Die partizipative Planung zum Gebiet Bahnhof Nord hat das Klubhaus definitiv nobilitiert: In der lauten Beiz ist die Menuekarte bald seit Generationen immer gleich. Der Service ist immer gleich charmant, aber und auch immer etwas chaotisch , und was in welcher Reihenfolge und wie aus der uralten Küche im Keller nach oben auf die Tische kommt, ist mal zarter, mal zäher. Aber genau diese Unwägbarkeiten sind es, die den Charme des Klubhauses ausmachen. Es macht keine Werbung und doch kennt es tout Saint Gall.
Die Kunst des lokalen Strippenziehens
Kein Wunder gab es einen lauten Aufschrei, als 2012 die zwei meinungsmachenden Männer der damaligen Genossenschaft entschieden: fertig lustig – Haus verkaufen. Dabei war es genau diese Genossenschaft, die zehn Jahre zuvor das Haus übernahm um den stimmungsvollen Betrieb zu retten. Doch jetzt winkte die Familienausgleichskasse des Gewerbes mit dem dicken Portemonnaie. Sie wollte auf der Parzelle ein Bürohaus bauen. Der Aufschrei der Genossenschafterinnen und Genossenschafter nützte nichts: Die Mehrheit stimmte für den Verkauf, die Stadt wollte ihr Vorkaufsrecht nicht ausüben.
Doch die Ausgleichskasse wurde mit ihrer neu erworbenen Parzelle nicht glücklich. Die Diskussionen um eine doch noch mögliche Rettung verschwanden nicht und dann waren es die eingeladenen Architekten, die dem Bürohaus den Garaus machten: Sie zogen sich aus der Planung zurück, denn die war so angelegt, dass sie gar keine echten Varianten zuliessen.
In dieser verfahrenen Situation waren es die Strippenzieher der Lokalpolitik, die den Karren aus dem Dreck zogen. Die SP-Parlamentarierin Doris Königer und ihr Fraktionskollege Gallus Hufenus forderten einen Neustart für das Gebiet Bahnhof Nord. Nach informellen Gesprächen war die Ausgleichskasse bereit, die Parzelle wieder zu verkaufen – und nun übernahm sie doch die Stadt. Über den Umweg einer Sozialraumanalyse kam die breit angelegte partizipative Planung über das ganze Areal Bahnhof-Nord in Gang.
Und deren Resultate zeigten unisono: Das Klubhaus ist ein wichtiger Nukleus der Quartierentwicklung. Doch das geschichtsträchtige, aber ziemlich marode Klubhaus zu renovieren koste gegen 4,5 Millionen Franken, hiess es zuerst aus dem Hochbauamt. Da war allen klar: Das bringen wir unmöglich durchs Parlament.
So traten wieder die Strippenzieher in Aktion. SP-Stadtparlamentarier Gallus Hufenus – mit der Rettung der Villa Wiesental noch nirgends – machte damals noch Stadträtin Patrizia Adam und Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner den Vorschlag, beim Klubhaus nur das Allernötigste zu reparieren. Und er holte SVP-Ratskollege und Bauingenieur Heini Seger mit ins Boot.
Man einigte sich auf Reparaturen, die das Haus für die nächsten 15 Jahre am Leben erhalten. Es gibt eine neue Küche im Untergeschoss, die so gross wird, dass das Klubhaus künftig auch mittags öffnen könnte. Das Dach wird dicht gemacht, der Strom wird neu verlegt. Verschönert wird das Haus aber nicht.
Die Mietkosten steigen, das Polster ist da
Diesen Plan hat Stadträtin Maria Pappa diese Woche vorgestellt: Jetzt kosten die Sanierungen noch 1,8 Millionen, nicht einmal mehr die Hälfte des ursprünglichen Budgets. Wenn das Stadtparlament grünes Licht gibt, beginnen die Arbeiten Mitte dieses Jahres. Rund sechs Monate wird das Klubhaus geschlossen bleiben.
Danach wird man es in alter Patina antreffen, mit der bisherigen Crew. Der Spanierclub hat zugesagt, den Betrieb auch in Zukunft weiter zu führen, trotz deutlich höherem Pachtzins. Der klettert von heute 52’800 auf 88’900 Franken pro Jahr. Dazu wird der «Hogar Español» während zehn Jahren zusätzliche 23’200 Franken pro Jahr als Renovationsbeitrag leisten.
Wir werden als Gäste dort deutlich öfter und mehr essen müssen, damit die Pächter die fast 10’000 Franken, die sie allein jeden Monat der Stadt als Zins zahlen müssen, wieder reinbekommen. Damit das gelingt, sind Mittagsöffnungszeiten ein Thema, aber auch die Sanierung der noch vorhandenen Kegelbahn und die Einrichtung eines Spielzimmers für Kinder wird diskutiert. Der «Hogar Español» verfügt aus dem Verkauf des Hauses durch die damalige Genossenschaft über ein schönes finanzielles Polster.
Mit der Mini-Sanierung des Klubhauses setzt die Stadt ein Zeichen auf dem Areal Bahnhof-Nord. Statt mit Abbrüchen und gesichtslosen Neubauten geht es sanft los. Dazu gehört auch die Nachricht, dass der Chiosco auf dem Vorplatz der Fachhochschule demnächst gebaut werden kann. Das Geld sei zwar nicht im vollen Umfang zusammengekommen, doch mit ein paar Einsparungen lasse sich das Projekt realisieren.
Als nächstes die Plaza – und Platz für die Velos
Und so steht eine erfreuliche Zwischenbilanz: Das Areal Bahnhof-Nord hat die ersten Kurven seiner Entwicklung elegant genommen. Wenn das Klubhaus dann auch noch eine Gartenwirtschaft bekommen könnte, dann wären wir noch ein Schrittchen weiter. Dabei darf das durchaus eine vorerst improvisierte «Plaza Mayor» werden, wie sie die Planer zwar vorgeschlagen, ihr aber noch keinen wirklich guten Ort zugewiesen haben.
Leben draussen, rund ums Klubhaus und rund um den Chiosco, ist nur zu begrüssen. Dazu gehört auch ein gewisses Bus-, Taxi- und Kiss-and-Ride-Chaos in der Lagerstrasse – und dazu gehörte endlich auch ein grosszügiger Veloparkplatz nah an den Bahngleisen. Das unsägliche Veloparkverbot an der Lagerstrasse aufzuheben wäre der nächste Schritt in die richtige Richtung.
Bilder: Stadtarchiv
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