Kategorie
Autor:innen
Jahr

Von der Verträglichkeit des Unterschieds

Das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen ist konfliktanfällig. Das muss aber nicht sein. Am Donnerstag wurde in Herisau mit der 10. Ausgabe des Vernetzungsanlasses «Plattform» gezeigt, wie es auch anders geht.
Von  Harry Rosenbaum , 
Christine Beerli (Bild: cinfo.ch)

«Transkulturalität» heisst das Zauberwort. Die Abteilung Chancengleichheit im Appenzell-Ausserrhoder Amt für Soziales, die das «Plattform»-Format entwickelt hat, meint: «Vielfalt ist unsere Stärke». Um das zu beweisen, wurden in das Alte Zeughaus in Herisau der Zürcher Verein Mondopoly und die Vizepräsidentin des IKRK, Christine Beerli, an die «Plattform 10» eingeladen.

Das Format hat sich zum Ziel gesetzt, Fachleute, Entscheidungsträgerinnen und –träger sowie an aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen Interessierte zusammenzubringen, um Themen zur Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit zu diskutieren. Man will Impulse setzen und als Sensorium für Entwicklungen und Trends wirken. Der Verein Mondopoly engagiert sich für eine Gesellschaft der gegenseitigen Anerkennung, wo mehr miteinander statt übereinander geredet wird. Christine Beerli vertritt eine Schlüsselstellung im Internationalen Komitee vom Roten Kreuz, bei welchem Mitarbeitenden aus über 120 Nationen tätig sind. Das IKRK muss die Prinzipien der humanitären Arbeit und die Regeln des humanitären Völkerrechts in Relation zu den Grundwerten der verschiedenen Kulturen bringen.

Begegnungsspiel um Vorurteil abzubauen

Vielfalt als Potenzial statt als Bedrohung erleben. Der Verein Mondopoly hat für ein Begegnungsspiel fünf Menschen eingeladen, die ein bestimmtes Merkmal, eine bestimmte Gruppe repräsentierten: ein Drogenabhängiger, eine Transsexuelle, zwei Frauen in gleichgeschlechtlicher Ehe, eine Rollstuhlfahrerin und einen Geflüchteten. Sie erzählten aus ihrem Leben und stellten sich den Fragen der «Plattform»-Teilnehmenden, die so nach dem Motto «miteinander statt übereinander reden» über die eigenen Vorurteile und Kategorisierungen nachdenken konnten. Das Begegnungsspiel Mondopoly wird in Herisau am 20. Mai 2017 nochmals in grösserer Form ab 9 Uhr im Schulhaus Ebnet West stattfinden.

Für IKRK-Vizepräsidentin Christine Beerli ist die kulturelle Vielfalt in der täglichen Arbeit ihrer Institution unabdingbar, weil das IKRK in über 90 Ländern mit Gewaltsituationen tätig sei. Dazu gehörten etwa schwere Gewaltkriminalität in Mexiko und massive kriegerische Auseinandersetzungen in Syrien und auch in Afrika. Tangiert seien die unterschiedlichsten Kulturen.

Dem IKRK gehe es vor allem darum, bei kriegerischen Auseinandersetzungen der Genfer Konvention und dem humanitären Völkerrecht Nachachtung zu verschaffen. Aber auch die Gleichstellung von Mann und Frau sei in den Krisengebieten wichtig. Vor allem im arabischen Raum seien bei den humanitären Hilfsorganisationen Frauen noch stark untervertreten. Sie seien aber sehr wichtig, weil zu den weiblichen Opfern von Gewalt aus kulturellen Gründen nur über Frauen Kontakte geschaffen werden könnten.

Einheimische nur beschränkt einsetzbar

Laut Beerli sind in der Regel IKRK-Einsätze in Gefängnissen und bei politisch Verantwortlichen sowie bei den Militärs in den Krisengebieten nur über mobile Delegationen mit ausländischer Besetzung machbar. Einheimische IKRK-Mitarbeitende würden sich Repressionen der Machthabenden aussetzen. Sie seien aber sehr gut bei der Nahrungsmittel- und Medikamentenverteilung einsetzbar.

In sogenannten Prothesen-Werkstätten und Therapiezentren für Kriegsopfer in Somalia und Afghanistan setzt das IKRK derzeit mit grossem Erfolg sowohl Frauen ein wie auch Mitarbeitende, die selbst als Kriegsopfer Prothesen tragen. Das schaffe grosses Vertrauen zu den Patienten und Patientinnen, sagte Beerli. Damit könne deutlich gemacht werden, dass auch Behinderte selbst als Helfer zum Einsatz kämen.

«Das IKRK bleibt in politischer Hinsicht stets neutral», sagte die Vizepräsidentin. «Das heisst aber nicht, dass wir auf diplomatischer Ebene in eigener Sache gleich positioniert sein müssen. Beispielsweise haben wir bei den Taliban in Afghanistan erreicht, dass sie jetzt auch IKRK-Kurse über die Genfer Konvention besuchen, die sie vorher strikte abgelehnt hatten. Wir haben das nur geschafft, weil wir den Besuch von Kurse in Erster Hilfe, an denen die Taliban sehr interessiert sind, von dem Besuch der Kurse über die Genfer Konvention abhängig machten.»

Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
2610 RIO Saalbild

Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0218 max

Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
IMG 5751

Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
Volksbad rene hornung 1

Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
2609 Staetevergleich DSC 6589

Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
7228 dsc00923

Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
1000229093

Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
3 gewerbemuseum winterthur next relations leon ehrmann matthis plaga 300dpi a5 1

Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
Ausstellungsansicht en Foto Sebasti

Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
Christina walker foto petra rainer 2026 farbe

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
IMG 0333
Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
Humanhuman 2026 calexandrakochdevos lowres 2

Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
2609 RIO Gerd Zikeli 01 IMG 1149