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Am Wegesrand ein Gegenstand

Wieviel Sehnsucht steckt in einem Aschenbecher? Ganz schön viel. Zumindest, wenn wir durch die St. Galler Mülenenschlucht vom Weltkulturerbe zu den Weieren aufsteigen und auf dem Podest der Klause zwei Exemplaren begegnen. von Ursula Badrutt
Von  Gastbeitrag

Wir erkennen sie sofort. Diese verbreiteten, weil formvollendeten, funktional perfektionierten, klassisch schlichten Dinger aus dem Hause Ott im thurgauischen Affeltrangen mögen wir präzis wegen dieser Merkmale, auch ohne selbst zu rauchen und somit ohne von ihrer eigentlichen Funktion Gebrauch zu machen. Es geht um die Kraft von Sachen und ihre Fähigkeit, unabhängig von ihrer industriellen oder handwerklichen Herstellungsart uns in Beziehungen zu verwickeln, zum Geschichten- und Erinnerungsspeicher und Visionenentwickler zu werden.

Aufmerksamkeit dem Alltäglichen

In vertrautem Silberweiss-Rot, nahe der Farbigkeit von Wanderwegmarkierungen, winken sie uns in ihrer markanten Position schon von Weitem und gleich im Doppelpack zu. Format in Übergrösse und Platzierung signalisieren: Es geht um mehr als um Aschenbecher. Die Werkbezeichnung bestätigt den eingeschlagenen Weg der Wahrnehmung: Zwei Aschenbecher. (That’s us, before we got there, that’s morning time, before we got there).

Michael Bodenmann interessiert sich für übergeordnete Bedeutungsmomente von Dingen und Situationen, die uns so selbstverständlich im Alltag begleiten, dass wir sie erst wirklich wahrnehmen, wenn sie nicht (mehr) zur Hand sind. Oder aus dem gewohnten Blickwinkel verschoben. Sowohl in seiner fotografischen als auch installativen Arbeit geht der Künstler diesen Momenten des Gewahrwerdens nach, setzt dem kaum fassbaren Augenblick, in dem unvermittelt eine Erinnerung aufblitzt oder versunkene Gefühle anklopfen, die nostalgisch, schmerzhaft, sehnsüchtig, auch befremdend sein können, eine Art Denkmal.

Bodenmann macht die Poesie zum Gegenstand. Das können eine gläserne Bodenleuchte in Zigarettenform sein, Ephemera wie Tickets, Notizen und Verpackungen, die hinter Glas verwahrt und somit nicht mehr greifbar sind, aber gegenwärtig bleiben. Es kann aber auch gleich eine ganze Bar sein, die gemeinsam mit Barbara Signer entwickelte «El gato muerto»-Bar, die aktuell in Teufen im Schopf neben dem Zeughaus ihre temporäre Bleibe hat und die nicht nur unzählige jener Gegenstände, welche Erinnerungen sowohl beständig als auch flüchtig wie Rauchgeruch an sich binden, sondern auch Menschen zusammenbringt.

In Gleichheit zusammenstehen

In der Klause am steilen Stutz unter St.Georgen nun diese seltsame Verdoppelung von originalen Aschenbechern, wie wir sie weiter oben auf der Badi-Liegewiese wiederfinden, oder hinter der Schule oder vor der Bar, wo sie ihre Dienste anbieten. Etwas isoliert und ausgestellt stehen sie da auf der gemeinsamen Fussplatte vereint, die Behälter leicht voneinander abgedreht, möglichen Benutzer:innen zugewandt. Ein übers Eck greifendes Verbindungselement zwischen den beiden Behältern hält sie zusammen.

Zwei Aschenbecher. (That’s us, before we got there, that’s morning time, before we got there): bis 4. August, Die Klause, Mülenenschlucht St. Gallen

dieklause.ch

Die exakte Vergrösserung der funktionstüchtigen Aschenbecher samt abnehmbarem Deckel aus Aluminium und Stahl, umgesetzt von Florian Kunz von Metallzone Basel, orientiert sich mit 171 cm Höhe am Menschenmass, am Künstler mit derselben Körpergrösse. Zwei Aschenbecher. (That’s us, before we got there, that’s morning time, before we got there) wird zum Bild fürs Zusammenstehen. Für den Moment, wo fixe Tisch- und Gesellschaftsordnungen sich auflösen und um die Aschenbecher neue Formationen entstehen.

Sie stehen auch für die Möglichkeit, Verbindungen, auch Verbindlichkeit zwischen Menschen oder Menschengruppen herzustellen, die sonst nicht zusammenstehen. Sie bieten eine Metapher für die Notwendigkeit von mehr Nähe und Menschlichkeit dank gemeinsamem Erleben und sozialem Begegnen, bei dem es nicht um Unterschiede geht, sondern um Gleichheit. Die Aschenbecher machen es vor. Uns und der Welt. Gut denkbar, dass sie das Podest auch gerne verliessen und sich nach Geselligkeit statt Zurschaustellung auf Augenhöhe umschauten.

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
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«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

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Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

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Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

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Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

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Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

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Von  David Gadze
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Von  Andi Giger
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Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

Saiten 2609 Cover 01