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Die Kunst des Teilens

Das Kunstzeughaus in Rapperswil-Jona untersucht in einer Ausstellung das Teilen aus der Sicht von zwei Dutzend Künstlerinnen und Künstlern. Schnell zeigt sich dabei: der Begriff ist ebenso vielfältig wie seine Geschichte lang.
Von  Kristin Schmidt

Heute schon etwas geteilt? Bilder? Filme? Eigene oder solche von anderen? Hochladen, weiterleiten, anderen den Zugriff erlauben – nichts Besonderes mehr in digitalen Netzwerken. Aber wie steht es um die materiellen Dinge? Werden sie genauso bereitwillig geteilt? Mit allen? Bedingungslos? Was überhaupt bedeutet es zu teilen? Dinge temporär oder endgültig hergeben? Mit oder ohne Gegenleistung?

Der Einstieg in die Ausstellung «Sharity – Teilen, Tauschen, Verzichten» könnte nicht besser gewählt sein: ein Holzschnitt von Hans Baldung, genannt Grien. Das Blatt aus der Zeit um 1505 illustriert die Geschichte des römischen Soldaten Martinus, der seinen warmen Mantel mit einem Schwerthieb teilte, um einem Bettler eine Hälfte abzugeben – teilen als pragmatischer, hilfreicher, selbstloser Akt.

Aber nicht allein das Motiv des Werkes passt inhaltlich perfekt in die Ausstellung. Der Holzschnitt selbst ist ein Medium des Teilens: Vor seiner Erfindung gelangten Bilder kaum an ein breites Publikum. Erst der Holzschnitt ermöglichte es, Informationen zu vervielfältigen und weit zu streuen. Die Flugblätter waren erfunden.

Aber warum prangt in einer Wolke oberhalb des Heiligen Martin das markante Monogramm Albrecht Dürers? Baldung arbeitete lange in dessen Werkstatt und selbstverständlich unter Dürers Namen: geteilte Meisterschaft statt Urheberrechtsstreit. Schliesslich dokumentiert auch die Grafik selbst einen Aspekt des Teilens, ist sie doch eine Leihgabe des Kunstmuseums St.Gallen an das Kunst(Zeug)Haus. Ohne solche wertvollen Tauschgeschäfte gäbe es weder regionale Ausstellungen noch globale Blockbusterpräsentationen.

Wissen, Kilometer, Rezepte teilen

Wenn ein kleiner Holzschnitt bereits so viele Aspekte des Teilens ins sich trägt, braucht es dann die zeitgenössische Kunst überhaupt noch? Jüngere künstlerische Arbeitsweisen können neue gesellschaftliche Entwicklungen spiegeln oder sogar vorantreiben. So ist der heute allgegenwärtige Begriff der Teilhabe und die damit bezeichnete partizipative Praxis auch in der Kunst selbstverständlich.

«Sharity – Teilen, Tauschen, Verzichten»: bis 16. Mai, Kunst(Zeug)Haus Rapperswil-Jona

kunstzeughaus.ch

Thomas Hirschhorn beispielsweise lud in einem Kunstprojekt über vier Wochen hinweg Personen ein, Wissen, Kompetenzen und Geschichten auszutauschen. Sein Motto klingt glaubwürdig: «What I Can Learn from You. What You Can Learn from Me» – der Akt des Teilens ist hier kein einseitiger, sondern auch der Künstler wird um einen Erfahrungsschatz reicher.

Kateřina Šedá wiederum stellte Teilungswilligen ein Vehikel zur Verfügung: Die Tschechin lud im Rahmen eines norwegischen Kunstfestivals dazu ein, in einem Wohnwagen zu übernachten und als Gegenleistung eine gute Tat zu stiften. So entstehen genau diejenigen Kontakte, die kommerzialisierte Übernachtungsplattformen nur behaupten statt sie zu fördern.

Frank und Patrick Riklin sind in der Ausstellung mit dem Lenkrad ihres Quatschmobils vertreten: Kilometer gegen Worte – und am Ende einer Fahrt erhielten Zufallskundinnen eine Pizza oder Passanten einen Haarschnitt geschenkt. Auch Gemeinschaftsgärten haben den Weg in die Kunst gefunden wie bei Carmen Müller im Südtirol. Und eine recht alte Form des Teilens greift die Baslerin Meret Buser wieder auf: Sie gibt die Rezepte ihrer Grossmutter weiter und integriert sie in eine Installation aus Küchenbrettern

Konsumgewohnheiten hinterfragt

Geteilte Freude ist doppelte Freude, aber ist teilen immer gut? Auch kritische Kommentare sind in Rapperswil zu sehen. Der Genfer Thomas Bonny widmet sich der Marketingstrategie eines global agierenden Konzerns, der auf die Etiketten von Cola-Flaschen Vornamen druckte und aufforderte, eine Cola zu teilen. Konsumentinnen und Konsumenten liessen sich gern verführen, diese Flaschen zu kaufen, und beschwerten sich sogar, wenn ihre Vornamen nicht erhältlich waren. Bonny setzt ihnen nun Unikate vor, ohne Getränk, aber einzigartig gestaltet.

Was wäre eine Ausstellung übers Teilen, ohne Beteiligung? Im Foyer des Kunst(Zeug)Hauses steht ein feuerrotes Velo: Sladjan Nedeljkovic bietet es in Kooperation mit einer lokalen Velowerkstatt für spontane Ausfahrten an. Und Catherine Page Harris offeriert Wasser aus dem Zürichsee oder aus industrieller Abfüllung. Wer davon trinkt, stillt nicht nur den Durst, sondern denkt nach über geteilte Ressourcen, entscheidet über Anspruch und Konsum. Nachdenken und damit teilhaben an den Anregungen durch die Kunst – das ist die grosse gemeinsame Geste der ausgestellten Arbeiten.

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von  Richard Butz
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von  Philipp Bürkler
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von  Philipp Bürkler
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von  Kristin Schmidt
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von  René Hornung
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von  Christoph Keller

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von  Peter Surber
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
DSC3137

Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2