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Leinen los!

Der Dachstock ein Schiffsrumpf, die Dielen knarzende Planken, die Fenster ein Ausguck – die Propstei St.Peterzell sticht in See. Die diesjährige Ausstellung behandelt ein altes Thema: die Sehnsucht nach dem Meer. Am Sonntag geht die Reise zum Nullpunkt der Erde.
Von  Kristin Schmidt , 
Thomas Stüssis gestrandetes Boot in der Propstei. (Bilder: Johannes Stieger)

«Sonne, Meer und Sterne – Von Toggenburger Matrosen und Brandungsgeräuschen in den Alpen» nimmt die Reisenden, denn eigens angereist sind wohl die meisten Gäste dieser Ausstellung, mit aufs grosse Wasser. Auf den Spuren Toggenburger Seefahrer geht es in der Propstei hinaus in die weite Welt, die mitunter erstaunlich klein ist.

Seesack und Weltkarte

Wochenlang spielen sich für Seeleute Leben und Arbeit auf und unter Deck ab. «Schaffe, esse, suufe», fasst es Erich Näf zusammen. Von 1981 bis 1983 fuhr er als Seemann Häfen auf der ganzen Welt an. Freilich nicht auf hölzernen Planken und unter Segel, aber abenteuerlich klingen seine Berichte in den Ohren von Landratten trotzdem. Zu hören sind sie in Interviewform in der Ausstellung.

Anschaulich erzählt Näf über das Leben an Bord, über Arbeitsbedingungen, Landgänge, Exzesse und die Mannschaft. Persönliche Gegenstände wie Seesack, Weltkarte und Nähzeug ergänzen den anekdotischen Zugang zum Matrosenleben.

Sehr gelungen ist auch die Präsentation der Fotografien von Bruno Näf, Bruder von Erich, auch er fuhr zur See: Aufnahmen von ihm können in der Ausstellung in die Hand genommen werden – in Zeiten omnipräsenter Digitalfotografie ein ebenso sinnliches wie nachhaltiges Erlebnis und ein Zeugnis eines grossen persönlichen Aufbruchs.

Daneben gibt es individuelle Berichte anderer Seeleute, aber auch Bekanntes und weniger Bekanntes über den grossen Kontext. Publikationen liegen aus zu Themen wie dem Sklavenhandel, der überaus eng mit der Seefahrt verknüpft ist, zum Mittelmeer als Flüchtlingsroute oder zur grossen Sehnsucht der Schweiz nach einem direkten Seezugang. So waren Ansätze für einen Transhelvetischen Kanal bereits im 17. Jahrhundert gebaut und weiterführende Pläne recht weit gediehen. Sie versandeten nicht zuletzt durch den Ausbau der Transitstrassen, wurden aber erst 2006 endgültig begraben.

Bücher, Objekte und Begleitinformationen werden auf eigens gebauten Holzregalen präsentiert. Maritimes Ambiente klingt ebenso zurückhaltend wie poetisch an, etwa wenn der Maserung des Holzes eine grüne Lasur wellenförmig antwortet.

Von einem, der nie ankam

Zwiegespräche gibt es auch zwischen den dokumentarischen und den künstlerischen Ausstellungsteilen. Letztere illustrieren nicht einfach das Thema, sondern sind assoziativ gesetzt, öffnen den Gedankenraum und ermöglichen neue Sichtweisen.

Monika Sennhausers Spiegel.

Monika Sennhauser hat beispielsweise eine präzise Installation eigens für den Dachraum entwickelt. An hauchdünnen Schnüren hängen rechteckige Spiegel horizontal im Raum. Wie Fenster öffnen sie Blicke in die hölzerne Dachkonstruktion. Der Dachstock scheint unterhalb der reflektierenden Oberflächen zu liegen und wird durch das leichte Schwingen der Spiegel zum schaukelnden Schiffsrumpf.

Die St.Galler Künstlerin setzt sich seit langem mit den Horizonten und Sonnenbahnen auseinander. Auch zwei ihrer umfangreichen Videorecherchen sind in der Ausstellung zu sehen.

«Sonne, Meer und Sterne – Von Toggenburger Matrosen und Brandungsgeräuschen in den Alpen»: bis 19. September

12. September, 14 Uhr: Vortrag «Gegen Null – Eine Expedition zum geografischen Nullpunkt der Erde». 16 Uhr: Filmvorführung Blue My Mind

ereignisse-propstei.ch

Wasser hat keine Balken und vielen ist das Meer schon zum Verhängnis geworden. Der in Teufen lebende Künstler Thomas Stüssi erinnert mit seiner Installation an den holländischen Künstler Bas Jan Ader, der 1975 mit einem kleinen Segelboot den Atlantik überqueren wollte, aber niemals ankam: Stüssi baute einen Sperrholzkörper und legte einen Mantel aus Salz darum. Letzterer ist teilweise abgefallen, zerbrochen wie nach einer unsanften Landung.

Damit bezieht sich Stüssi zugleich auf Astronautenkapseln, die in den 1960ern und 1970ern auf abenteuerliche Weise getestet wurden. Auch die Reise durch die Luft erwies sich dabei mitunter als verhängnisvoll.

Installation von Laura und Joana Locher.

Aber auch die Tiefe hat es in sich, lauern doch dort die unbekannten Wesen. Zumindest beherrschten sie lange Zeit die Vorstellungen vom Meer. Nicht Riesenkraken, Monsterfischen oder Klabautermännern errichtete Blue My Mind ein filmisches Denkmal, sondern einer Meerjungfrau. In der Propstei sind die Zeichnungen der Kostümdesignerin Laura Locher für diesen Film zu sehen.

Zudem hat sie gemeinsam mit ihrer Schwester Joana die Installation Horizont sieben für die Ausstellung entworfen: Wer möchte, wird dank ihr zur Galionsfigur, um die durchs Toggenburg segelnde Propstei vor Unglück zu bewahren.

FC St.Gal­len vs. FC Lu­ga­no 5:0 – St.Gal­len de­klas­siert ein de­zi­mier­tes Lu­ga­no

Der FC St.Gal­len nützt ei­ne frü­he ro­te Kar­te ge­gen Lu­ga­no gna­den­los aus und schickt den bis­her so sou­ve­rä­nen Lea­der gleich mit 5:0 nach Hau­se. Ein denk­wür­di­ger Nach­mit­tag zum Nach­le­sen hier im SENF-Ti­cker.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Bücherherbst

Vom Fest­hal­ten und los­las­sen

Von Karsten Redmann,
Alles in allem taschenbuch julia trachsel

Die Er­de ist nicht ge­nug

Das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len er­öff­net Mit­te No­vem­ber zum zehn­jäh­ri­gen Be­stehen sei­nes Neu­baus den Aus­stel­lungs­be­reich «Mensch und Uni­ver­sum». Zwi­schen Kli­ma­kri­se und Ster­nen­him­mel geht es um ei­ne ziem­lich gros­se Fra­ge: Wo ste­hen wir ei­gent­lich?

Von Philipp Bürkler,
Naturmuseum Mensch und Universum Niklas Thalmann

Ein ziem­lich ab­ge­fah­re­nes Ding

Seit zehn Jah­ren gibt es die Re­si­den­cy in der Bi­blio­thek An­dre­as Züst im Al­pen­hof, die­sem so schwer zu fas­sen­den Ort in In­ner­rho­den. Der run­de Ge­burts­tag wird nun mit ei­nem viel­fäl­ti­gen Fes­ti­val ge­fei­ert.

Von Hanspeter Spörri,
Alpenhof bibliothek andreas zuest residency

Ein künst­le­ri­sches Ge­ne­ra­tio­nen­tref­fen

Be­vor die Kunst­hal­le St.Gal­len im De­zem­ber we­gen Um­bau­ar­bei­ten vor­aus­sicht­lich bis April 2027 schliesst, dreht sie noch­mals voll auf. In der Aus­stel­lung «House of Ch­an­ge: Pre-Con­s­truc­tion-Warm-Up-Ga­lo­re» prä­sen­tiert sie im lau­fen­den Mo­nat ein dich­tes, bun­tes Pro­gramm an Kunst und Kul­tur.

Von Larisa Baumann,
House of change larisa baumann 1

Zwi­schen Kunst und Kör­per 

In der Aus­stel­lung «Smi­le ma­nia­cal­ly we’re ali­ve» ver­bin­det Ja­la Wa­hid schein­bar ge­trenn­te Wel­ten. Sie schlägt dar­in ei­ne Brü­cke zwi­schen Er­in­ne­rung, Emo­ti­on, Wis­sen­schaft und Po­li­tik. 

Von Sieglinde Wöhrer,
Jala Wahid Smile maniacally were alive Sieglinde Woehrer

Ver­ei­nig­te Kul­tur­sze­ne pro­tes­tiert ge­gen den Spar­ham­mer

Die er­neu­ten Spar­vor­schlä­ge der St.Gal­ler Re­gie­rung stos­sen auf brei­te Ab­leh­nung. Die Kul­tur­sze­ne so­li­da­ri­siert sich ge­gen die Ab­bau­plä­ne. Die Kul­tur­lob­by hat sich in Stel­lung ge­bracht. Obs hilft?

Von Roman Hertler,
2611 Kulturgelder gaffa rappenspalter 2 farbe

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
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Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
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Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle