Viele prominente Destinationen auf dieser Welt rissen sich schon um den sprichwörtlichen «Geist von Davos», obwohl sich dieser immer mehr als eine Schimäre entpuppte. Jetzt giert Singapur nach der Ausrichtung des neoliberalen Wirtschafts-Events. Der tropische Stadtstaat, das globale Finanzzentrum mit Pressezensur und Überwachung bis in den hintersten Winkel, wo sich nicht einmal mehr die Kakerlaken hintrauen, macht dem WEF Avancen für einen Domizilwechsel. Schon ab 2021. Es lockt mit der umfassenden Kostenübernahme des Anlasses, Auslagen für Sicherheit und Kongressräumlichkeiten inklusive. Ein Überlebensangebot?
Jahre zuvor hat der damalige Bürgermeister von New York, Rudy Giuliani, heute Anwalt von Donald Trump, schon das WEF auf ewig ins Waldorf Astoria holen wollen. 2002 fand dann das Annual Meeting, aus Solidarität nach den Terroranschlägen vom September 2001, ein einziges Mal in der Megacity am Hudson River statt. Glücklich wurde man damit aber nicht, kehrte wieder ins Prättigau zurück, und New York bekam kalte Füsse.
Die Identitätskrise einer geschlossenen Gesellschaft
Von der Örtlichkeit hängt das Überleben des WEF wohl nicht ab, schon eher vom Konzept der Veranstaltung. Der «Economist» schreibt von einer Identitätskrise wegen des zunehmenden Wettbewerbs und der unklaren Nachfolge.
Zitiert wird Sir Martin Sorrell, Leiter des Medienunternehmens S4 Capital und Ex-Chef des Werbegiganten WPP. Er sagt, keiner der Nachahmer des WEF, von Aspen bis Boao, habe es wie das WEF geschafft, Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft zusammenzubringen. Schwab verweise deshalb auch gerne darauf, dass sich das WEF für die Verbesserung der Welt einsetze, fährt der «Economist» fort. Nicht alle sähen das aber so. Für viele Nichtregierungsorganisationen (NGO) diene sein Engagement nur den globalen Eliten, um für ihre Agenda zu werben, die die Ungleichheit weiter verschärfe.
Laut dem Presseportal, einer Schweizer Tochter der deutschen dpa-Mediengruppe, macht der Liechtensteiner Think- und Action-Tank Thehus.institute dem WEF ernsthaft Konkurrenz mit seiner Konferenzserie «Davuz». Die diesjährige Versammlung mit dem Namen World Systemic Forum setzte ein Zeichen des genuinen Neu- und Umdenkens, im Gegensatz zum Davoser Grossformat, heisst es beim Presseportal.
Die Vision des World Systemic Forums sei eine Wertegemeinschaft als globaler Ort für tatsächlichen Systemwechsel. Das Format «Davuz» sei gemeinsam mit Stiftungen, Privatpersonen und Umdenkern entwickelt worden. Es funktioniere als Schutzraum zugunsten des Vertrauens für mutige Schritte heraus aus der Filterblase überkommener Vorstellungen, Strukturen und Mechanismen.
Der deutsche Journalist Gabor Steingart kritisiert das WEF in der Schweizer «Handelszeitung» als Anachronismus. Was einst als Marktplatz der Welt gedacht gewesen sei, erweise sich heute, im 50. Jahr nach der Gründung, als geschlossene Anstalt, in der die Teilnehmer das Selbstgespräch pflegten. Jeder habe gesendet und niemand habe empfangen. Drei Münder, kein Ohr. Nirgendwo sei die Deformation der Gegenwart so klar zu erkennen.
Trump als Wahlredner im Prättigau
Just am Tag, als gegen US-Präsident Donald Trump das Amtsenthebungsverfahren formell angelaufen war, sagte sich dieser, ich verzieh mich dann mal ins Prättigau und halte aus den Schweizer Bergen eine Wahlrede. Hat noch keiner getan von den US-Präsidenten, ich bin der erste.
Er flog mit grossem Brimborium nach Davos, wo er kein Wort darüber verlor, was gerade in der Heimat mit seiner Person abging. Dafür laberte er das vollbesetzte Kongresszentrum mit Eigenlob voll, nach dem Motto: Was habe ich nicht alles getan, für die Rückkehr des amerikanischen Traums. In meiner zweiten Amtszeit mache ich Amerika noch traumhafter. Als Plattform für reine Wahlveranstaltungen wird das WEF aber wohl kaum eine Zukunft haben.
Panoptikum der Möchtegerne
Das WEF hat in den 50 Jahren seiner Existenz als Biotop für Plutokraten, Globalplayer, Mafiosi, politische Lobbyistinnen und pflegeleichte Non-Profit-Organisationen 310 Millionen Dollar erwirtschaftet und viele bunte Seifenblasen in die Welt gesetzt, die aber alle geplatzt sind. Von Jahr zu Jahr mehr Referate, Podien, Workshops, VIP-Meetings und Stehparties. Kaum jemand hat noch die Übersicht in diesem Zirkus. Eine Weile lang ging das gut mit dem Panoptikum der Möchtegerne. Aber jetzt ist alles nur noch ein Déjà-vu.
Sogar Greta Thunberg blieb artig und pfiff nicht durch die Finger, als Trump die Klimaschützer als «ewige Propheten des Untergangs» diffamierte. Sie schaute nur einen Moment lang drein wie der Böse Clown im gleichnamigen Roman von Stefan Brouxein.
Das WEF ist in einer Sinnkrise – nicht unbedingt ein Grund, Mitleid mit ihm zu haben.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.