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Glücksrezept VIII: Richtig fragen

Gelegentlich lohnt es sich, die eigenen Angewohnheiten zu hinterfragen – im wahrsten Sinn des Wortes. Franz Wismer hat dabei Überraschendes erlebt.
Von  Gastbeitrag

Oft erhalte ich schnippische, wenn nicht gar mürrische Antworten auf simple Anfragen beim Amt. Woran das liegen mag? Frage ich zu direkt oder bin ich zu wahrheitsliebend? Für meinen Selbstversuch ändere ich meine Einstellung und formuliere meine Fragen um und versuche jegliche Fachausdrücke möglichst zu vermeiden.

Mir ist klar, dass ich es mit der Naivität nicht übertreiben darf. Aber bereits nach der ersten Anfrage beim Steueramt, weiss ich mehr, als für das Ausfüllen der Steuererklärung nötig ist. «Und falls Ihnen etwas unklar sein sollte, rufen Sie wieder an. Wir sind für Sie da», tönt es auch bei weiteren Versuchen unisono.

Es scheint, als arbeiteten überall hilfsbereite Menschen in der Verwaltung, die sich Zeit nehmen, um die Details möglichst genau zu erklären. Und damit nicht genug! Der Beamte erklärt mir sogar die Hintergründe, und warum in der Praxis so oder anders gehandelt wird. Ich reibe mir die Augen – erlebe ich das gerade wirklich?

Selbstversuch_Porträt_Franz

Franz Wismer

Ich mache einen weiteren Versuch bei der Stadtverwaltung in Chur. Von der Person, die ich suche, gibt es dort zwei mit gleichem Vor- und Nachnamen. Unglücklicherweise weiss ich das Geburtsdatum nicht, also erkläre ich, es gehe um ein Klassenztreffen. Die Angestellte ist sehr zuvorkommend; als ich den Hörer auflege, weiss ich nicht nur die Wohnadresse des Gesuchten, sondern auch dessen Geburtsdatum.

Was zeigen mir diese Erfahrungen? Das ich im Alltag oft aus Zeitgründen sehr kurz angebunden telefoniere und dabei wichtige Informationen weglasse. Reduktion ist zwar sinnvoll, aber sie darf den Informationsfluss in beide Richtungen nicht hemmen. Am Ende des Selbstversuches bin ich glücklich, da ich auf meine Fragen treffende Antworten erhielt. Dazu die neue Erfahrung – wer geschickt fragt, führt.

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