«Industriell, mystisch, historisch, charakteristisch und einmalig.» So beschreiben die Veranstalter des Heizwerk-Festivals ihre Location. Zwischen den alten Türmen und begehbaren Öltanks des stillgelegten Industrietraktes wird in der kommenden Woche eingeheizt.
Wo bis vor 20 Jahren die zentrale Heizzentrale Arbons war, gibt es für eine knappe Woche heisse Beats. An fünf Tagen wird das Areal direkt am See ein Zuhause für Bands wie Züri West, Danitsa, Andy Cooper, und die Steaming Satelites, aber auch für Poetry Slammer, Clowns und Designer.
Michael Hohermuth vom Verein Triebwerk ist einer der Veranstalter. Bis vor zwei Jahren haben sie das Kulturlokal Triebwerk geführt, in dem es Lesungen und Konzerte gab. Nach der Schliessung ward keine passende Alternativlocation gefunden, aber das Heizwerk stand verlockend herum. Die Idee eines Festivals war also naheliegend – und auch das Resümee der ersten Ausgabe letzten Sommer ist durchwegs positiv.
«Wir wollen ein Festival machen, bei dem die Musik im Vordergrund steht», sagt Hohermuth. Daher gibt es nur eine Bühne, drei Essstände und zwei Bars. Kein Firlefanz und kein Stagehopping also. «Es geht um eine entspannte Atmosphäre und um etwas Neues und Anderes in Arbon.»
Ein Time-Table, bitteschön!
Hohermuth verbringt die kommenden Tage noch damit Seile zu spannen, die als Dekoinstallation angebracht werden. Und was wird musikalisch geboten?
Am Nationalfeiertag gehts Schweizerisch zu und her: Zuerst kommt Hermann. Klingt wie Hefekuchen, ist aber poppiger Sound aus Luzern. In Mundart spielt das Trio mit analogen Synthie-Sounds, surfigen Gitarren und Beats im Herzschlagtakt.
Best of Schweizer Sound gibts dann im Anschluss: Züri West sind bekannt für berndeutsche Songs wie Bümpliz-Casablanca, Elvis und I schänke dr mis Härz. Speziell letzteres eignet sich hervorragend für Liebeskummer aller Art, und Frontman Kuno Lauener wurde einst zum Sexiest Swiss Man Alive gekürt. Hier lässt sich live überprüfen, ob das noch gilt.
1. bis 5. August, Heizwerk Arbon heizwerk-festival.ch
Donnerstag ist Poetry-Tag. Der Slam im Team gilt als die inoffizielle Königsdisziplin in der Szene. Die Dichter kämpfen in Zweierteams um die Gunst des Publikums und eine Flasche Hochprozentiges. Mit dabei sind unteranderem die amtierenden Schweizer Meister Die Agile Liga und die Ex-Schweizermeister Interrobang.
Am Freitag dann stehen alle Zeichen auf Rap. Den Start macht, soft und deutschsprachig, Otto Normal – ein komprimiertes Orchester, das in der Synergie von Pop und Rap seinen Stil gefunden hat und seinen Zuhörern einen Reality Check anbietet. Dabei verliert sich die Band aber nicht in Betroffenheitslyrik und Schmusepoesie, sondern zeigt Kante und sieht sich als Teil und Akteur des Zeitgeschehens.
Anschliessend kommt die wunderbare Danitsa aus Genf mit ihrer souligen Stimme und singt den Captain. Sie wurde bei den Swiss Music Awards 2018 als bester Act Romandie ausgezeichnet. Wer das Konzert im Palace verpasst hat oder mehr davon braucht: Auf nach Arbon!
Zum Abschluss des Abends gibt es Oldschool-Hip-Hop mit Andy Cooper, Mitglied der legendären Ugly Duckling aus Kalifornien. Seit 1993 haben sie Tourneen in über 30 Ländern gespielt und sechs Alben veröffentlicht. Nun ist Cooper alleine unterwegs und spielt Rap für Liebhaber, die auch anderen Genres etwas abgewinnen können, zum Beispiel jazzigem Funk.
Der Samstag beginnt nackig und magisch und bietet ein perfektes Festivalmotto! Die Band Magic & Naked klingt wie ein Schiff auf weiter See, Phantasievögel am Horizont, ein purpurroter Sternenregen. Der Sound ist eine zarte Mischung aus psychedelischem Folk-Rock und elektrischem Pop mit Soul-Hauch. Sie spielen Lieder aus dem Land, wo die Sonnen von morgen Könige und die Vampir-Frauen von gestern Königinnen sind.
Weiter geht es mit Catalyst, deren grungige Gewalt auf geballte Energie trifft und mit harten Rockelementen verschmilzt. Die rauen Gitarrenriffs, inspiriert durch dröhnende Verstärker, bringen dem Ganzen den nötigen Blues ein. Mit Ehrlichkeit zeigt sich das Duo zugleich wütend und harmonisch.
Danach zeigen die Steaming Satellites ihr Klanguniversum, das sich abwechselnd schier unendlich ausdehnt und maximal verdichtet. Im Indie-Rock verwurzelt, bandeln sie gekonnt mit Blues, Funk und Soul an und erlauben sich beherzte Pop-Ausflüge.
Den Abschluss machen die Solothurner Basement Saints, ein whiskeygetränkter Trip in die kalifornischen Seventies. Mal klingen sie wie die frühen Kings of Leon, dann wieder wie Motörhead auf Blues – ein Schweizer Versprechen.
Anreise, Kosten und Infos
Am Sonntag ist der Eintritt gratis. Von 10 bis 17 Uhr ist ein Designmarkt, auf dem Labels und Künstler ihre Werke feilbieten. Hier kann man sich mit Gold und Glitzer schmücken, Babys aufhübschen, stylische Socken für kältere Zeiten einpacken, sich Honig ums Maul schmieren lassen, Hanf essen und einiges mehr. Zudem findet ein Lindy Hop Crashkurs statt. Akustisch begleitet wird das Ganze von der Coniglio Connection aus St.Gallen.
Im vergangenen Jahr wurden die Veranstalter von einigen gefragt, ob man sie nicht irgendwie unterstützen könne. Da sie keine Zweiklassengesellschaft wollen, gibt es kein VIP Ticket, sondern ein Gönnerabo. Für 250 Stutz gibts einen Apéro, einer Führung durchs Gelände und für 400 noch für jeden Abend ein Zusatzticket für eine Begleitperson.
Regulär kostet der Festivalpass 98 Franken, Einzeltickets gibts für 25 bis 48 Franken. Vorverkaufsstellen sind die Thurgauer Kantonalbank Arbon oder das Kulturbüro am Blumenbergplatz in St.Gallen.
Das Festivalgelände befindet sich an der Stickereistrasse gegenüber des neuen Jumbos in Arbon. Zeltplätze und Übernachtungsmöglichkeiten gibt es keine, auch die Anzahl der Parkplätze ist begrenzt, daher empfiehlt sich eine Anreise via öV – der Bahnhof ist praktischerweise gleich ums Eck.
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht