Kürzlich chattete ich mit einer trans Freundin zu geschlechtsangleichenden Operationen, weil wir beide welche wollen. Sie schrieb: «Ich brauche einfach einen Creampie. Sobald mir Sperma aus der Vagina tropft, werde ich geheilt sein. Von allem, für immer.»
Alle meine Freundinnen müssen von irgendwas geheilt werden. Von Diskriminierung oder Übergriffen, von der Familie oder dem Fehlen derjenigen, von Todesfällen, Beziehungen, Traumata. Fast immer von irgendwelchen Männern.
Ich muss auch geheilt werden. Und deshalb lese ich What my bones know von Stephanie Foo, die autobiografische Erzählung einer Journalistin, die vom Heilungsprozess von ihrer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (CPTSD) erzählt. «Providing real hope for those who long to heal», steht zuoberst auf dem Cover. Eine Art Heilsversprechen. Und ich liebe Heilsversprechen. Nicht die von Eso-Arschlöchern, versteht sich, sondern die, die ich mir dauernd selbst gebe.
Ein Creampie war nie eines davon. Die letzten Tage wars beispielsweise selbstgemachter Kombucha, weil der gegen die typisch CPTSD-begleitenden Magenkrämpfe helfen soll, wie ich in irgendeinem Forum las. Oder lange war ich mir sicher, dass es meine Genderdysphorie für immer heilen würde, wenn ich mit Neovagina nach Portugal reisen und mich von einem Surflehrer am Strand ficken lassen würde. Oder der Klassiker: wenn sie mich küssen würde. Wenn ich nur die Coming-of-Age-Erfahrungen machen würde, derer mich die (Ost-)Schweiz beraubt hat, in dem sie mir meine Jugend lang trans Existenzen nur als Fetisch oder als Krankheit vorgemalt hat.
Die Jagd nach einem Menschen oder einem Ding, das mich für immer heilen wird, ist meist am intensivsten, wenn ich grad mitten in einem Schub stecke oder davon aufwache. Beim letzten Aussetzer schlug ich also panisch das Buch mit dem Heilsversprechen auf dem Cover auf, las es bis zur letzten Seite quer und den letzten Abschnitt auf repeat. Sie sei nach mehr als vier Jahren Therapie und Arbeit nicht geheilt, stand da, und sie werde wohl nie ganz geheilt sein. Was für ein beschissener Schluss, das half mir gar nicht.
Ich warf das Buch zur Seite und scrollte Chats durch, bis ich die Nachricht mit dem Creampie wiederfand. Ich stellte mir vor, wie mir irgendein Penis auf die frisch operierte Neovagina ejakulieren und wie mich das für immer heilen würde. Und, im Gegensatz zum Buch, half das tatsächlich. Zumindest für ein paar Tage, bis zur nächsten Therapie, bis zum nächsten Heilsversprechen.
Mia Nägeli, 1991, arbeitet nach einer Journalismusausbildung und ein paar Jahren bei verschiedenen Medien heute in der Musikbranche in der Kommunikation, als Tontechnikerin und als Musikerin.
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
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Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Die Ausstellung «Beyond the Manosphere. Masculinities today» im Kunstmuseum St.Gallen untersucht, wie Männlichkeit dargestellt, geprägt und gelebt wird. Und zeigt dabei auch ihre Widersprüchlichkeit.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.