Rock gegen die Unmenschlichkeit: All Ship Shape, The Bad Shakes und Thomaten und Beeren traten in der Grabenhalle in der Reihe "Nachtasyl" auf.
Es beginnt mit den Peyote-Fressern von All Ship Shape. Die graben sich eine Höhle aus Gitarren in die Nacht. Sänger Severin Walz kriecht durch den Eingang und damit mitten in die eigene Azteken-Prozession. Natürlich hallt es da und die Gitarren stossen psychodelisch auf – von all dem Kaktus. Manche Songs klingen zwar wie ein Back-Flash, dann tönt es wie damals Cool Britannia, nölt wie bei Oasis. Doch gleich überkommt einen wieder die Düsternis: Thiemo Legatis trommelt wie vom Pavian gebissen, die Stöcke hoch im Nebelfluid, und Walz’ bare Zehen spreizen sich, wenn er im Mike-Skinner-Slang die „Celebration of the Lizard“ vollzieht. Den ersten im Publikum hat’s schon erwischt und er zappelt auf dem Boden – das gibt es nur in der Grabenhalle.
Die ist inzwischen gut gefüllt, als Roman Rutz von The Bad Shakes (Bild) mit einem Zitat von Gabriele del Grande den Grund für den Anlass klar stellt: „Eines Tages wird man Schreine bauen für die Opfer dieser Jahre der Unterdrückung der Freiheit. Und wir werden unseren Enkelkindern nicht erzählen können, dass wir nicht davon wussten.“ (fortresseurope.blogspot.ch) Gut 20’000 Flüchtlinge haben bisher ihr Leben verloren auf dem Weg in die Freiheit, einen Weg, den wir mit Internierungslagern und Rationierung verbauen. The Bad Shakes halten dagegen gegen die hiesigen Scharfrichter, mit einer Wut und dem dunklen Gesang, der immer wieder aus Rutz herausbricht. Dazu fiepen die Synthesizer und die Gitarren schwelgen – nicht wie bei den Editors, ohne Gefälligkeit und das Auge aufs grosse Publikum, trotz alledem mit viel ehrlichem Pathos. Wie sie es begonnen haben, enden sie’s auch: „Welcome to Europe“ brüllt er ins Mikrofon und: „Bleibt wachsam!“ Und jeder weiss, wen er damit meint. Zumindest jene, die zuhören, doch viele sind inzwischen tanzwütig.
Das bleibt auch so, als um halb zwei (!) Thomaten und Beeren ihre Bowie-esken Balladen entspinnen. Da schütten zwei ihr Herz aus und viele hören gar nicht zu. Wers aber tut, erlebt ein grossartiges Konzert – voller Schwermut, Eigentümlichkeit und immer wieder diesem zerbrechlichen Humor in den Texten. Sie brennen immer noch dafür wie früher, doch sie sind gewachsen an ihren eigenen grossen Melodien. Und am Ende schliessen sie mit einem der besten Songs des neuen Albums „Tears of Acid“. Lassen einen stehen, völlig verstrahlt.
Es bleibt das gute Gefühl, dass hier drei beeindruckende St. Galler Bands mit Düsternis und Schwermut gegen die Verschärfung eintreten. 300 Leute kamen und steckten sich dieselbe Parole an die Brust: Nein am 9. Juni zur Revision des Asylgesetzes. Fortsetzung folgt in der Reihe „Nachtasyl“: mit Lesungen von Kaspar Surber (1.6. Tankstell) und Yusuf Yesilöz (2.6. Schwarzer Engel) und zum Schluss Nomadton und dem Stummfilm „Grass“ (2.6. Palace).
(Bild: Eva Schürmann)
Hinter dem St.Galler Hauptbahnhof soll ein Konsumraum für Menschen mit schweren Suchterkrankungen entstehen. Diese Woche haben die Stadt und die Stiftung Suchthilfe Anwohner:innen eingeladen, um einen ersten Dialog zu starten.
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Das Thurgauer Pop-Phänomen Noemi Beza veröffentlicht Anfang Juni ihre neue EP. You’ll Find Me There vereint Country-Vibes mit astreinem Pop – was man ein wenig vermisst, sind Ecken und Kanten.
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Die Tonhalle Wil wurde 1876 eröffnet. Seither bereichert sie praktisch ununterbrochen das kulturelle Leben der Äbtestadt. An den kommenden zwei Wochenenden wird gefeiert.
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St.Gallen bewahrt nicht mehr nur 1000-jährige Handschriften. Mit dem Internet Archive Switzerland entsteht hier ein Archiv für Webseiten, künstliche Intelligenz und das digitale Gedächtnis der Zukunft.
Mit Internet Archive Switzerland entsteht in St.Gallen ein Ableger des grössten Archivs für Websiten und Künstliche Intelligenz weltweit. Ausserdem im Juniheft: Männer unter Generalverdacht, das grosse St.Galler 80er-Buch, das Abschiedsinterview mit dem langjährigen Kellerbühnenchef und die Flaschenpost aus Venedig.
Der WWF St.Gallen wird 50 Jahre alt. Sein Geschäftsleiter Lukas Indermaur zieht bei der Beurteilung der aktuellen Situation von Natur und Umwelt eine durchzogene Bilanz.
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