Sogar im Nextex lässt sich der vorweihnachtliche Konsumrausch befriedigen. Im St.Galler Kunstraum gibt es einen Pick-up-Store: hingehen, aussuchen, zahlen, daheim aufhängen.
Ob Kunst von Können kommt oder von Käse, darüber lässt sich streiten. Dass aber Kunst und Kommerz liiert sind, ist kaum von der Hand zu weisen. Wenn jedoch der Kunstkonsum so erfrischend unprätentiös daherkommt wie jetzt im Nextex am Blumenbergplatz, macht kaufen Spass.
Zumal der finanzielle Einsatz ohne Einschränkungen den Künstlerinnen und Künstlern zugute kommt: Das Nextex-Team behält keinen Rappen, dabei hat es so einiges geleistet für den dreitägigen Pick-up-Store: Alle Kunstschaffenden von visarte ost und dem Ostschweizer Künstlerarchiv wurden eingeladen, ein 40 x 40 cm grosses Kunstwerk für den Verkauf anzuliefern. 110 Arbeiten wurden eingereicht und mussten gehängt werden.
Gehängt und zuvor gesichtet: Ganz offensichtlich ist bei der Petersburger Hängung wenig dem Zufall überlassen. Die Kleinformate sind dicht an dicht präsentiert und finden sich in erstaunlichen Nachbarschaften. Da prangt etwa ein chagallartiger Frauenakt in der Nähe einer verlassenen Zapfsäule. Wortkunst findet sich neben dem Porträt einer Hauskatze. Manches kommt uns bekannt vor, vieles aber auch nicht.
Auch das macht den Reiz der Verkaufsausstellung aus: Es wurde nicht zensuriert, alle durften mitmachen. Die bekannten Namen der Ostschweizer Kunstszene haben sich ebenso beteiligt wie so manche oder mancher, die noch nie den Weg ins Nextex gefunden haben, geschweige ihre Werke in eine Ausstellung. Der Pick-Up-Store ist genau der richtige Rahmen, um unbeschwert schauen zu können. Oder sogar zu erwerben. Die Preisspanne ist gross, einige der wenigen Werke im zweistelligen Bereich waren bereits eine Stunde nach Eröffnung verkauft.
Andere werden es da schwerer haben, wieder andere punkten durch ihren thematischen Bezug: Eine Madonna, auch oder gerade wenn sie aus Seife ist, passt natürlich bestens zum Fest. Und das kleine Kamel ebenso. Noch läuft es ziellos im Kreis herum, aber sicherlich wird es bis Heiligabend irgendeinen Stall gefunden haben. Sicherlich hat auch jemand auf den schwarz gekleideten Apfel im Schlafrock Appetit.
Wenn das Geld grad nicht so locker sitzt: auch kein Problem. Gucken kostet nichts. Nicht einmal im eigens eingerichteten Kino. Hier kommt so richtig Winterstimmung auf bei sowjetischen und DDR-Märchenfilmen. Ende gut, alles gut? Im Märchen schon – wie der Kunstverkauf ausgegangen ist, wird hier nachzulesen sein.
Freitag, 13. Dezember und Samstag, 14. Dezember, jeweils 14 – 20 Uhr. Info: nextex.ch
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