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Familienausflug mit Polizeischutz

Die Mai-Kundgebungen im grossen Tsüri und im nicht so grossen St.Gallen. Und einige Fragen an Gewerkschafter Johannes Supe, der im Osten für Kopfnicken und -schütteln gesorgt hat.

Von  Corinne Riedener , 

 

St.Gallen: Wir sind nicht allein.

Hier ist man bürgerlich konsequent: der Tag der Arbeit beginnt nach der Arbeit, um 17 Uhr. Etwa 500 Personen kommen. Der Altersdurchschnitt ist höher als in Zürich, dafür sind die Ausgaben für den Geleitschutz tiefer. Heimelig ist es, fast schon familiär. In Zürich ist man viele, hier zumindest nicht allein.

Ausserdem ist Glättli da (Mindestlohn), Berhanu Tesfaye von der ASZ («Kein Mensch ist illegal») und Gewerkschafter Johannes Supe. Manchen bleibt das «Schüga» im Hals stecken: Supe fordert die «Aufhebung und Zerschlagung der EU». Sie sei «ein militaristisches Wirtschaftsbündnis». Gastgeberin und Gewerkschaftspräsidentin Barbara Gysi ist not amused. Saiten fragt (nicht deswegen) nach:

 

Supe in sg

Johannes Supe am 1. Mai in St.Gallen (Bild: Benjamin Schlegel)

Die SP Schweiz macht sich seit kurzem für einen EU-Beitritt stark. Johannes, du als Gewerkschafter forderst deren Zerschlagung. Eine gezielte Provokation zum 1. Mai?

Mir war klar, dass das viele irritieren würde. Mir ist aber auch klar, dass der Europa-Kurs, der von Linken und Gewerkschaften momentan gefahren wird, in einem Desaster enden wird, und mit dieser Meinung stehe ich auch nicht ganz alleine da.

Wie standest du in St.Gallen da?

Es war auf jeden Fall interessant, eine Rede bei Totenstille zu halten. Die Reaktionen waren sehr geteilt. Ein EU-Gegner fragte zum Beispiel, ob das nun gegen die Gewerkschaftsmeinung sei. Dabei sind die einzelnen Gewerkschaftsmitglieder und der Apparat ja lange nicht dasselbe. In der Gewerkschaftsjugend zumindest wird das Thema heiss diskutiert.

Auch Deutschlands «Linke» äussert scharfe Kritik an der EU. Sind die Schweizer Sozialdemokraten naiv?

Kritik von linker Seite ist wichtig. Wenn wir sie nicht bringen, wird die Rechte das übernehmen – was ja bereits überall passiert. Die deutsche Linkspartei kritisiert zwar die EU, aber auch bei ihr läuft es auf die alte Leier hinaus: «Wählt uns, dann wirds besser.»

Das ist nicht der Fall?

Reine Symptombekämpfung. Die EU ist als Instrument der Banken und Konzerne gegründet worden. Das ist ihr «sozialer Charakter» und da lässt sich auch nichts «reformieren». Wer sollte das denn tun? Wir können noch hunderte Sozialdemokraten ins EU-Parlament schicken, dort werden die Entscheidungen nicht getroffen. In den Hinterzimmern, den Kommissionen, dem EU-Rat; in den Gremien, die der Demokratie völlig entzogen sind, dort spielt die Musik. Und sie schlägt Töne an, die eindeutig gegen Gewerkschaften und die Arbeiterschaft gerichtet sind. Ein soziales Europa gibt es nur ohne die EU.

Was wäre die Alternative?

Eine Europäische Union auf der Basis kapitalistischer Staaten wird immer für Sozialabbau, für Aufrüstung und faschistische Tendenzen stehen. Da müssen wir ansetzen; wenn wir die wirtschaftlichen und sozialen Missstände im eigenen Land beseitigt haben, können wir uns den Kopf über alternative Staatenbunde zerbrechen.

Wieso nicht auch die Nationalstaaten auflösen?

Weil die Fragestellungen und die Kämpfe in den Ländern völlig verschieden sind. Mindestlöhne zum Beispiel: in Deutschland fordert man 8 Euro 50, hier 22 Franken. Unter diesen Voraussetzungen den Staat auflösen zu wollen ist utopisch, zumal wir das rein politisch gar nicht können. Auch die Grossbetriebe sind vielfach noch an den Staat gebunden und mit ihm verflochten. Diese werden wir da bekämpfen müssen, wo sie stehen.

Das geht nicht übergreifend, im globalen Kampf auf regionaler Ebene?

Sollen wir spanische Arbeiter einfliegen, um die Migros zu bestreiken? Schön wärs, aber ein solches Vorgehen ist nur unter besonderen Voraussetzungen denkbar. Besser wir selber machen den hiesigen Chefs die Hölle heiss. Das ist das Beste und Internationalste, was wir tun können. Würde die Glencore-Xstrata-Zentrale in der Schweiz lahmgelegt, wäre auch den Ländern geholfen, in denen dieser Konzern wütet.

Der Kampf ist zwar seinem Inhalt nach international, seiner Form nach zunächst jedoch national, das wusste schon der alte Marx. Aber klar, um den Kampf besser führen zu können, tauscht man sich aus, wertet auch die Erfahrungen anderer Länder aus.

Was entgegnest du der Sozialdemokratie auf den von ihr angestrebten EU-Kurs?

Sie wird in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, wenn sie sich an die EU klammert. Viele aus der Arbeiterschaft wissen doch längst, dass die Union Mist ist. Eine Sache ist klar: Wir brauchen ein soziales Europa. Aber die EU ist nicht Europa!

Johannes Supe, 1989, ist Mitglied der syndicom-Jugend und in Bern aktiv. Er studiert an der Schule für Angewandte Liguistik in Zürich (SAL) und ist freier Journalist. Aufgewachsen ist er in der Nähe von Dortmund, seit vier Jahren lebt er in der Schweiz, aktuell in Bern.

 

 

Zürich: Wir sind viele.

Hier sind 14’000 auf der Strasse, bereits am Vormittag; Frau Hinz, Herr Kunz und mit ihnen die halbe Welt. Mit Velos, auf Dreirädern, in Kinderwagen und Rollstühlen. Rollatoren werden übers Trottoir gehievt. Aber hey; Freunde und Helfer für alle! Polizei da, Levrat da, Lampedusa da (Giacomo Sferlazzo). Und Etrit Hasler aus St.Gallen: Satire gehört eben doch in die Politik, beweist der Polit-Poet. Pathos offenbar auch. Inbrunst soll ja helfen gegen Resignation. Nicht nur den Linken im bürgerlichen Osten.

 

Über Glencore Xtrata (siehe Interview) wird auch am Montag, 5. Mai diskutiert: im Palace St.Gallen ab 20 Uhr. Stephan Tschirren, Mitherausgeber des Buches «Milliarden mit Rohstoffen ­– Der Schweizer Konzern Glencore Xtrata» spricht über dessen Entstehungsgeschichte.

Ausserdem ist am Freitag, 9. Mai eine Kundgebung angesagt: «Smash little WEF» lautet das Motto gegen das diesjährige HSG-Symposium, wo auch Glencore-Xstrata-Chef Glasenberg gastieren soll. Besammlung ist um 18 Uhr am Bahnhofplatz St.Gallen, danach gehts im Rümpeltum weiter. 

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
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Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von Sieglinde Wöhrer,
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Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
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Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
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Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

Von Reto Voneschen,
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Jock Kobels zweiter Fall

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Der Hai­fisch beisst wie­der zu

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Heppelers Bestiarium

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FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

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Senf