Ein alter Röhrenfernseher summt gleich hinter der Eingangstür des Kellergeschosses. Darauf steht ein Linux-Pinguin und eine ReparierBar-Tasse. Davor sitzen vier Männer um die 30 auf einer ebenso farbenfrohen wie abgewetzten Couch und spielen Super Mario. Dahinter ein Regal mit IT-Fachliteratur, über das Betriebssystem Linux, übers Programmieren, über Dinge, von denen normale PC-User nichts verstehen.
Reparieren: ein Stück Unabhängigkeit
Das Konzept der PC-ReparierBar ist simpel: Besucherinnen und Besucher bringen ihren Computer oder ihr Smartphone zur Reparatur. Die Hacker vom Ruum42 versuchen, den Schaden gegen eine freiwillige Spende zu beheben. «Diese ReparierBar entspricht unserer Philosophie», sagt Ruum42-Präsident Paul Jaros. Der Hackergeist schreibe es vor, anderen das Wissen über PCs zur Verfügung zu stellen und zu helfen. «Dinge zu reparieren ist gleichbedeutend mit einem Stückchen Unabhängigkeit», sagt auch Carmen Cepon von der Initiative ReparierBar.
Eine lange Werkbank mit Vergrösserungsglas, Schränke voller Werkzeuge und Ersatzteile, ein mannshoher Serverschrank – und mittendrin Nerds, die ihre Experimentierfreude zur Verfügung stellen: «Ich arbeite gerade an einer Kamera, von der ich weiss, dass sie kaputt ist», lacht ein Hacker und schraubt eine alte Kamera auseinander. Ohne Vergnügen am Tüfteln tut sich das niemand an. Die Reparatur ist ein Stück weit Selbstzweck. Aber es geht um mehr: darum, den Nachhaltigkeitsgedanken auch im PC-Sektor zu verankern.
Den meisten Normalverbrauchern fehle die Geduld, nach dem Motto: Lieber neu kaufen, als Zeit zu investieren. «Die Besucher der ReparierBar sollen ihre Fähigkeiten wiederentdecken», sagt Carmen Cepon. Die Freude am Reparieren soll vermittelt werden. Nachhaltigkeit geht nur über Selbstverantwortung – konstruieren statt konsumieren.
Nachhaltige Computer – ein Widerspruch?
Durch die Reparatur von noch tauglichen Geräten wird der Lebenszyklus eines PCs oder Smartphones nachhaltiger gestaltet. Die Produktion ist dabei aber ausgeklammert. «Fair produzierte Computer gibt es nicht», titelte die Online-Ausgabe der Zeit unlängst. «Auch das FairPhone ist nicht komplett fair hergestellt, sondern nur so fair wie möglich», sagt Carmen Cepon. Gewisse Rohstoffe wie Kupfer können nicht unter garantiert fairen Bedingungen produziert werden. Nachhaltige Produktion heisse ständiger Kampf. Ein Label allein reiche schon lange nicht mehr.
Nerds sind trendy
Hinter dem Hackerspace Ruum42 steht ein gleichnamiger Verein, der seit Februar 2013 existiert. «Früher trafen wir uns in losen Strukturen im Bierhof, irgendwann entstand der Wunsch nach eigenen Räumlichkeiten und die Idee für einen Verein», sagt Jaros. Dieser wird von etwa zwei Dutzend Personen getragen. Die wöchentlichen Linux-Treffs sind öffentlich, denn: «Unser Wissen soll allen zugänglich sein», ergänzt der Vereinspräsident.
Immer wieder bezeichnet er sich und seine Hackerkollegen als Nerds. Die Duden-Definition dieser Bezeichnung ist wenig schmeichelhaft: sehr intelligenter, aber sozial isolierte Computerfan. Die Hacker kokettieren bewusst mit diesem Stereotyp. Auf den spärlichen Besuch an der ReparierBar und das schöne Wetter angesprochen, lacht ein Hacker: «Sonnenstrahlen geniessen? Kann ich mir nicht erklären.» Um dann nachzuschieben, dass sie halt Kellerkinder seien und Neonröhren den Sonnenstrahlen vorziehen würden. Augenzwinkernd, versteht sich. Spätestens seit der TV-Serie The Big Bang Theory ist das Nerd-Dasein trendy.
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