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Heimaten aufmischen

Die Kinder werden im Sommer barfuss zur Schule geschickt. Der Kaffee wird für die Damen in der Tasse und für die Herren im Glas serviert. In Hundwil sind manche Dinge noch wie früher. Die Gemeinde hat den höchsten Steuerfuss und die tiefsten Mietzinsen im Kanton. Es ist der Ort, an dem das diesjährige Echo der Kulturlandsgemeinde stattfand.
Von  Andi Giger , 
Bilder: Andri Vöhringer

Wenn sich die Kulturlandsgemeinde ausgerechnet in Hundwil trifft, ist das kein Zufall. Bis zur Abschaffung fand dort jeweils in den ungeraden Jahren die Ausserrhoder Landsgemeinde statt. Das Dorf scheint der ideale Ort zu sein, um über das Thema der diesjährigen Ausgabe vom vergangenen Sonntag nachzudenken: Heimat. Der Säntis – für viele ein Heimatssymbol – steht auf Hundwiler Boden.

Die Besuchenden werden von der Postautohaltestelle zur Mehrzweckanlage Mitledi gelotst. Eine Gruppe um die Choreografin Gisa Frank und den Schauspieler Andreas Beutler steht auf einem Heu-Transporter und jauchzt aus Milchseihern und geschnitzten Bettruftrichtern.

Die Performer:innen auf dem Echo-Shuttle

Oben angekommen, stimmen sieben junge Herren aus dem lokalen Turnverein ein Zäuerli an. Die traditionelle Garderobe aus Edelweisshemden, roten Fetzen und Millitärschuhen wird von zwei On-Sneakertrrägern aufgelockert.

In der Turnhalle begrüsst Comédienne Reena Krishnaraja das Publikum mit Anekdoten aus einem Leben, in dem man immer wieder nach der Heimat gefragt wird. Die Gruberin (Grub AR, nicht SG, betont sie) weiss, wie liebevolles Hundwil-Bashing geht. Noch aus Jugi-Zeiten kennt sie die Kriterien, auf die es im Dörfer-Vergleich ankommt: Skilifte, Badis und Bahnhöfe.

Reena Krishnaraja wird immer wieder nach ihrer Heimat gefragt.

Julia Kubik übernimmt dann die Bühne und stellt die neuste Ausgabe der «Heimatpost» vor. Die selbsternannte Provinzforscherin stützt sich in der Recherche neben einem Spaziergang durchs Dorf auf Geschichten von ehemaligen Hundwiler:innen, künstliche Intelligenz, Social Media und DVDs der letzten Unterhaltungsabende des Turnverein Hundwils. Hier gehts zum Heimatreport von Kubik.

Nach der Begrüssung verteilen sich die Besuchenden im Dorf. Auf vier Sparziergängen erzählen Locals und Expert:innen Geschichten aus und über Hundwil und anderen Heimaten. Vera Marke, Künstlerin und Forscherin, arbeitet im Haus Dorf 10. Die Malerei ist ihr Fachgebiet. Aus alten Pigmenten mischt sie die Farben nach, wie in der Architektur im Appenzellerland verwendet wurden. Das denkmalgeschützte Haus hat sie restauriert wie ein Gemälde. Heute ist es wieder ein Ort, der viele Funktionen gleichzeitig erfüllt: Arbeitsplatz, Ausstellungsort und Veranstaltungsstätte.

Ein weiterer Spaziergang führt zum tiefst gelegenen Punkt der Gemeinde, dort wo früher der Weg von Hundwil über die Urnäsch (den Fluss) nach Herisau führte. Die noch erhaltene Grubenmann-Brücke wird wegen den Sprüchen am Holzgebälk auch sprechende Brücke genannt.

Die Sprechende Brücke ist ein versteckter Ort im Hundwiler Rachentobel.

Die Besuchenden reihen sich beim Weg ins Tobel in einer Kolonne ein. Ganz nach der Appenzeller Regel: Querfeldein ist nur vor der Landsgemeinde in Ordnung. Denn wenn der ganze Kanton nach Hundwil oder Trogen pilgerte, waren die Felder sowieso zerstampft und das Gras noch nicht so hoch. Ob die Regel nach Abschaffung der Landsgemeinde und mit Klimawandel noch ihre Gültigkeit hat, sei dahingestellt.

In der Mehrzweckanlage geht das Programm den ganzen Tag lang weiter. Am Architektur-Stammtisch von Thomas Künzle und Valentin Surber wird über Kolosse in der Appenzeller Hügellandschaft diskutiert: Ställe. Ein Film von Johannes Werner und Sarah Elena Müller zeigt, für wen die Berner Hochhaussiedlung Tscharnergut eine Heimat ist. Suramira Vos und Peter Surber lesen die Erkenntnisse des Kulturlandsgemeinde-Festivals vom vergangenen Jahr im Zeughaus Teufen vor. Den Schlusspunkt setzt Carlos Hidalgo mit Heimatklängen aus Talerbecken, Hackbrett und Mischpult.

Ein ziem­lich ab­ge­fah­re­nes Ding

Seit zehn Jah­ren gibt es die Re­si­den­cy in der Bi­blio­thek An­dre­as Züst im Al­pen­hof, die­sem so schwer zu fas­sen­den Ort in In­ner­rho­den. Der run­de Ge­burts­tag wird nun mit ei­nem viel­fäl­ti­gen Fes­ti­val ge­fei­ert.

Von Hanspeter Spörri,
Alpenhof bibliothek andreas zuest residency

Ein künst­le­ri­sches Ge­ne­ra­tio­nen­tref­fen

Be­vor die Kunst­hal­le St.Gal­len im De­zem­ber we­gen Um­bau­ar­bei­ten vor­aus­sicht­lich bis April 2027 schliesst, dreht sie noch­mals voll auf. In der Aus­stel­lung «House of Ch­an­ge: Pre-Con­s­truc­tion-Warm-Up-Ga­lo­re» prä­sen­tiert sie im lau­fen­den Mo­nat ein dich­tes, bun­tes Pro­gramm an Kunst und Kul­tur.

Von Larisa Baumann,
House of change larisa baumann 1

Zwi­schen Kunst und Kör­per 

In der Aus­stel­lung «Smi­le ma­nia­cal­ly we’re ali­ve» ver­bin­det Ja­la Wa­hid schein­bar ge­trenn­te Wel­ten. Sie schlägt dar­in ei­ne Brü­cke zwi­schen Er­in­ne­rung, Emo­ti­on, Wis­sen­schaft und Po­li­tik. 

Von Sieglinde Wöhrer,
Jala Wahid Smile maniacally were alive Sieglinde Woehrer

Ver­ei­nig­te Kul­tur­sze­ne pro­tes­tiert ge­gen den Spar­ham­mer

Die er­neu­ten Spar­vor­schlä­ge der St.Gal­ler Re­gie­rung stos­sen auf brei­te Ab­leh­nung. Die Kul­tur­sze­ne so­li­da­ri­siert sich ge­gen die Ab­bau­plä­ne. Die Kul­tur­lob­by hat sich in Stel­lung ge­bracht. Obs hilft?

Von Roman Hertler,
2611 Kulturgelder gaffa rappenspalter 2 farbe

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
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Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2