Heute schon etwas geteilt? Bilder? Filme? Eigene oder solche von anderen? Hochladen, weiterleiten, anderen den Zugriff erlauben – nichts Besonderes mehr in digitalen Netzwerken. Aber wie steht es um die materiellen Dinge? Werden sie genauso bereitwillig geteilt? Mit allen? Bedingungslos? Was überhaupt bedeutet es zu teilen? Dinge temporär oder endgültig hergeben? Mit oder ohne Gegenleistung?
Der Einstieg in die Ausstellung «Sharity – Teilen, Tauschen, Verzichten» könnte nicht besser gewählt sein: ein Holzschnitt von Hans Baldung, genannt Grien. Das Blatt aus der Zeit um 1505 illustriert die Geschichte des römischen Soldaten Martinus, der seinen warmen Mantel mit einem Schwerthieb teilte, um einem Bettler eine Hälfte abzugeben – teilen als pragmatischer, hilfreicher, selbstloser Akt.
Aber nicht allein das Motiv des Werkes passt inhaltlich perfekt in die Ausstellung. Der Holzschnitt selbst ist ein Medium des Teilens: Vor seiner Erfindung gelangten Bilder kaum an ein breites Publikum. Erst der Holzschnitt ermöglichte es, Informationen zu vervielfältigen und weit zu streuen. Die Flugblätter waren erfunden.
Aber warum prangt in einer Wolke oberhalb des Heiligen Martin das markante Monogramm Albrecht Dürers? Baldung arbeitete lange in dessen Werkstatt und selbstverständlich unter Dürers Namen: geteilte Meisterschaft statt Urheberrechtsstreit. Schliesslich dokumentiert auch die Grafik selbst einen Aspekt des Teilens, ist sie doch eine Leihgabe des Kunstmuseums St.Gallen an das Kunst(Zeug)Haus. Ohne solche wertvollen Tauschgeschäfte gäbe es weder regionale Ausstellungen noch globale Blockbusterpräsentationen.
Wissen, Kilometer, Rezepte teilen
Wenn ein kleiner Holzschnitt bereits so viele Aspekte des Teilens ins sich trägt, braucht es dann die zeitgenössische Kunst überhaupt noch? Jüngere künstlerische Arbeitsweisen können neue gesellschaftliche Entwicklungen spiegeln oder sogar vorantreiben. So ist der heute allgegenwärtige Begriff der Teilhabe und die damit bezeichnete partizipative Praxis auch in der Kunst selbstverständlich.
«Sharity – Teilen, Tauschen, Verzichten»: bis 16. Mai, Kunst(Zeug)Haus Rapperswil-Jona
kunstzeughaus.ch
Thomas Hirschhorn beispielsweise lud in einem Kunstprojekt über vier Wochen hinweg Personen ein, Wissen, Kompetenzen und Geschichten auszutauschen. Sein Motto klingt glaubwürdig: «What I Can Learn from You. What You Can Learn from Me» – der Akt des Teilens ist hier kein einseitiger, sondern auch der Künstler wird um einen Erfahrungsschatz reicher.
Kateřina Šedá wiederum stellte Teilungswilligen ein Vehikel zur Verfügung: Die Tschechin lud im Rahmen eines norwegischen Kunstfestivals dazu ein, in einem Wohnwagen zu übernachten und als Gegenleistung eine gute Tat zu stiften. So entstehen genau diejenigen Kontakte, die kommerzialisierte Übernachtungsplattformen nur behaupten statt sie zu fördern.
Frank und Patrick Riklin sind in der Ausstellung mit dem Lenkrad ihres Quatschmobils vertreten: Kilometer gegen Worte – und am Ende einer Fahrt erhielten Zufallskundinnen eine Pizza oder Passanten einen Haarschnitt geschenkt. Auch Gemeinschaftsgärten haben den Weg in die Kunst gefunden wie bei Carmen Müller im Südtirol. Und eine recht alte Form des Teilens greift die Baslerin Meret Buser wieder auf: Sie gibt die Rezepte ihrer Grossmutter weiter und integriert sie in eine Installation aus Küchenbrettern
Konsumgewohnheiten hinterfragt
Geteilte Freude ist doppelte Freude, aber ist teilen immer gut? Auch kritische Kommentare sind in Rapperswil zu sehen. Der Genfer Thomas Bonny widmet sich der Marketingstrategie eines global agierenden Konzerns, der auf die Etiketten von Cola-Flaschen Vornamen druckte und aufforderte, eine Cola zu teilen. Konsumentinnen und Konsumenten liessen sich gern verführen, diese Flaschen zu kaufen, und beschwerten sich sogar, wenn ihre Vornamen nicht erhältlich waren. Bonny setzt ihnen nun Unikate vor, ohne Getränk, aber einzigartig gestaltet.
Was wäre eine Ausstellung übers Teilen, ohne Beteiligung? Im Foyer des Kunst(Zeug)Hauses steht ein feuerrotes Velo: Sladjan Nedeljkovic bietet es in Kooperation mit einer lokalen Velowerkstatt für spontane Ausfahrten an. Und Catherine Page Harris offeriert Wasser aus dem Zürichsee oder aus industrieller Abfüllung. Wer davon trinkt, stillt nicht nur den Durst, sondern denkt nach über geteilte Ressourcen, entscheidet über Anspruch und Konsum. Nachdenken und damit teilhaben an den Anregungen durch die Kunst – das ist die grosse gemeinsame Geste der ausgestellten Arbeiten.
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.