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Wer stolpert denn da?

«Unter Tag – Kulturgut der Zukunft» ist die dritte Station der Reihe Kulturraum S4. Dieses Projekt des kantonalen Amtes für Kultur bringt kulturell und historisch bedeutsame Orte rund um den Säntis in einen Dialog mit zeitgenössischer Kunst.
Von  Kristin Schmidt , 
Die Arbeit von Ilona Rüegg. (Bilder: Jirka Makovec)

Kunstausstellungen haben längst die Museen und Galerien verlassen. Kunsthallen haben sich in Fabrikhallen, Garagen, säkularisierten Kirchen eingenistet. Kunst wird in alten Schulgebäuden, Kraftwerken, Brauereien oder Bahnhöfen gezeigt. Aber eines haben diese Bauten doch gemeinsam: Ihre Böden und Wände sind gerade; und meistens gibt es Tageslicht.

Das ist beim jüngsten Projekt in der Reihe «Kulturraum S4» anders: Im aktuellen Ausstellungsraum ist der Boden nicht nur etwas uneben, sind die Wände nicht einfach etwas aus dem Lot. Hier gleicht kaum ein Quadratmeter dem anderen. Der Boden ist von losem Steinmaterial übersäht, plötzliche Krater tun sich auf oder kniehohe Felskanten stellen eine Falle und das bei fast vollständiger Dunkelheit: Der Kulturraum hat in einer Kaverne Halt gemacht. Sie gehört der Espros Photonics AG in Sargans.

Unter Tag – Kulturgut der Zukunft: bis 18. August, Kaverne Espros Photonics AG, Sargans

sg.ch/kultur/kulturfoerderung

Das Unternehmen liess auf der Suche nach einer Produktionsstätte für hochwertige Halbleiterchips die Kaverne samt Notausgangsstollen aus dem Gonzen ausheben. Genutzt wurde sie bislang aber nicht und bietet damit eine grossartige Chance für die Kunst. Denn in dem riesigen unterirdischen Raum funktionieren keine Standardlösungen. Hier, wo das Unternehmen die Erforschung aktueller Technologien geplant hat, müssen auch die künstlerischen Ideen neu gedacht, neu entwickelt werden. Nicht nur die Dunkelheit stellt eine besondere Herausforderung dar, auch die Grösse des Raumes, die Luftfeuchtigkeit, die nicht vorhersehbaren Bewegungen der Ausstellungsbesucherinnen und -besucher, die sich ihren Weg bahnen müssen zwischen Steinstufen, Geröll und Schotter.

Bezieht sich Timo Müller mit seiner Arbeit auf diese tastenden Schritte, auf dieses suchende Vor-und-zurück oder doch lieber seitlich? Oder schlägt er den Bogen zur Espros-Senortechnik, die selbstfahrende Vehikel möglich macht? Das «Zelt» ist ebenso doppeldeutig wie poetisch. Es stolpert in unregelmässigen Abständen über den Kavernenboden. Seiner brachialen Art umherzuwandern mutet so gar nichts Technisches an. Eher noch könnte eine ausser Rand und Band geratene Festgesellschaft den weissen Pavillon unbeabsichtigt in Bewegung gesetzt haben.

Wenn sie doch nur nicht in Asi Föckers «Vermutung der Form Nr. 3» stürzt. Die St.Galler Künstlerin setzt dem ursprünglichen, hochspezialisierten Kavernenzweck eine elementare, auf das Wesentliche reduzierte Lichtinstallation entgegen. Im Duett reflektieren Spiegel das spärliche Licht zweier kleiner Lampen und lassen es über die unregelmässigen Wände flimmern wie kleine Irrlichter – hier wird sogar der Bezug zum benachbarten Bergwerk Gonzen und seinen Grubenarbeitern hergestellt.

Ebenso hervorragend wie für Lichtinstallationen ist die Kaverne für Videoarbeiten geeignet. Gabriela Gerber und Lukas Bardill integrieren die farblichen und räumlichen Unregelmässigkeiten der Spritzbetonwand in eine Zeichnungs- und Wortprojektion.

Ursula Palla lässt einen Labrador in vollkommener Gelassenheit mitten im Kavernenbauch verweilen. Daneben lässt Filmemacher Peter Mettler einen beeindruckenden Lavastrom über die Höhlenwand fliessen. Andy Guhl verwandelt in gewohnt gekonnter Weise Alltagselektronik in einen projizierten Farb- und Formenreichtum, der diesmal noch ergänzt ist um Elemente aus der Fertigung des Hausherrn.

Auf ganz andere Weise, aber ebenso schlüssig beziehen sich Nicolò Krättli und Jonathan Banz auf den Ort. Sie platzieren ein lebensgrosses Ohr neben einem Stalagmiten – irgendwann werden beide eins geworden sein.

Während diese Arbeit von einem kräftigen Lichtstrahl erhellt wird, verlässt sich Matthias Rüegg auf die feinen menschlichen Sinne. Nur wer genau hinschaut, wird das Farbspiel der 50 verschiedenen Glasscheiben entdecken. Und nur wer genau hinhört, nimmt das feine Klirren der Klanginstallation von Barblina Meierhans wahr.

Am Ende des Notstollens hin zur eigentlichen Kaverne wird die Kunst dann wieder grossmasstäblicher. Florian Germann konstruiert einen phallusförmigen Körper, der Wasserdampf versprüht. Der feine Nebel breitet sich mit seiner eigenen Dynamik weit in den Raum hinein aus und hält sich lange in der kühlen Umgebung.

Dann schliesslich ist das Geländer erreicht und damit die perfekte Aussicht auf eine Fahrbahn mit zwei verhüllten Autos, entwickelt und installiert von Ilona Rüegg. Wie von Geisterhand bewegt, gleiten die Fahrzeuge aneinander vorbei, begegnen sich, entfernen sich voneinander, warten aufeinander, begegnen sich aufs Neue. So schön kann autonomes Fahren sein.

Der Kontrast Timo Müllers tappendem Zelt ist gross und doch kommt hier die Ausstellung wieder zu ihrer Ursprungsidee zurück: Höhlenarchaik und Automatisierungstechnik passen durchaus zusammen.

Weitere Veranstaltungen:

  • 12. Juli, 18 Uhr, Rundgang durch die Ausstellung mit Ursula Badrutt und Marina Pondini. 20 Uhr: «Wir haben ein kleines CERN im Haus», Beat De Coi, Gründer ESPROS Photonics AG, erzählt.
  • 13. Juli, 13 bis 16.30 Uhr, Dreieinhalb Stunden im Bergwerk Gonzen (beschränkte Teilnehmerzahl, Anmeldung unter kultur@sg.ch). 18 Uhr: Rundgang durch die Ausstellung mit Ursula Badrutt und Marina Pondini
  • 17. August, 14.30 bis 17 Uhr, Zweieinhalb Stunden im Bergwerk Gonzen (beschränkte Teilnehmerzahl, Anmeldung unter kultur@sg.ch). 18 Uhr «Kunst im Gespräch» mit Jonathan Banz, Asi Föcker, Florian Germann, Andy Guhl, Barblina Meierhans
  • 18. August, 12 Uhr, «Schreiben heisst das Innen nach aussen kehren», Helen Meier, ein literarisches Werk und ihr überraschendes Märchenbuch von 2019. Lesung Jeanne Devos, Moderation Charles Linsmayer. 15 Uhr: Performance von Asi Föcker und Raoul Doré

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
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Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2

Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz