«Ich bin stolz darauf, auf den ersten Blick unsympathisch zu sein. Mir ist es herzlich egal, ob man mich mag. Das sei hiermit allem vorangestellt.» So unwirsch stellt sich der Typ vor, der dem Werk den Titel gibt: Der Eremit. Und so geht die Story weiter: Ein notorischer Zweifler, den schon die Frage umtreibt, für welche Eissorte er sich entscheiden soll, trifft auf ein wütendes Kind, das auf der Flucht vor seinen Erziehungsberechtigten ist, und auf einen älteren Herren, der zwar seinen Körper, aber nicht sein Leben verliert.
Schöpferin von Der Eremit ist Marijpol oder bürgerlich Marie Pohl. Die Comics der in Hamburg lebenden Zeichnerin sind nach Auskunft von Lika Nüssli, die das Comic-Programm am Wortlaut verantwortet, «surreale Mythologien, die mit spielerischer Leichtigkeit und wie selbstverständlich in moderner Zeit agieren. In ihrem grafischen Werk findet sich eine Fülle von absurd fantastischen Einzelheiten, herzerfrischend in ihrem Einfallsreichtum. Suspekte wissenschaftliche Versuche, Urtiere und ein einsamer Misanthrop mit vor Zwiespalt geteiltem Kopf: alle stehen sie vor demselben Orakel.»
Ihre erste Graphic Novel Trommelfels von 2011 wurde für das beste Szenario geehrt, das Folgewerk Eremit feierte seine Premiere am Fumetto. Jetzt bringt Marijpol ihre eindrücklichen Originale nach St.Gallen. Und damit erweitert sich das diesjährige Wortlaut-Festival erstmals um eine Ausstellung.
Neben Comic und Graphic Novel spielt aber weiterhin das geschriebene (und gesprochene) Wort die Hauptrolle am Wortlaut. Prominente Namen in der Ausgabe 2015 sind Ruth Schweikert, Urs Mannhart, Thomas Meyer mit seinem Preussen-Roman Rechnung über meine Dukaten, Angelika Overath oder die Spoken-Word-Stimmen Christoph Simon, Hazel Brugger und Guy Krneta.
Die Ostschweiz ist inhaltlich vertreten im Roman Die Verlorene von Michèle Minelli, die wahre Geschichte eines Justizskandals von 1904 um die St.Galler Schneiderin Frieda Keller. Im übrigen ist das Open Mic dem Literaturnetz Ostschweiz gewidmet, mit sieben Autorinnen und Autoren. Es gibt literarische Stadtführungen, Saiten bietet am Samstag seinen «Gassenhauer», und am Wortlaut-Sonntag stellt sich die neue Edition Literatur Ostschweiz vor mit Durstland von Monika Slamanig. Ab heute ist das Programm online und läuft der Vorverkauf.
St.Galler Literaturtage Wortlaut: Donnerstag, 26. bis Sonntag, 29. März, diverse Orte in St.Gallen und Auftakt in Appenzell. Infos: wortlaut.ch
Ausstellung: Marijpol «Der Eremit»: Samstag, 28. März bis Sonntag, 12. April im Lapidarium der Stiftsbibliothek. Infos: marijpol.com
Neues Buch
Bereits 1971 eröffnete Ursula Krinzinger ihre erste Galerie in Bregenz. Bis heute prägt sie die Kunstszene weit über die Bodenseeregion hinaus. Nun befasst sich die Bregenzer Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis mit der Galeristin.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 5: Emil Brunner – «Berg Kind Welt», Rapid Openair und Kulturufer.
Der Spagat zwischen europäischen Nächten und biederem Superleague Alltag ist oft schwer. So auch heute. Eine Leistungssteigerung und die richtigen Wechsel in der zweiten Halbzeit reichen aber für die ersten drei Punkte der Saison.
In leichten Pastelltönen und dunklen Ölfarben setzt sich der deutsche Künstler Marcel Hüppauff mit dem Profiradsport auseinander. Dabei treten in seiner Schau im Chambre Directe-Schubiger in St.Gallen nicht nur Menschen, sondern auch Katzen in die Pedale.
Mit Hildegard Fässler (1951–2026) verstarb kurz vor ihrem 75. Geburtstag eine der profiliertesten Ostschweizer Politikerinnen an den Folgen einer schweren Erkrankung. Nachruf einer langjährigen Weggefährtin.
Versteckt im Sittertal produziert die Kunstgiesserei Werke renommierter Künstler:innen. Dabei gilt es oft, Neues auszuprobieren und Lösungen zu finden – mit Zucker, Wachs und natürlich Metall. Saiten erhält einen Einblick in das verrückte Schaffen am Rande St.Gallens.
Der FC St.Gallen gewinnt gegen den haushohen Favoriten aus Lissabon mit 2:1. Die grösste Sensation, die dieses Stadion je gesehen hat. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.