Das traditionsreiche Konstanzer Programmkino Scala soll gegen Ende 2016 geschlossen werden und einem dm-Markt Platz machen, dem fünften in der Stadt. Vielfach ausgezeichnet für sein engagiertes Programm war das Scala im Herzen der Altstadt Treffpunkt für Kinoliebhaber aus der gesamten Region und auch der nahegelegenen Schweiz.
Gegen die drohende Schliessung gab es lautstarken Protest aus der Bürgerschaft. Die Initiative «Rettet das Scala» entstand, Demos wurden organisiert: «Lieber Kino statt Pampers» und über 7000 BürgerInnen plädierten mit ihrer Unterschrift für den Fortbestand des Filmpalasts. Eine weitere Kommerzialisierung der boomenden Touristenhochburg am Bodensee, war oft zu hören, müsse verhindert werden.
Doch es half nichts, der langjährige Scala-Betreiber zieht in ein örtliches Cineplex-Kino um, das in einer Shopping Mall angesiedelt ist. Auch die Besitzer der Immobilie, in der das Scala seit 1938 ansässig war, wurden sich schnell einig mit der Drogeriekette dm, die dort kommendes Jahr eine weitere Filiale eröffnen wird.
Der renommierte Dokumentarfilmer Douglas Wolfsperger ist nun seit Wochen unterwegs, um die verbleibenden Tage des Scala bis zum letzten Vorhang mit der Kamera zu begleiten, stösst dabei aber auf ungeahnten Widerstand. Er, ein gebürtiger Sohn der Stadt, hoffte auch darauf, dass ihm die Stadt finanziell unter die Arme greifen würde. Erste Bemühungen um Fördergelder in der benachbarten Schweiz liessen sich erstaunlich gut an: Der Kanton Thurgau und die Stadt Kreuzlingen wollen Wolfspergers Film mit 23 000 Franken unterstützen, eine Crowdfunding-Aktion ist erfolgreich angelaufen, mehr dazu hier.
Doch auf diese Euphorie folgte ein harter Aufprall auf heimatlicher Scholle. Der Filmemacher stand vor dem Konstanzer Gemeinderat, stellte ausführlich sein Projekt vor und liess deutlich werden, dass er der Konstanzer Nachwelt ein Stück ihrer eigenen Geschichte erhalten möchte und ein anspruchsvolles Kinoprogramm nicht vergleichbar sei «mit einem x-beliebigen Gewerbebetrieb».
Auch seine Sympathien für die aufsässige Bürgerinitiative, die so vehement für den Erhalt des Scala gekämpft hatte, klangen bisweilen durch. Steht doch in seiner Projektskizze zu lesen: «Was bedeutet die Schliessung eines Arthouse-Kinos für eine Stadt, die viel auf ihre kulturelle Bedeutung hält und wo doch der Kommerz immer mehr Überhand nimmt?»
1937 gebaut, muss das Kino jetzt einer Drogerie weichen. (Bild: facebook.com/scala.konstanz)
Derlei liest man in der grössten Stadt am Bodensee gar nicht gerne. Kein Wunder also, dass sich die Mienen vor allem bei den konservativen RätInnen schnell verfinsterten, und es kam, wie es kommen musste. Statt der geforderten 36’500 Euro gewährte das Stadtparlament gerade mal 2500 Euro. «Da muss man sich ja fremdschämen», murmelte ein Befürworter des ursprünglichen Antrags auf Bezuschussung.
Mehrmals war bei der Debatte um das Filmprojekt die Befürchtung laut geworden, die geplante Dokumentation könnte die Stadt in einem schlechten Licht erscheinen lassen. Die Stadträtin Christine Finke hatte sogar kurz vor der Abstimmung in einer Rundmail alle GemeinderätInnen vor Wolfspergers Film gewarnt, der Konstanz «nicht gut tun» würde. Wolfsperger war fassungslos und konstatierte reichlich ernüchtert: «Würde ich ein harmloses Filmchen mit Bildern vom blauen Bodensee und der schmucken Konstanzer Altstadt drehen, könnte ich sicher mit einem satten Zuschuss rechnen». Nun fühlt er sich «verarscht», aufgeben will er aber auf keinen Fall: «Jetzt erst recht.»
Doch die Hürden werden immer höher. Neben Scala-Befürwortern will Douglas Wolfsperger auch jene zu Wort kommen lassen, die der Weiterführung des Kinos von Anfang an keine Chance gegeben hatten, wie beispielsweise der Konstanzer Kulturbürgermeister Andreas Osner (SPD). Kurz vor Drehbeginn sagte der aber ein geplantes Interview ab. Er habe erfahren, dass die Aufnahmen zwei Stunden dauern könnten und dafür stünde er «nicht zur Verfügung».
Ausserdem, so Osner weiter, sei er «geradezu entsetzt» darüber, dass Wolfsperger in einem Interview mit dem «Südkurier» die Entscheidung des Gemeinderats kritisiert und darin auch Mandatsträger mit «persönlichen Attacken» überzogen habe. Deshalb, so der Bürgermeister, zweifle er daran, «ob Sie mit Ihrem Filmprojekt tatsächlich eine ausgewogene, sachliche Dokumentation der Begebenheit vorhaben». Die Stadt und der Scala-Film: Das scheint irgendwie nicht zusammenzupassen.
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