941 beschäftigte er Zwangsarbeiterinnen in einer Textilfabrik im Toggenburg. Zur erbaulichen Jagd zog man sich in den Thurgau zurück, wo auch ein Bundesrat zu Gast war. Das Titelbild dieses Hefts zeigt Bührle, wie er auf dem Bodensee das «Drehringgeschütz Oerlikon» bedient.
Bührles wichtigster Partner beim Aufbau seiner Kunstsammlung war der St.Galler Kunsthändler Fritz Nathan. Ihm widmet Jörg Krummenacher einen weiteren Beitrag im Themenschwerpunkt dieses Hefts. Was aus dem Ganzen zu lernen wäre? Zumindest dies: Geschichte kann nicht rückgängig gemacht werden. Aber sie kann und muss erforscht werden, tabulos und mit maximalem Respekt vor ihren Opfern.
Exemplarisch für einen solchen Umgang mit der Geschichte steht der «Fall Grüninger»: das Schicksal des ehemaligen St.Galler Polizeikommandanten, der im Zweiten Weltkrieg hunderte oder tausende Geflüchtete im Rheintal über die Grenze liess, deshalb entlassen und erst nach jahrelangem Kampf posthum von der St.Galler Regierung rehabilitiert wurde. Im Interview zum 50. Todestag von Paul Grüninger erklärt Historiker Stefan Keller, was Grüningers Leistung war und was sie für die heutige Flüchtlingspolitik bedeuten könnte.
Ausserdem im geschichtsträchtigen Februar: Herbert Maeders Afghanistan im Museum Stein, 50 Jahre Mummenschanz, ein Besuch beim AuGeil-Label in Frauenfeld, Theater für ein junges Publikum und der Versuch einer Auslegeordnung nach zwei Jahren Pandemie – was haben wir gelernt von Corona?
Peter Surber
Reaktionen/Viel geklicktBildfangMedien und MäzeneRedeplatz mit Kurt*Nebenbei gay von Anna RosenwasserWarum? von Jan Rutishauser
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Der Dokfilm Thiel der Rote – Ein sehr diskreter Agent erzählt ein unbehagliches Stück Schweizer Überwachungsgeschichte. Von Corinne Riedener
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Zum dritten Mal bringt das Festival Jungspund im Februar Theater für ein junges Publikum in die Lokremise – samt Symposium. Von Peter Surber
Neue Alte Musik, neue Kraaken-Klänge, neue Einsichten über den Jodel und Gedenken an die «Grandes Dames» der Schweizer Literatur: der Kulturparcours.
Kellers GeschichtenPfahlbauerComic
Tunneleröffnung
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Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
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