Passender hätte es kaum sein können. Für die musikalische Untermalung der Kulturpreisverleihung im Eisenwerk in Frauenfeld sorgte die Thurgauer Band «A Little Green» mit Folk von Irland bis Italien. Eine Auswahl, beinahe so bunt wie das Programm des Cinema Luna – unter anderen einer der Gründe für die Auszeichnung.
«Wir wollen Filme, die die Welt so bunt zeigen, wie sie auch wirklich ist», sagt Christof Stillhard, seit 1997 Programmverantwortlicher des Cinema Luna. Zur Feier des Tages trägt das Gründungsmitglied eine Filmrolle als Kravatte um den Hals. «Hollywood hat uns noch nie interessiert», sagt Stillhard. «Auch wenn das heisst, das wir ab und an unheimlich schöne Filme zeigen, und doch nur zwei, drei Menschen im Saal sitzen. Für ihr persönliches Filmerlebnis ist es das wert.»
Glücklicherweise ist das nicht immer der Fall. Über 17’000 Besucher zählt das Cinema Luna jährlich. Möglich machen den Betrieb Subventionen (auch der mit 20’000 Franken dotierte Kulturpreis wird in den Betrieb fliessen), Gönner, Vereinsmitglieder – und viele ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Rund 3000 Stunden jährlich wenden diese allein an der Kasse für den 7-Tage-Betrieb des Kinos auf, schätzt Präsidentin Martina Dumelin.
Ein Generationenwerk
Mit dem Preis soll auch dieses beispielhafte ehrenamtliche Engagement gewürdigt werden. Bemerkenswert: Das Cinema Luna und der Trägerverein, die Frauenfelder FilmfreundInnen (FFF), haben es stets geschafft, junge Menschen zur Kulturarbeit zu motivieren. Keine Selbstverständlichkeit in der Kulturbranche – aber eine Bedingung für ein langes Überleben. Ebenso wichtig, so Marc Wehrlin, ehemaliger Leiter der Sektion Film des Bundesamtes für Kultur, sei ein Profil. «Gerade durch die schwindende Filmpresse wird ein klares Profil eines Kinos immer wichtiger», sagt Wehrlin in seiner Laudatio. «Und hier zeigt das Cinema Luna, was möglich ist.»
In den zwanzig Jahren seines Bestehens hat das Cinema Luna stets den Fokus auf Nischen und Neues gelegt. Beispielhaft dafür ist das schwullesbische Filmfestival «Pink Apple», welches seinen Anfang im Cinema Luna fand und seit 2000 auch in Zürich mit grossem Anklang stattfindet. Oder die enge Verbundenheit, welches das Cinema Luna mit diversen anderen Kulturveranstaltern der Region pflegt: Maturaarbeiten finden eben so Platz im Programm, wie auch die Schweizer Oscar-Nominierung «Der Kreis» des Regisseurs Stefan Haupt.
«Soleil» aus dem Luna
1994 entstand in einem alten Coiffeursalon beim Bahnhof aus der Initiative der Frauenfelder FilmfreundInnen das Cinema Luna. Der Verein selbst wurde 1991 gegründet. Ein hübscher Zufall: Im selben Jahr entstand auch einer der Songs, den die Band «A Little Green» am Montag Abend im Eisenwerk zum besten gab. Das Cover des «Au P’Tit Bonheur»-Klassikers «J’Veux du Soleil» passt zum Anlass:
«Dans un monde en super plastique / Moi j’veux retrouver maman / Qu’elle me raconte des histoires / De Jane et de Tarzan / De princesses et de cerfs-volants.»
(Natürlich blieben nach dem Song diverse Bemerkungen zum gestrichenen Frühfranzösisch nicht aus.)
Jane und Tarzan gehören nicht unbedingt zum typischen Repertoire des Cinema Luna – die Geschichten aus aller Welt, und die der Flugdrachen («cerf-volants») hingegen schon eher. Und wenn die Band den letzten Refrain von «J’Veux du Soleil» auf «Cinema Lune» umdichtet, schmunzelt das Publikum im gut besuchten Eisenwerk. Denn in den letzten zwanzig Jahren hat das Cinema Luna der Region viel Sonne gebracht.
Am 25. und 26. Oktober feiert das Kino das zwanzigjährige Bestehen mit einer Live-Stummfilmvertonung und diversen Vorpremieren.
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
Theateraufführung
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.
Hinter dem St.Galler Hauptbahnhof soll ein Konsumraum für Menschen mit schweren Suchterkrankungen entstehen. Diese Woche haben die Stadt und die Stiftung Suchthilfe Anwohner:innen eingeladen, um einen ersten Dialog zu starten.
Es ist seine letzte Session nach zehn Jahren im St.Galler Kantonsrat. SP-Kulturpolitiker Martin Sailer setzt künftig ganz auf den Zeltainer. Das Geld für den Neubau in Wildhaus ist fast zusammen, 2027 soll es losgehen.
Die Ansiedlung des Internet Archive Switzerland in St.Gallen ist Piero Stinelli zu verdanken. Er kontaktierte vor zehn Jahren die Verantwortlichen von archive.org aus eigenem Antrieb. In den 90er-Jahren war der Mitgründer von Vadian.net und Klang und Kleid ein Internetpionier.
Ohm41 stellen wieder aus
Das Thurgauer Pop-Phänomen Noemi Beza veröffentlicht Anfang Juni ihre neue EP. You’ll Find Me There vereint Country-Vibes mit astreinem Pop – was man ein wenig vermisst, sind Ecken und Kanten.
Kolumne: Stimmrecht im Juni
Ausstellung in Herisau
Nach 22 Jahren gibt Matthias Peter die Leitung der St.Galler Kellerbühne ab. Vom Raum ist er nach wie vor begeistert. Aber dem Kabarett ging es auch schon besser, erzählt er im Gespräch.
Die Thurgauer Künstlerin Micha Stuhlmann befasst sich in ihrem neuen Projekt mit dem Dasein im Moment. Am 7. Juni findet dazu ein Workshop in St.Gallen statt und am 26. Juni zeigt sie mit ihrem Ensemble die finale Performance in Kreuzlingen.