Der Regisseur Jo Fabian inszeniert am Theater Konstanz das mittelalterliche Parsifalepos als Gesamtkunstwerk. Sebastian Ryser war an der Premiere.
Der Held dieses Stücks bleibt bis zum Schluss ein Aussenseiter: Parsifal. Spätestens seit Wagner erfreut sich dieser Stoff auf der Bühne grosser Beliebtheit. Es ist die Geschichte von Parsifal (Jonas Pätzold), der von seiner Mutter Herzeleide (Franziska Geyer) im Wald, fernab der Zivilisation und all ihrer Konventionen aufgezogen wird. Doch Parsifal ist für Grosses vorbestimmt: Er muss den Gral finden, weshalb er die Mutter verlässt und sich auf den Weg in die fremde Welt macht, um Ritter zu werden. Für Parsifal beginnt eine zweifache Suche: Nach dem Gral und nach seinem Platz in der höfischen Gesellschaft mit ihren ganz eigenen Spielregeln.
Auf seinem Weg zum Gralsthron stolpert der Protagonist in seiner Naivität von einem Fehltritt zum nächsten. Das hat viel Potential für Komik, eröffnet aber auch einen Raum für Fragen: Wie wird der Mensch durch Erziehung in ein Gesellschaftssystem eingepasst? Soll er sich überhaupt anpassen? Oder soll er darauf beharren, sich selbst zu bleiben? Das sind die Fragen, die Jo Fabian an der Geschichte interessieren. Seine Antwort ist klar: Parsifal bleibt sich gleich, stolpert in jeder Szene aufs Neue über die Bühne und verzichtet am Ende auf den Gralsthron – er lässt sich nicht einfach in ein gesellschaftliches System einfügen.
Die Geschichte ist in eine surrealistisch anmutende Ritterwelt versetzt; der reduziert ausgestatte Bühnenraum ist meist in farbiges Licht getaucht, viele der Szenen sind mit Musik unterlegt. Die visuelle Dimension ist Jo Fabian genau so wichtig wie der Text, sein künstlerisches Credo ist die Verschmelzung von unterschiedlichen Ausdrucksformen und Medien zu einem Gesamtkunstwerk (hier also eine gewisse geistige Verwandtschaft zu Wagner). So zeichnet er sich nebst der Regie auch für den Text, die Choreographien, den Raum, die Kostüme, das Lichtdesign und die Videoeinspielungen verantwortlich. Auch wenn die einzelnen Elemente nicht immer ganz überzeugen, fügen sie sich im Fabianschen Universum zu einfallsreichen visuellen Effekten zusammen. Die Inszenierung erhält so ihre ganz eigene künstlerische Handschrift, obwohl ab und zu dann doch etwas zu tief in die Theater-Trickkiste gegriffen wird (immer mal wieder schliesst sich der Vorhang und der Regisseur rätselt mit dem Publikum über Lautsprecher – deus ex machina! – über den weiteren Verlauf des Stücks).
Das Schauspielensemble lässt sich auf beeindruckende Weise auf das Konzept des Regisseurs ein: In immer wieder verschiedenen Rollen und tänzerischen Einlagen treibt es die Handlung mit viel Energie voran.
Doch die Inszenierung hat auch Schwächen. Dann nämlich, wenn – ohne einleuchtende Begründung – zu unvermittelt verschiedene Stilebenen und Genres aufeinander treffen: Wenn die Stimmung auf der Bühne plötzlich von übertriebener Ernsthaftigkeit zu trashigem Klamauk kippt, wenn auf skurrile Poesie herbe Slapstick-Einlagen folgen. Ein Mix, der in der Inszenierung nicht so recht funktionieren will. In diesen Momenten bleibt das Stück bruchstückhaft, ja willkürlich.
Nach über zwei Stunden dann doch noch Wagner: Zu heroischer Musik verzichtet Parsifal auf den Gralsthron, um sein Leben Gott zu widmen und lässt die perplexe Ordensgemeinde alleine im Gralsschloss zurück. Er passt sich nicht an, sondern sucht sich seinen eigenen Weg.
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Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
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