Es ist recht still in der Stadt. Kommuniziert wird mit Schildern, Verbotstafeln, Kontaktsäulen, Plakatwänden oder Schaufenstern. Gesprochen wird auch: Hallo? Nein. Gehört dieser Hund ihnen? Sorry, keine Zeit. Was muss passieren, dass wir uns spontan in ein Gespräch verwickeln lassen? Was löst Kommunikation im öffentlichen Raum aus? Und wie läuft sie ab? Mit diesen Fragen befasst sich die vierte Ostschweizer Sozialraumtagung, organisiert von der FHS St.Gallen.
Etwa 70 Leute sind am Mittwoch um 13 Uhr beim Waaghaus. In den nächsten paar Stunden wollen sie, auf Gruppen verteilt, in der St.Galler Innenstadt nach Gesprächsstoff suchen. Dieser kommt von Kunstschaffenden, Experten und Fachleuten. An sechs Orten warten sie mit ihrem Gesprächsstoff in Form von Aufgaben, Inszenierungen und vor allem: Fragen.
Kennen Sie Ausländer? Grüssen Sie Penner? Gehört dieser Platz Ihnen? Fragen zu streuen sei Kern dieser Veranstaltung, sagt Projektleiter Dani Fels und freut sich, dass an diesem Tag «irritierend viele Leute diskutierend unterwegs sind». Tatsächlich lassen sich viele spontan zum Gedankenaustausch anstiften. Daran anknüpfend drei Stationen und weiterer Diskussionsstoff:
Am Bärenplatz
Die Gruppe ist bunt gemischt. Alle sollen zwanzig Fotos machen, aber mit einem eigenen Fokus; auf das Ungewöhnliche, das Alte, das Neue, das Traurige, Lebendige, Störende oder Attraktive. Es geht um den Blickwinkel, darum, die Umgebung mit anderen Augen zu sehen. Am Ende des Tages soll dann aus über 1400 Blickwinkeln ein Bildmosaik der Bärenskulptur entstehen. So kommt es, dass zwar viele denselben Baum ablichten, aber mit völlig unterschiedlichen Assoziationen: auf manche kann er alt wirken, oder störend, er kann für das Lebendige stehen, aber auch traurig stimmen als alleiniger Grünling unter Betonklötzen.
Im Schmittengässlein
Aus der schmalen Häuserschlucht riecht es verbrannt. Achtung, Videoüberwachung steht am Eingang, es liegen Zeitungen und Plastiksäcke herum. Drei Schritte weiter eine Wolldecke, Kartons, Bierflaschen, eine Tonne mit brennendem Abfall. Dann Rosenblätter, ihre Spur führt weiter zu einem weiss gedeckten Stehtisch mit zwei Weingläsern und einer Karaffe. Von dort aus sieht man schon das Geldinstitut an der Bankgasse, in die das schmale Schmittengässlein mündet. Bei dieser Station geht es um das subjektive Sicherheitsempfinden, um Beklemmung, um das Anziehende und Abstossende in dunklen Ecken. Die umliegenden Hausbewohner sind erleichtert, als sie erfahren, dass es sich nur um eine Inszenierung handelt. Sie hätten sonst aufgeräumt.
Auf dem Gallusplatz:
Um die Linde in der Mitte sitzen einige Schülerinnen, am Rand spielen zwei Kinder. Touristen betrachten Weltkulturerbe durch Kameralinsen. Der grosse Platz bringt Weite in die Stadt, wirkt aber fast etwas leer, trotz Kindern, Autos und Brunnen. Auf der Steinbank vor dem Dom sind Bilder des Platzes aufgestellt, die zeigen, wie er von der einstigen Pferdetränke zum Parkplatz in den 60ern und jüngst für 13 Millionen zur städtischen Begegnungszone wurde. Hier geht es um die Frage, was eine bewusste Gestaltung mit einem solchen Platz macht. Der Quartierverein veranstaltet manchmal ein spontanes Grillfest. Am Wochenende wird hier hin und wieder gekifft, und junge Frauen mögen den Platz, heisst es, weil er überschaubar ist, Sicherheit ausstrahlt. Die Stadt, weil alles rundherum ihr gehört und nicht irgendwelchen Hedgefonds.
Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
Jock Kobels zweiter Fall
Musik
Heppelers Bestiarium
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.