Kategorie
Autor:innen
Jahr

Wer hat Angst vor der Antifa?

Trotz Lockerungen wird von Liestal bis Rapperswil weiter getreichelt gegen die angebliche «Corona-Plandemie». Dabei mischen sich Schweizerfahnen und rechtsextreme Symbole. Und die Polizei legt derweil die «Verhältnismässigkeit» so aus, wie es ihr gerade passt.
Von  Corinne Riedener
Rapperswil, 24. April 2020. Das Neonazi-Label Thor Steinar (schwarzer Hoodie) wird mehrfach gesichtet. (Bilder: flinkä Panther & co)

Anti-Corona-Demos in Chur, Liestal, Altdorf, Schaffhausen und zuletzt Rapperswil – von überall her pilgert das oppositionelle Volk mittlerweile in die Kleinstädte. Auch in der Hoffnung, dass man an der Peripherie weniger polizeiliche Repression zu befürchten hat als in Zürich, Basel oder Bern. Bisher ist diese Rechnung aufgegangen.

Im Vorfeld der unbewilligten Demo vom letzten Samstag in Rapperswil hat die Polizei in den Sozialen Medien eindringlich dazu aufgerufen, nicht zu kommen.

Das tat sie auch im Rahmen der sogenannten Osterkrawalle in der Kantonshauptstadt. Doch anders als bei den Jugendlichen in St.Gallen hat sie die Leute in Rapperswil nicht gleich am Bahnhof abgefangen und aufgrund ihres Aussehens kollektiv für 30 Tage weggewiesen. Aus Gründen der Verhältnismässigkeit.

Das ist auch richtig so. Kollektivstrafen mögen zwar legal sein, aber nicht unbedingt legitim. Gemäss Medienmitteilung der Kapo wurden bei über 4000 Teilnehmenden in Rapperwil 45 Wegweisungen ausgesprochen. Ansonsten ist es ruhig geblieben, abgesehen von den Treicheln, die die Ohren der Rapperswiler Städtlibevölkerung malträtierten.

Keine Aggression, kein Schlagstock? 

Trotzdem bleibt die Frage nach der Verhältnismässigkeit: Bei Schweizerfahnen, Wanderfunktionskleidung und On-Turnschuhen lässt sich die Polizei offenbar bereitwillig umarmen und mit Blumen beschenken, aber kaum sind Sneakers und schwarze Trainerhosen im Spiel, hat man die Kontrolle über seinen Schlagstock verloren.

Ein Beispiel dafür ist die linke Gegendemo im November 2020 auf dem St.Galler Gallusplatz. Zur Anti-Corona-Demo am Samstag in Rapperswil sagte Kapo-Mediensprecher Hanspeter Krüsi: «Wenn uns niemand mit Aggression droht, greifen wir nicht zum Schlagstock.»

Das gilt offenbar nicht für die erwähnten Gegendemonstrant:innen, die zu keiner Zeit «mit Gewalt gedroht» haben und trotzdem niedergeknüppelt wurden.

Man wird den Eindruck nicht los, dass die ominöse Verhältnismässigkeit je nach sozialer Zugehörigkeit oder politischem Spektrum der Demonstrierenden anders ausgelegt wird.

Dazu passt der Vertrauensvorsprung, den man den «Querdenker:innen» entgegenbringt. Die Leute hätten in der Regel beteuert, dass sie nur dort seien, um einen Kaffee zu trinken, sagte Regierungsrat Fredi Fässler im «Tagblatt»-Interview zu Rapperwil. «Die Polizei konnte sie schlecht wegweisen, da sie nicht mit Sicherheit wusste, ob sie lügen.» Den Jugendlichen und Linken begegnet man da wesentlich misstrauischer.

«Die Antifa hat keine Freude an uns»

Diesen Samstag hätte nun die erste Anti-Corona-Demo in einer richtigen Stadt stattfinden sollen, in Bern. Da am Ersten Mai die Strasse aber traditionell der Linken gehört, kam man von diesem Plan wieder ab. Wohl aus Respekt vor der Antifa, die diesen Samstag zahlreich auf Platz sein wird. Stattdessen wird in den einschlägigen Chats zu einer Demo in Lugano aufgerufen.

Auch der Thurgauer YouTuber Daniel Stricker rät davon ab, am 1. Mai nach Bern zu gehen. «Die Antifa hat keine Freude an uns», bedauert er am Mittwoch in seiner Sendung. Obwohl diese ja eigentlich dieselbe Abneigung gegen faschistische Regierungen habe wie seine «Bewegung». Stricker kann es gar nicht so recht verstehen, dass «die Antifa» nicht mitgeht bei den Anti-Corona-Protesten.

«Journalist» Stricker, der so gern gegen die «Massenmerdien» (sic) wettert, hat sich sicher eingehend mit «der Antifa» beschäftigt. Ernstgemeint kann das also nicht gewesen sein.

Falls doch, hier nochmal zur Klärung: Antifaschist:innen laufen – nebst vielen anderen vernünftigen Gründen – nicht mit, wenn rechtsextreme Symbole und Holocaustverharmlosungen in der Menge geduldet werden. Höchstens nebenher, um die Szene im Auge zu behalten.

Das Label Thor Steinar ist ein Statussymbol in der Neonaziszene. Rapperswil, 24. April.

Von Abgrenzung ist bei den «Querdenker:innen» keine Spur. Rundherum drückt man schön beide Augen zu. Es geht schliesslich um die Sache (gegen «Coronadiktatur» und «Plandemie»!), nicht um die Gesinnung.

Das Neonazi-Label Thor Steinar etwa ist an den Demos regelmässig zu sehen und mischt sich ganz selbstverständlich unter die Kuhglocken und Kantonsflaggen. Dazu gesellen sich gelbe «Coronasterne» und Slogans wie «Impfen macht frei».

Auch die PNOS macht in ihrem Parteiblatt «Harus» Werbung für die Anti-Corona-Demos und führt neuerdings auch eine eigene T-Shirt-Linie.

Werbung im «Harus»-Magazin

Und hier live in Rapperswil:

Ganz zu schweigen von den Chats, wo Antisemitismus und Rassismus an der Tagesordnung sind. Im Telegram-Chat der «Freunde der Verfassung» etwa, jenem Verein, der das Referendum gegen das Covid-19-Gesetz lanciert hat, werden Links zum Magazin «Compact» geteilt, das vom neurechten Netzwerker Jürgen Elsässer herausgegeben wird.

Hier ein Beispiel, apropos Antifa:

«Die Linksextremisten sind fest im Staatsapparat verwurzelt, beherrschen die Medien, werden verhätschelt und gepäppelt», heisst es im Editorial der Spezialausgabe.

Dass die Rechte offen ist gegenüber Verschwörungserzählungen, ist nichts Neues. Auch die Mär von der angeblich staatlich finanzierten Antifa wird fleissig weitererzählt. «Der neue Faschismus wird nicht sagen, ich bin der Faschismus – er wird sagen, ich bin der Antifaschismus», ist ein Bonmot der Szene.

Solche «Weisheiten» sind auch in den Chats der Schweizer «Querdenker:innen» immer wieder zu lesen. Unklar woher diese Obsession kommt. Oder der Glaube, dass «die Antifa» ein straff durchorganisierter Block sei.

Alle über einen Kamm

Bis jetzt konnten die «Querdenker:innen» grösstenteils unbehelligt durch die Schweizer Peripherie treicheln, egal wie rechtsoffen die «Bewegung» ist. Linken Aktivist:innen hingegen begegnet die Polizei regelmässig mit Repression, Tränengas, Schlagstöcken.

Und pünktlich zum Ersten Mai kann der «Blick» wiedermal «Schweiz ist auf dem linken Auge blind» titeln und lässt den immerselben «Aussteiger» aus dem «Schwarzen Block» seine realitätsverzerrten Geschichten auftischen: Linksradikale eine Sekte, gewalttätig sowieso – alle über einen Kamm.

Kein Wunder, finden es dann morgen wieder alle «verhältnismässig», wenn die Polizei die eine oder andere 1. Mai-Demo runterpfeffert, während in Lugano friedlich gegen die «Plandemie» anspaziert werden darf.

Screenshot «Blick», 29. April 2021

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von  Philipp Bürkler
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von  Philipp Bürkler
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von  Kristin Schmidt
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von  René Hornung
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von  Christoph Keller

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von  Peter Surber
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
DSC3137

Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv