Knapp zweieinhalb Kilogramm Buch: In der Kunsthalle St.Gallen stellte die Edition Patrick Frey Beni Bischofs Psychobuch vor. In diesem Band findet die tägliche mediale Bilderflut ihren Meister.
Es macht sich gut im Gestell. Passt gerade in die Lücke des nicht mehr benötigten Telefonbuches. Ein Ziegel sozusagen. Und dann diese Aufschrift auf dem Buchrücken: «Psychobuch», in schwarzen, fetten Lettern. Nicht zu übersehen. Wer so etwas im Büchergestell hat, outet sich. Allerdings nicht als Konsumentin oder Konsument von Ratgeberliteratur, sondern als süchtig, süchtig nach Beni Bischofs Bilderwucht.
Wurstnasen, Muskelprotze
Geschriebenes gibt’s nur wenig in dem Wälzer, aber dennoch Hilfe in allen Stimmungslagen, von «Laut» bis «Ernst» von «Lustig» bis «Ruhig» und für alles was dazwischen liegt. «Ruhig Lustig», «Laut Ernst», «Laut Lustig» und «Ruhig Ernst» also. Acht Kategorien für die ganze Welt aus Wurstnasen, Muskelprotzen, Fratzen und Katzen, Knete und Kitsch. All das also, was jeden Tag millionenfach durchs Netz strömt und auf Druckmaschinen landet. Was aufs Hirn schlägt und manchmal sogar aufs Gemüt. Der ganze Bilderstrom gebändigt zwischen den beiden Hälften einer Bratwurst, die überdimensional auf den Umschlaginnenseiten prangt. Gebändigt von Beni Bischof, der statt zurückzuschrecken, auf die Bilderflut losgeht und sie sich aneignet, mit den Fingern, mit Stiften, Würstchen und schliesslich diesem Buch.
640 Seiten sind es geworden. Es hätten vermutlich doppelt so viele sein können. Aber genau das ist die Stärke des Buches: Es ist dick und es ist schwer, aber es ist die Summe von Entscheidungen. Die Bilder fliessen nicht einfach immer weiter, sondern sie sind von Beni Bischof ausgewählt, es sind die richtigen.
Im Grossen Sumpf
Wem das nicht reicht, der hat noch die Wortsammlungen am Anfang eines jeden Kapitels. Hier stehen Titelideen und Satzfragmente aus des Künstlers Notizen. Sie sind alphabetisch geordnet, so dass Halluzinationen auf den Hammer treffen und der Mond auf das Museum für miese Kunst. Der Gescheite Hund spielt dummer Hund neben dem Gospel und dem Grossen Sumpf. Und St.Gallen? «In St.Gallen geht die Post ab» – im (Kapitel) Ernst.
Beni Bischof: Psychobuch, Edition Patrick Frey Zürich 2014, Fr. 88.-
Mehr Infos unter psychobuch.ch.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.