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Auf Jobsuche als Kulturschaffender

Der St.Galler Leonid Koller hoffte auf eine Stelle als Regisseur am Theater. Als das nicht klappte, musste er sich beruflich neu orientieren. Kulturschaffenden in solchen Situationen hilft unter anderem der Betrieb Kulturmarkt. von Nina Rudnicki
Von  Gastbeitrag , 
Bild: Nina Runicki

Fünf Fragen hatte sich Leonid Koller sicherheitshalber aufgeschrieben, als er «Nach hause telefonieren» moderierte. Die Idee hinter dem Projekt: Spontan mit Menschen aus der ganzen Welt skypen und sie fragen, was Heimat für sie bedeutet. So entstanden Diskussionen zwischen dem Publikum und einer Israelin, einem Schweizer auf den Philippinen und einem Texaner.

Die internationale Runde war sehr gesprächig: Seine vorbereiteten Fragen brauchte Koller nicht. Der Abend, ganz dem Thema Heimat gewidmet, war eines von verschiedenen Projekten im Kulturmarkt in Zürich, an denen Leonid Koller während der vergangenen sechs Monate mitgearbeitet hat. Dabei handelt es sich um einen Kulturbetrieb im Zürcher Kreis 3, der Veranstaltungshaus und Restaurant in einem ist.

Vom RAV zum Kulturmarkt

Betrieben wird der Kulturmarkt von 16 Festangestellten und rund 40 Stellensuchenden. Diese finden vorübergehend eine Beschäftigung im Veranstaltungsbüro, in der Technik, bei der Reinigung, in der Kommunikation und der Grafik, an der Bar oder der Abendkasse. Stellensuchende aus dem Kulturbereich haben dort zudem die Möglichkeit, kulturelle Projekte umzusetzen. Zudem werden arbeitslose Kulturschaffende gecoacht und dabei unterstützt, sich ein zweites existenzsicherndes Standbein aufzubauen.

Leonid Koller kam über das RAV zum Kulturmarkt. Zuvor hatte er zwei Jahre als Regieassistent am Theater St.Gallen gearbeitet. Er hoffte, nach Ablauf der zwei Jahre als Assistent ein eigenes Stück inszenieren und aufführen zu können. Nach einer kleinen Inszenierung im Rahmen eines Autorenwettbewerbs war er dann aber arbeitslos.

Der 33-Jährige beschloss, sich parallel zu seiner Tätigkeit im Kulturmarkt zum Deutschlehrer für fremdsprachige Erwachsene weiterzubilden. «Dieser Job passt zu meinem Studium in slawischer Philologie und Allgemeiner Sprachwissenschaft», sagt der St.Galler, der ursprünglich aus Oberkirch im Schwarzwald kommt und in Tübingen studiert hat. «Ausserdem kann ich es mir dank diesem Job leisten, weiterhin als Regisseur eigene Produktionen zu verwirklichen.»

Kurse und Weiterbildungen

Genaue Zahlen, wie viele arbeitslose Kulturschaffende es gibt, liegen beim Kanton nicht vor. Vielen Kulturschaffenden geht es aber ähnlich wie Koller. Was soll beispielsweise ein Tänzer tun, der mit Mitte 30 am Ende seiner Laufbahn steht? Eine Schauspielerin, deren Bühnenkarriere harzt? Oder ein Kunstmaler, der mit seinen Bildern zu wenig verdient?

Qualifizierungsprogramme und -institutionen sind für sie eine wichtige Anlaufstelle. Es gibt einerseits nationale Programme wie eben den Kulturmarkt, wo sich Stellensuchende aus der ganzen Schweiz bewerben können, und daneben auch regionale Anlauf- und Vermittlungsstellen. Im Kulturbüro St.Gallen etwa werden pro Jahr zwischen 300 und 400 Personen in der Datenbank neu erfasst, die entweder einen Arbeitsplatz nutzen oder Geräte wie Foto- und Videokameras ausleihen.

Insgesamt sind es laut Kulturbüroleiterin Judith Stokvis rund 15 Personen pro Tag, die solch ein Angebot nutzen oder spontan im Büro vorbeischauen, um Inserate, Ausschreibungen und Plakate zu studieren. Auch Kurse etwa im Bereich Video/Kamera/Final Cut sowie in Projektbudgetierung und im Verfassen von Anträgen für Fördergelder und Werkbeiträge werden im Kulturbüro angeboten. Belegt werden sie im Jahr von durchschnittlich 120 Personen.

Der Kulturmarkt funktioniert anders: Wer sich für das Programm bewirbt, belegt keine Einzelkurse, sondern ist zwischen 60 und 100 Prozent festangestellt. Der Lohn wird vom RAV bezahlt und die Teilnehmenden schreiben weiterhin Bewerbungen. Bekommen sie einen Job, müssen sie den Kulturmarkt verlassen. Wenn nicht, müssen sie das Programm nach maximal sechs Monaten verlassen.

Nebst ihrem Job in einem der Kulturmarkt-Bereiche können die Teilnehmenden auch verschiedene Module belegen. Leonid Koller hat beispielsweise «Finanzierung für Theaterprojekte», «Soziale Sicherheit für Kulturschaffende», «Auftrittskompetenz», und «Dossiererstellung» besucht – und nebenbei die externe Ausbildung zum Erwachsenenbildner gemacht.

Eigene Inszenierungen

«Den Kulturmarkt hat mir ein Kollege empfohlen, der selbst auch dort gearbeitet hat», sagt Koller. Und auch er würde den Kulturmarkt jedem weiterempfehlen, denn jetzt hat er dank der Lehrerausbildung gleich zwei neue Jobs: Als Deutschlehrer für Erwachsene und als Bewerbungscoach. Einen dritten Job, ebenfalls als Deutschlehrer, hat er in Aussicht.

Auch seine eigenen Projekte laufen gut. So hat er mit einem befreundeten Schauspieler das Stück Moment mal! Jetzt erzähl ich euch was. inszeniert, das in der Lokremise und im Palace in St.Gallen aufgeführt wurde. 2017 soll es in weiteren Schweizer Städten auf die Bühne kommen. Ausserdenm hat ihn der Theaterverein Zürich-Nord für die griechische Komödie Lysistrata als Regisseur engagiert. Darin versucht Lysistrata, eine Athenerin, zusammen mit den anderen Frauen, die Männer durch Liebesentzug dazu zu bewegen, den Krieg zu beenden.

«Dass ich jetzt beruflich auf eigenen Beinen stehe und nebenbei eigene Projekte verwirklichen kann, habe ich auch meiner Zeit beim Kulturmarkt zu verdanken», sagt Koller.

Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
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Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

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Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

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Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

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Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

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Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

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Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

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Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

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Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

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