Die einen lieben ihn, andere rümpfen irritiert die Nase, wenn sie ihn vorbeifahren oder im Bahnhof stehen sehen. Die bronze-rot-schwarze Farbgebung des Südostbahn-Traversos lässt kaum jemanden kalt. Wie SOB-Chef Thomas Küchler im Interview ab Seite 32 erzählt, habe das Bundesamt für Verkehr (BAV) bei seinem Job-Antritt 2012 gewünscht, dass man in der schweizerischen Bahnbranche und darüber hinaus wieder vermehrt aus der Ostschweiz hören wird.
Küchler hat Wort gehalten. Die Südostbahn, die 2001 mit der Bodensee-Toggenburg-Bahn zur drittgrössten Normalspurbahn der Schweiz fusionierte, hat in den vergangenen Jahren einen beispiellosen Wachstumskurs gefahren. Über eine halbe Milliarde Franken hat die SOB zuletzt in Rollmaterial und Infrastruktur investiert, das Personal wurde – notabene zu einer Zeit, als das Coronavirus die Welt fest im Griff hatte – um über 200 auf heute 815 Personen aufgestockt.
Die SOB-Züge verkehren heute auf der kultigen Gotthard-Bergstrecke (Treno Gottardo) und seit einem Jahr auch auf der Aare-Linth-Linie (Interregio Bern-Olten-Zürich-Chur) – eine Kooperation mit den SBB, aber mit eigenem Auftritt. Dass die SOB damit neu auch im Fernverkehr mitmischt, ist ein Novum und politisch gewollt. Das BAV erhofft sich damit frischen Wind im Bahngeschäft.
Mit dem Fokus auf den Freizeitverkehr und der angestrebten Verlagerung desselben auf die Schienen habe man ein grosses CO2-Einspar-Potenzial, sagt SOB-CEO Thomas Küchler. Wie der Umstieg auf den ÖV mit On-Demand- oder weiteren Angeboten funktionieren könnte, testet die SOB derzeit mit verschiedenen Partnern in diversen Regionen der Ostschweiz.
Saiten hat sich darum in Kooperation mit der SOB, die dieses Heft mitfinanziert hat, auf Erkundungstour hinter die Kulissen des Bahnunternehmens begeben. Unser Redaktions-Neuzugang David Gadze hat einen Streckenläufer getroffen, Philipp Bürkler war im Servicezentrum in Herisau zu Besuch, Emil Keller liess sich von einem Bahnfanatiker in dessen Erinnerungen entführen. Spannende Einblicke gewährten uns auch die Transportplanung und die Transportleitstelle in Herisau. Und Schriftsteller Christoph Keller denkt in seinem Essay über das Bahnfahren im Allgemeinen und barrierefreies Reisen im Besonderen nach.
Ausserdem im abgefahrenen Dezember: Das Interview mit Paul Rechsteiner anlässlich seines Rücktritts aus der Bundespolitik, samt Erinnerungen von Weggefährt:innen, Band-Gespräche und neue Musik aus dem Osten (Vol. 2) und die zwei jüngsten Publikationen der Verlagsgenossenschaft St.Gallen: Iris Blums erstaunliche Forschungsreise zum Monte Verità am Säntis und Simone Meyers Chronik der Jugendbewegungen in St.Güllen.
Roman Hertler
Reaktionen/PositionenBildfangStimmrecht von SangmoRedeplatz mit Sven SennhauserNebenbei gay von Anna RosenwasserWarum? von Jan Rutishauser
Schwerpunkt SOB
Streckenläufer Urs Kälin. (Bild: Andri Voehringer)
Der Zugdoktor von Philipp Bürkler
«Normaltage gibt es nicht» von Roman Hertler
Zu Fuss den Gleisen nachvon David Gadze
Sie nannten ihn «Loki»von Emil Keller
Zugtagebuch, post festumvon Christoph Keller
«Wir müssen noch viel mehr Leute auf die Bahn bringen –und zwar schnell»von Roman Hertler
Perspektiven
Geballt: die Flaschenpost aus Bolognavon Georg Gatsas
Paul Rechsteiner blickt zurück auf seine Jugend, die kulturpolitisch bewegten Jahre in St.Gallen und die grossen Aufbrüche in der nationalen Politik. Und nach vorn: zu den sinnvollen Bahn- und weniger sinnvollen Autobahnanschlüssen.
von Corinne Riedener
Kultur
Mirco Glanzmann (Fraine, Dachs, Yes I’m Very Tired Now), Livia Heim alias Livia Rita, Barbara Egli (Frantic), Lorenz Niederer (Silentbass) und Vanessa Engensperger alias Skiba Shapiro im Gespräch über Vernetzung, Förderung und die Wahrnehmung regionaler Musik.
von David Gadze
Bild: Sara Spirig
Hippies, Hecht und Hermann-Stollen: Simone Meyers Chronik zur St.Galler Jugendbewegungvon Roman Hertler
Weiter im Text: Andreas Niedermanns Kampf um das Schreibenvon Richard Butz
Monte Verità am Säntis: Iris Blums Aufarbeitung der Ostschweizer Reformbewegungenvon Corinne Riedener
«Die Kunst muss im Zentrum stehen!»: Richard Tisserands Oeuvre complète in Kreuzlingenvon Kristin Schmidt
Frische Ideen: Ein junges St.Galler Filmteam macht sich einen Namenvon Selim Jung
Und zwischen uns ein Berg: der Dokfilm Rotzloch von Maja Tschumivon Corinne Riedener
Gutes Bauen (III): Wie eine Kläranlage zur Stadt wirdvon Daniela Meyer
Parcours: Kulturraum für Appenzell, Weihnachtsgeister, Nieder mit dem Fu$$ball
Plattentipps: Analog im Dezembervon Magdiel Magagnini, Lidija Dragojevic und Philipp Buob
Abgesang
Kellers GeschichtenPfahlbauer jr.Comic von Julia Kubik
Tunneleröffnung
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
Theateraufführung
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.