Als wir im Novemberheft die Saiten-Umfrage 2015 lancierten, hatten wir Bedenken, dass es nicht genügend Rückmeldungen geben könnte. Am Ende wurden wir eines Besseren belehrt: Die Umfragekiste quoll innert Kürze über – innerhalb eines Monats haben wir sagenhafte 224 Antworten erhalten. Und sie fielen grösstenteils sehr engagiert aus.
Das Auswerten hat nicht wie befürchtet Wochen, sondern dank praktischer Algorithmen (danke, surveymonkey.com) nur wenige Tage und einen kollektiven Effort (danke, Saiten-Gang) gebraucht. Dabei haben wir gelernt: Unsere Arbeit, die publizistische, aber auch alles drumherum, wird durchaus geschätzt, kritisch betrachtet und reflektiert. Zu sehen an den vielen Antworten auf die Frage 9: «Was gefällt Ihnen an Saiten, was nicht?». Die Quotes sind weiter unten zu finden.
«Richtig und wichtig so»
Zweitens haben wir gelernt: Ein journalistisches Medium darf sich durchaus und entgegen der oft gewünschten Meinungsvielfalt auch pointiert zu politischen und kulturellen Themen äussern, sprich Position beziehen. Über 80 Prozent der Befragten finden das «richtig und wichtig so». Und gut 23 Prozent finden sogar, Saiten könnte «ruhig noch pointierter» sein.
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Dritte Lektion: Das Saitenherz schlägt für die Kultur, gesellschaftliche Themen, für Politik und – dafür wurde Saiten auch einst ins Leben gerufen – für unseren Veranstaltungskalender. Auf die Frage, welche Themen denn besonders interessieren, haben über 85 Prozent der Befragten mit Kultur geantwortet. Gefolgt vom Themenbereich Gesellschaft mit knapp 80 Prozent, dem Veranstaltungskalender mit 73 Prozent und der Politik mit 64 Prozent.
Für uns heisst das, dass wir die Kernaufgaben eines Kulturmagazins wohl ganz ordentlich erfüllen. Es heisst aber auch, dass wir weiterhin genau und kritisch hinschauen wollen und – wie es sich auch einige der Befragten gewünscht haben – künftig versuchen werden, noch mehr Gewicht in die kultur- und gesellschaftspolitischen Debatten zu legen. Und was den Kalender angeht, diesen prüfen wir derzeit gerade auf Herz und Nieren. Um ihn noch patenter zu machen und endgültig auf Zukunft zu trimmen.
Die weniger erfreuliche Erkenntnis: Saiten wird vor allem als gedrucktes Produkt und nur bedingt auch als tagesaktuelles Medium wahrgenommen. Fast 40 Prozent der Befragten gab an, nicht auf saiten.ch zu verkehren. Die eine Hälfte, weil sie auf saiten.ch «nie» etwas liest, die andere weil sie unseren Onlineauftritt (noch) gar nicht kennt.
Nur ein Bruchteil, gut 6 Prozent, hat sich geoutet und kreuzte bei der Frage, wie oft sie saiten.ch denn besuchten, «mehrmals pro Woche» an. Die überwiegende Mehrheit liest uns im Internet «nur gelegentlich».
Freut sich auf Besuche: saiten.ch
Das erklärt vielleicht auch, wieso die meisten Antworten per Post und nicht per Mail bei uns ankamen. Jedes andere Ergebnis hätte uns aber ohnehin überrascht, schliesslich kennen wir unsere Klickzahlen. Verglichen mit anderen Onlineplattformen spielt saiten.ch in der Nachwuchsliga. Einerseits weil es noch ein relativ junges Projekt ist, andrerseits weil die Onlinerei auch immer eine Frage der Ressourcen ist. Und was diese angeht, haben wir dasselbe Problem wie viele Medien: Onlinejournalismus ist halt immer noch verdammt schwer zu finanzieren.
Im Fall von Saiten braucht es kluge Ergänzungen wie zum Beispiel einen Veranstaltungskalender – übrigens das mit Abstand bestgeklickte Stück auf saiten.ch. Selbstverständlich streben wir dieses Niveau auch bei den journalistischen Inhalten an. Dazu setzen wir weiterhin auf unabhängigen, kritischen und hintergründigen Journalismus. Das ist es nämlich, was die 224 Befragten an Saiten mit Abstand am meisten schätzen.
Zum Schluss eine Auswahl der Antworten auf unsere Frage, was an Saiten gefällt und was nicht:
Dieser Text erschien im Januarheft von Saiten.
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