Preisträgerin ist Nina Paim. Die 1986 geborene Grafikerin stammt aus Brasilien, hat 2012 in Amsterdam ihr Grafik-Studium abgeschlossen und lebt seit einiger Zeit mit ihrem Partner, dem Grafiker Fabian Harb, und als Mutter eines zwei Monate alten Kindes in St. Gallen. 2012 war sie ein erstes Mal für einen Swiss Award nominiert, jetzt hat sie gewonnen, mit einer unkonventionellen Design-Vermittlungsarbeit.
Wie unterrichtet man Design?
Unter dem Titel «Taking a Line for a Walk» hat die Designerin eine Ausstellung in der renommierten Moravian Gallery im tschechischen Brno gestaltet. Den Auftraggebern ging es darum, die in die Jahre gekommene Institution neu zu beleben, erklärt Nina Paim. Eingeladen wurden ausschliesslich Studierende – Nina Paim als Kuratorin entschied sich, das Lernen und Unterrichten von Design selber zum Thema zu machen. Das geschah zum einen in ausgiebigen Recherchen, zum zweiten mit Workshops im Bauhaus Berlin, in Portugal oder in Estland, zum dritten schliesslich in der Ausstellung selber. «Überzeugend visualisiert Paims Mediation der Ausstellung mit Workshops historische Modelle der Unterweisung in Design», heisst es im Jurybericht.
Eine Fortsetzung fand diese Arbeit anschliessend in Dänemark, wo die Designerin als Artist in Residence eine weitere Ausstellung realisierte, diesmal ganz auf den Bauhaus-Pädagogen Wassily Kandinsky und seine Art des Unterrichtens konzentriert.
Mit Leuten arbeiten, die besser sind
Sie interessiere sich momentan stark für Arbeiten im Zwischenbereich von Kuratieren und Unterrichten, sagt Nina Paim – auch weil das ein ideales Feld für Kollaborationen sei. «Ich arbeite nicht gern allein. Und am besten ist es, mit Leuten zu arbeiten, die besser sind – und so als Gruppe besser zu werden.»
In der Ostschweiz ist eines der nächsten Projekte des Duos Paim/Harb der grafische Auftritt der «Heimspiel»-Ausstellung. Nina Paim bedeutet der Preis viel: Eine grosse Ehre sei es natürlich, aber auch Bestätigung darin, dass sie mit ihren eigenen Projekten auf dem richtigen Weg sei.
Wer gewinnt, bekommt wahlweise 25’000 Franken, einen sechsmonatigen Aufenthalt in einem Designbüros oder einen frei wählbaren Atelieraufenthalt im Ausland. In der Sparte Vermittlung ist Nina Paim die einzige Preisträgerin, daneben vergab die Eidgenössische Designkommission Preise in den Bereichen Fotografie, Grafikdesign, Mode- und Textildesign, Produkte und Objekte sowie Szenografie. Eingereicht worden waren 272 Dossiers, rund 50 kamen in die engere Wahl. 14 Ausgezeichnete kommen aus dem Kanton Waadt, 13 aus Zürich, 8 aus Genf; die Ostschweiz ist gerade einmal vertreten.
Die Arbeiten der Gewinnerinnen und Gewinner sowie der Teilnehmenden der zweiten Runde der Kunst- und Designwettbewerbe sind in den parallel zur Art Basel stattfindenden Ausstellungen «Swiss Art Awards 2015» und «Swiss Design Awards 2015» zu sehen, die heute abend eröffnen.
16. – 21. Juni, 10 bis 19 Uhr. Eintritt frei, Halle 4, Messezentrum Basel. Mehr Infos hier.
Bilder: Bundesamt für Kultur
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