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Die Welt verändern

Der Film How to Change the World, der am Freitag im Kinok Premiere hatte, zeichnet die frühe Geschichte der internationalen Umweltorganisation Greenpeace nach und zeigt, wie eine Gruppe junger, mutiger Aktivistinnen und Aktivisten das globale Bewusstsein geprägt und tatsächlich eine Veränderung bewirkt hat. von Basil Oberholzer
Von  Gastbeitrag

Der Film hat kaum angefangen, ist die Gruppe um Paul Watson, Patrick Moore und Bob Hunter aus Vancouver auf dem kleinen, heruntergekommenen Schiff Phyllis Cormack bereits auf dem Weg Richtung Norden der amerikanischen Ostküste. Der Journalist Bob Hunter, aus dessen Perspektive die Ereignisse erzählt werden, will mit seinen Mitstreitern im Jahr 1971 einen Atombombentest auf der Insel Amchitka verhindern.

Die Idee der «kulturellen Revolution»

Die Nähe dieser Schiffsbesatzung zur Hippie-Bewegung ist nicht zu verkennen. Ihre Motivation ist eine zweifache: Sowohl gegen die Aufrüstung und für den Frieden wie auch gegen die Zerstörung ganzer Landstriche zu protestieren. Eine «kulturelle Revolution» schwebt den Aktivisten vor, ein Bewusstseinswandel in der Gesellschaft. Frieden und Umwelt, Gesellschaft und ihre Lebensweise, alles ist miteinander verknüpft. Auf dieser Schifffahrt wird denn auch der programmatische wie genial einfache Name der späteren Organisation geboren: Greenpeace.

Der Atombombentest wird um einen Monat verschoben, die Phyllis Cormack muss wegen des kommenden Winters umkehren. In Vancouver werden die Leute von einer grossen Menge Leute empfangen, obwohl sie sich selber eher wie Versager fühlen. Trotz Bombenzündung wird das gesamte Testprogramm später diskret abgebrochen. Ein grosser Erfolg; das Thema ist aus der politischen Debatte nicht mehr wegzudenken.

Radikalisierung durch toten Jungwal

Bob Hunter kommt durch das Experiment eines Psychologen mit Walen in Kontakt und entdeckt seine nächste Mission: Das Jagen der zu 90 Prozent ausgerotteten Wale auf hoher See zu verhindern. Motivation und Vorbereitung sind allerdings nicht dasselbe. Nachdem die etwas gewachsene Gruppe den Hafen verlassen hat, beginnt man sich zu überlegen, wie man die Wale und deren Jäger eigentlich finden kann. Gerne wird auch das Orakel befragt. Schliesslich steht man einem sowjetischen Wahlfänger gegenüber. Eine Harpune geht vier Meter über dem Schlauchboot vorbei und trifft den Wal. Das weitere Schlachten kann verhindert werden, die Aktivisten radikalisieren sich angesichts eines toten Jungwals. Per Funk werden die Medien auf dem Festland informiert.

Weitere Vorstellungen:

20. Oktober, 17 Uhr
31. Oktober, 15:45 Uhr
Infos: kinok.ch

Beobachten, protestieren und den Protest verbreiten sind die Elemente, die bis heute die gleichen geblieben sind. Die «Mindbomb» schlägt ein: Bei der Rückkehr begrüssen begeisterte Massen die nun etablierte Bewegung. Wie die möglicherweise etwas gutgläubigen Walretter bei späteren Missionen erkennen müssen, steht die öffentlich breitgeschlagene Begeisterung auch in einem Zusammenhang mit dem kalten Krieg: Gerne blamiert man die Russen, die vor ein paar Hippies zurückweichen müssen. Da ist der Widerstand in der eigenen Bevölkerung später bei der mit Brigitte Bardot geführten Kampagne gegen die Robbenjagd wesentlich grösser. Arbeitsplätze werden gegen Umweltschutz ausgespielt, die Organisation muss Diskussionen über ihre Kompromissbereitschaft führen.

Nachdem weltweit lokale Gruppierungen entstehen, kommen Auseinandersetzungen über eine strikte Strukturierung der Organisation hinzu, die scheinbar im Gegensatz zu einer vielfältigen Bewegung steht. Es folgen persönliche Streitereien, die geradezu beispielhaft für revolutionäre Bewegungen sind: hier der charismatische Anführer; da der kompromisslose Kämpfer; dort der pragmatische, aber zuweilen als autoritär wahrgenommene und schliesslich teilweise entmachtete Wissenschaftler.

Zerstrittene Gründungsmitglieder

Die Gräben sind heute noch da: Paul Watson wurde ausgeschlossen und gründete die noch wesentlich radikalere Organisation «Sea Shepherds». Patrick Moore kritisiert heute Greenpeace scharf, setzt sich stattdessen für Gentechnologie und Atomkraftwerke ein und outete sich auch schon als Klimaskeptiker.

Durch die Gründung von Greenpeace international 1979 gelingt das Kunststück, die Organisation weltweit zu konsolidieren und gleichzeitig den Bewegungscharakter zu bewahren, der uns bis heute mit mutigen Kampagnen unter Beweis gestellt wird.

Fazit: Der Film ist nicht vollständig, aber spannend und absolut sehenswert. Er stellt die Fragen zur geeigneten Organisationsform im Kampf für die Umwelt, den Frieden und das Zusammenleben, die in der globalisierten Welt des Jahres 2015 aktueller denn je sind.

Basil Oberholzer ist Stadtparlamentarier der Jungen Grünen St.Gallen.

 

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