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Wort und Musik für traumatisierte Flüchtlinge

Die Ostschweizer Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerfragen untersucht die Situation traumatisierter Flüchtlinge. Für die Studie braucht sie finanzielle Unterstützung – am Sonntag findet in St.Gallen ein Benefizanlass statt.
Von  Peter Surber , 

«Mehret», eine 27jährige eritreische Staatsbürgerin, stellt im Juli 2012 ein Asylgesuch in der Schweiz. In den Befragungen durch das Staatssekretariat für Migration SEM wird deutlich, dass sie Schlimmes erlebt hat. «Mehret» berichtet von mehreren Vergewaltigungen und Misshandlungen, sowie von einer Haft, aus der sie schlussendlich fliehen konnte. Was genau in den etwa acht Jahren passiert ist, die zwischen ihrer Flucht und der Einreise in die Schweiz liegen, kann sie nicht mehr mit Bestimmtheit sagen. «Mehret» fällt es schwer, über ihre Vergangenheit zu sprechen, klare Ausagen über ihre persönliche Geschichte zu machen und sich auf das Gespräch zu konzentrieren. Sie gibt selbst an, dass sie schwerwiegende mentale Probleme hat und mit der Befragungssituation überfordert ist. Im Dezember desselben Jahres erhält «Mehret» einen negativen Asylentschied, in dem ihre Äusserungen, sie könne sich nicht an das Geschehene erinnern, weil sie psychisch stark belastet sei, als Schutzbehauptung und bewusste Täuschungsversuche gewertet werden…

Der Fall «Mehret» ist einer von vielen, den die Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerfragen dokumentiert hat. Ob Bürgerkrieg, Folter, sexuelle Gewalt oder Gefahren auf der Reise: Die Gründe für Traumatisierungen sind so vielfältig wie die Fluchtbiographien. Und jeder Mensch reagiert anders auf traumatisierende Erlebnisse.

Das sagt Katri Hoch, die neue Geschäftsleiterin der St.Galler Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerfragen. Die St.Galler Institution ist neben Bern und Genf eine der drei privatrechtlich tätigen Beobachtungsstellen in der Schweiz, die sich die Dokumentation und Information über Asyl- und Ausländerfragen zur Aufgabe gemacht haben. Eines ihrer Mittel sind die Fachberichte – für den aktuellen Bericht über Traumatisierungen ist die St.Galler Stelle hauptverantwortlich. Erscheinen soll er im Herbst.

Hauptproblem: die Glaubwürdigkeit

Auch wenn die Grenzen zwischen «leicht» oder «schwer» oder «kaum traumatisiert» nicht genau zu ziehen seien, könne doch allgemein gesagt werden: «Flüchtlinge mit einem Trauma haben besonders grosse Schwierigkeiten im Asylverfahren. Hauptgrund ist die Schwierigkeit, ihre Fluchtgeschichte kohärent wiederzugeben – weil ihre Erinnerung an die traumatisierenden Erlebnisse blockiert ist. Dieser Verdrängungsvorgang, welcher als Begleiterscheinung von schweren seelischen Verletzung bekannt ist, wird im Asylverfahren nicht selten als ein Lügenindiz missverstanden.»

Beispielhaft dafür ist der Fall «Mehret», der nach mehreren Rekursen und erneuten Wegweisungsbescheiden vorläufig damit endet, dass die Frau nicht ausreisen kann, mit Nothilfe lebt und ihr die dringend nötige Therapie damit verwehrt bleibt.

Solche Flüchtlinge bräuchten bereits im Verfahren eine Atmosphäre, die ihnen ein Mindestmass an Vertrauen und Sicherheit bieten würde, und gute Betreuung. Gute Beispiele dafür gibt es: Katri Hoch nennt ein Pilotprojekt in Zürich, bei dem Asylsuchende bereits in einer frühen Verfahrensphase Rechtsberatung und weitere Unterstützung erhalten. Die positiven Folgen: Flüchtlinge seien besser vorbereitet – auch auf allfällig ablehnende Bescheide.

Benefizanlass «Traumatisierten Flüchtlingen eine Stimme geben»:

Sonntag 31. Januar 17 Uhr Kirche St.Laurenzen St.Gallen

Die Schauspielerin Diana Dengler liest Texte, Pianist Xoán Elías Castiñeira spielt Werke der Romantik

Angst und Scham

Neben juristischer Beratung wäre auch ein medizinischer und psychotraumatologischer Check-up sinnvoll – aber auch schwierig zu realisieren, räumt Katri Hoch ein. Der Begriff des Traumas ist schillernd, medizinisch weitläufig und auch den Patienten selber oft nicht vertraut. Katri Hoch: «Jede Art von körperlicher und seelischer Gewalt, von Erniedrigung, von lebenswichtigen Verlusten, von schwerwiegender Mangelerfahrung und von Zukunftslosigkeit ist traumatisierend und bewirkt seelische und körperliche Leiden. Hinter Schmerzzuständen, die den Weg in die Hausarztpraxis veranlassen, können sich Traumata verbergen, die zu schildern für die Betroffenen aus Angst und Scham oft kaum möglich ist.»

Belastendes vor und nach der Flucht

Und: Traumatisierungen geschehen nicht nur vor der Flucht, sondern auch danach: Eine von Misstrauen und Vorurteilen geprägte Befragung, Schnellverfahren mit nicht akzeptierbaren Negativentscheiden oder lange Verfahrensdauer unter belastenden Wohnbedingungen, das Gefühl der Rechtlosigkeit, das Fehlen der nächsten Angehörigen, auch das Fehlen einer Erwerbstätigkeit, die Ungewissheit über die Zukunft, all dies und vieles mehr kann traumatische Störungen verursachen oder verstärken.

Ziel des Berichts und des am Sonntag stattfindenden Benefizanlasses ist es denn auch, die Bevölkerung und die Behörden zu sensibilisieren für die in den lauten Debatten über die Migrationspolitik verdrängten oder nicht beachteten Leiden der traumatisierten Flüchtlinge.

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

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Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

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Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

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Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

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Stimmrecht

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Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

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Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

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Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

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Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

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Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

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Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

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Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
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Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
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Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
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Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
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Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
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Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover