Die erste Staffel von «Bild mit Ton» erregte beachtliche Aufmerksamkeit: Rund 40’000 Zuschauer sahen sich die Sendung online an. Mehrere nationale Medien berichteten über das ungewöhnliche Satireformat, das im Herbst 2013 online und auf dem Privatsender Schweizer SportSzene fernsehen (SSf) gezeigt wurde. Der Sender hatte, am Rande des Konkurses und kurz vor dem Relaunch, der Thurgauer Slam-Poetin Lara Stoll einen Blankoscheck ausgestellt.
Stoll tat sich darauf mit ihren Kollegen Cyril Oberholzer und Dominik Wolflinger aus dem Filmstudium an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) zusammen. Gemeinsam tobten sie sich dann während insgesamt sechs Episoden gründlich aus.
Die drei machten sich über alles lustig: Krankheiten, Drogen, Alte, Männer. Das Ergebnis waren sechs Mal 25 Minuten Chaos-Satire, wie sie in der Schweizer Fernsehlandschaft nur selten, wenn überhaupt, zu sehen ist. Trotz allem wurden aber keine Flachwitze geboten, sondern clever in Klamauk und Nonsens verpackte Seitenhiebe. Nie vorhersehbar, bisweilen absurd, aber immer auch gesellschaftlich relevant.
Alte Filme neu vertont und umgedeutet
Nun kommt im Januar die zweite Staffel von «Bild mit Ton». Im Vergleich zur ersten Staffel ändert sich mit den neuen Episoden vieles. Die einzelnen Folgen sind mit rund 50 Minuten doppelt so lang wie bisher. Ausserdem setzt Lara Stoll mit ihrem Team mehr auf die Neu-Synchronisation von alten Filmen. «Es ist ein neues Produkt entstanden», sagt sie. Das Konzept der zweiten Staffel lasse sich kaum mit jenem der ersten vergleichen. «Wir haben sechsmal einen neuen Film kreiert.»
Die Filmstudenten nehmen rechtefreie Filme, kürzen diese auf rund 15 Minuten und vertonen sie neu. Dazu schreiben sie einen neuen Plot. Im Wechselspiel mit dem alten Bildmaterial verweben die Macher selbstgedrehte Szenen in den neuen Plot und lassen so den alten Originalfilm mit den eigenen Aufnahmen und einem zweiten Handlungsstrang verschmelzen.
Die erste Episode der zweiten Staffel von «Bild mit Ton», die am Montag, 12. Januar, ausgestrahlt wird, tut genau das mit dem amerikanischen Horrorfilm Night of the Living Dead aus dem Jahr 1968. Neu vertont heisst das Ganze dann Das Haus, in dem man LSD konsumierte, wo sich die Protagonisten nicht etwa aus Furcht vor Zombies (wie im Original) in einem Haus verschanzen, sondern um Halluzinogene zu konsumieren.
Nach der Filmsequenz folgt in jeder Episode die fiktive Sendung «Sternstunde: Schweizerfilm», in der Charaktere, die von Stoll, Oberholzer und Wolfinger verkörpert werden, über den gezeigten Film diskutieren (oder sonstigen Unsinn machen). Satirisch, dadaistisch und chaotisch geht es also auch in der zweiten Staffel von «Bild mit Ton» zu.
Die Macher thematisieren unter anderem die Mutlosigkeit des Schweizer Fernsehens, den Umgang mit Minderheiten, Religionsfragen oder die Jugend. Sie hätten darauf geachtet, zeitlose Themen zu behandeln, statt sich an Aktualität gebundenen politischen Fragen zu widmen. «Wir wollen, dass die Leute die Sendung auch in einigen Monaten oder Jahren noch anschauen können», sagt Stoll.
Filmen im Heidiland und Europapark
50 Minuten sind eine lange Zeit im Internet, wo sich User an kurze Clips gewohnt sind. Das weiss auch Lara Stoll. «Es ist gut möglich, dass sich die Zuschauer erst mal ans neue Konzept gewöhnen müssen.» Mit der ersten Staffel hätten sie aber dazugelernt. Und sie ist sich sicher: Die zweite Staffel ist besser.
Das neue Konzept macht «Bild mit Ton» zwar noch überraschender, aber auf der Produktionsseite auch deutlich aufwendiger. Viel Zeit und Geld hätten sie in die neuen Folgen investiert, sagt Lara Stoll. So sind sie zum Beispiel für Dreharbeiten der vierten Episode ins Bündnerland gefahren und haben dort eine Alphütte gemietet, um Heidi-Szenen zu drehen. Auch im Europapark filmte die «Bild mit Ton»-Crew.
Im Grunde sei das Projekt eine Herzensangelegenheit, sagt Stoll. Die zweite Staffel dürfte laut den Machern aber auch gleichzeitig die letzte sein. Für eine dritte Staffel reicht das Budget nicht, künstlerisch wollen die Beteiligten ausserdem neue Wege gehen
Zur Steigerung der Vorfreude anbei der Trailer zur zweiten Staffel – der allerdings nicht allzu viel über deren Inhalt enthüllt:
Zweite Staffel «Bild mit Ton»: ab 12. Januar jeweils montags um 19 Uhr auf Sport Szene Fernsehen (SSf) und online. Weitere Infos: ssfmedia.ch, bildmitton.tv.
Bild: Slam-Poetin Lara Stoll, fotografiert von Jonas Reolon
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