Kategorie
Autor:innen
Jahr

Immaterielles Inventar

«Vädammt, do langt kai DANKE», sagt Odium, wenn er ans kürzlich geschlossene CMC denkt. Er und Thedawn widmen der «Bar mit Keller» an der Metzgergasse drum zwanzig Zeilen inklusive Beat. Diese Würdigung ist definitiv mehr als verdient.
Von  Corinne Riedener

CMC

Wiä oft häsch üs gschluckt, guät kaut usgschpuckt?
Ha sovill mol, i dir, am Mic minärä Wuät Usdruck –
väliäh. – Häsch üs niämols im Schtich loh.
Bi dir hät mr s’Gfühl gha s’chönt ewig goh.

Wiä oft häsch üs Suppä serviert oder Pasta?
Händ üs ach ä so super amüsiert. Üsi Laschter
voll usgläbt, d’Bäss dridruckt.
Bim tschiggä, vor äm Sieg, hät kei Augälid zuckt.

Wiä oft i der töggälät, gratis! wo giz da suscht?
Sangaller Barbetriber: gäg obä het’s no Luft.
Wohi jetzt? Da zeigt Zuäkunft
und bis döt hi – findät mer üsä Ruhepunkt.

Wiä oft häsch üs betankt, Appäzäller?
Und Basstartos sind abgangä hinder dä Plattätäller.
Vädammt, do langt kai «DANKE».
Ä Bar mit Chäller; doch für’s paar chli meh. Yeah!

CMC – mer vägässed di niä.
So vill Stundä i dir väbrocht; du häsch’s dr vädient –
da Liäbesgedicht zum End vom Docht.
Und zu dä Frog, obs sowas niämeh git? – Nai… ähh: DOCH!

Odium, 2014

 

«Jo voll, mi freut’s!», sagte Olivera Widmer Anfang September, als Saiten von ihr wissen will, ob die Gerüchte stimmen und sie ihre kleine Bar, das CMC an der Metzgergasse 26, tatsächlich schliessen will Ende Monat. Nach elf Jahren müsse sie wieder einmal etwas anderes machen. «Und umgebaut hab’ ich ja schliesslich schon oft genug», fügte sie lachend an.

In der Tat sah das zweistöckige Lokal, das irgendwie alles in einem war – Club, Café, Bass-Höhle und Gartenbeiz – alle paar Tage wieder ein wenig anders aus, wenn man daran vorbeikam. Ständig wurden irgendwelche Plüschsofas rumgefugt, WCs dekoriert oder Wände verziert, die Bar-Möbel im Keller waren sowieso heimliche Nomaden. Und alle paar Jahre durften sich dort auch gewillte Sprayer verwirklichen, die unterste und erste Schicht ist demnach noch von der XXX-Crew.

cmc2Notfalls Komplizen oder ein letztes Bier

Genau so sympathisch wie das stete Umgekremple war auch die Konstanz in diesem Laden: der Töggelikasten, die Leute, der Sound und natürlich Oli und Robbie mit dem Rest der Crew. Egal, wie lange man zwischendurch auf Reisen oder sonstwo war, im CMC fand man auch Jahre später noch wieder alte Freunde, den perfekten Track, ein offenes Ohr, notfalls Komplizen oder ein letztes Bier, sofern der Appenzeller schon leer war.

Dieses immaterielle Inventar war es vermutlich, was die Ecke zwischen der ehemaligen Tschutti-Beiz und dem Asia-Restaurant so familiär geprägt hat über all die Jahre, auch wenn es nicht immer friedlich zu und her ging rundherum. Dank der guten Vibes war das CMC aber immer eine Art sturmfreies Wohnzimmer, ein Ort zum Verweilen, während draussen die Welt tobt. Ich hätte definitiv öfters dort sein sollen in den letzten Jahren.

Bass-Nische mit Scharf und etwas Techno

Es mag an der geringen Grösse liegen, dass das CMC in elf Jahren nie zum kommerziellen Schuppen werden musste. Dazu beigetragen hat aber vermutlich auch das Konzept, wenn man es so nennen will: Statt möglichst viele Geschmäcker bedienen zu wollen, machte sich das CMC zur Bass-Nische, servierte Reggae, Dub & Dancehall in allen möglichen Varianten und Rap in tausend Sprachen – unvergesslich in Französisch – mit Scharf und etwas Techno.

Langweilig ist das nie geworden, im Gegenteil. Der lokale Nachwuchs hatte genau so das Recht auf Mic & Turntables wie die alten und/oder populäreren Hasen, die sich ohnehin selten zu schade waren für einige Zeilen mit den Jungen. So glich das CMC manchmal fast einem Biotop – oben zog seichter Reggae durch den Türspalt, während unten die Bässe von der Decke tropften. Schade, kann ich nicht nochmal eine Nacht lang vis-à-vis auf dem Brunnenrand hocken, rauchen und diesem Leben beim Brodeln zuhören.

Rap: Odium (Simon Furgler), Beat: The Dawn (Nils Halter), Infos: Odium & The Dawn

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
DSC3137

Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3.

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40