Kategorie
Autor:innen
Jahr

Lob für die Planung – wenig Bewegung am HB Nord

Die Stadt St.Gallen hat zum Abschluss der Planungen darüber informiert, wie es auf dem Areal Bahnhof Nord weitergehen soll. Viel Konkretes ist in nächster Zeit nicht zu erwarten.
Von  René Hornung , 

Die partizipative Planung für das St.Galler Bahnhof-Nord-Areal habe Transparenz geschaffen, die strategischen Grundlagen lägen nun vor, sagte Stadträtin Maria Pappa am Donnerstag vor den Medien. Mehr noch: Die Stadt bekam vom Bundesamt für Raumentwicklung grosses Lob für ihre nachhaltige Entwicklungsstrategie und ein Preisgeld von 15’000 Franken.

Ein Test ist noch kein Projekt

Nun ist diese Phase abgeschlossen. Stadt und Kanton haben als wichtigste Grundeigentümer des Areals beschlossen, koordiniert die weiteren Planungen anzupacken. Klar ist auch, dass nicht genau so gebaut wird, wie es das Resultat der Testplanung zeigt. Denn Kantonsbaumeister Wener Binotto hat bereits mehrfach klar gemacht, dass er nichts von einem Turm hält, der aus einem Schulhaus in die Höhe wachsen würde. Für Stadtplaner Florian Kessler ist aber wichtig, dass die Strategie nun steht. Er stellte klar, dass eine Testplanung keine Projektplanung darstellt, auch wenn auf den Papieren und Modellen konkrete Häuser zu sehen sind.

Daniella Nüssli als Projektleiterin bei der Stadtplanung betonte die Bedeutung des öffentlichen Raums für die weitere Entwicklung. Ihm wolle man Sorge tragen. Zuerst nun am sogenannten Perron 4, der kleinen Dreieckfläche zwischen Gleis und Rosenbergstrasse bei der bald wieder zugänglichen Rathausunterführung. Hier habe das Tiefbauamt den Auftrag bekommen, die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Das Tiefbauamt darf also wieder auch in die Höhe bauen. Genaues Hinschauen ist ratsam. Eine Vorgabe haben die Tiefbauer: Die Platanen sollen stehen bleiben – sie dürfen, entgegen früheren Plänen, nicht gefällt werden.

Klubhaus, Wiesental und weitere Fragen

Viele wichtigere Zukunftsfragen sind ebenfalls offen:

– Wo soll die Plaça Mayor – die Freifläche neben der Lagerstrasse – wirklich liegen?

– Kommt die geplante, sanfte Renovation des Klubhauses im Stadtparlament durch?

– Bleibt die Haltestelle der Fernbusse an der Lagerstrasse oder findet man in der Stadt einen besser geeigneten Ort – zum Beispiel in St.Fiden?

– Bleibt die VBSG-Bushaltestelle der Linie 9 an der Rosenbergstrasse oder kann man sie an die Lagerstrasse verlegen?

– Was passiert mit der Villa Wiesental respektive ihrem Garten, den die Testplanung gerne öffentlich zugänglich hätte?

Der kleinste gemeinsame Nenner: Ein Kiosk

Einen Aufbruch signalisieren soll nun der «chiosco siciliano», der zwischen die Rampe zur Bahnhofunterführung West und der Fachhochschule zu stehen kommen soll. Am Freitag und Samstag wird dort ein «Mockup», ein Holzmodell, in den echten Dimensionen stehen. Das Modell – vorfinanziert von den Architekten Ivo Barão und Peter Hutter – ist Startschuss zu einer Sammelaktion.

Denn von den Gesamtkosten von rund 230’000 Franken müssen rund 140’000 durch den Verein «chiosco siciliano» aufgebracht werden. Stadt und Kanton haben je 40’000 Franken zugesagt. Der grosse Rest der Finanzierung soll in der ersten Runde durch Vereinsmitglieder erfolgen, die ab 50 Franken dabei sind, in der zweiten Phase durch Sponsoren und Firmen mit grösseren Summen. Bis Ende Jahr soll das Geld zusammen sein.

Alles hängt vom Kanton ab

Mehr als dieser Chiosco wird allerdings in den nächsten Jahren auf dem Areal kaum gebaut. Gerade weil Kanton und Stadt gemeinsam weiter planen, ist Warten angesagt. Die Stadt werde über die Zukunft ihrer Liegenschaften an der Lagerstrasse erst dann entscheiden, wenn klar ist, was der Kanton auf den jetzt als Parkplatz genutzten Flächen am Gleis vorhat.

Das kann aber Jahre dauern, denn der Kanton macht seine Planungen von vielen Eckpunkten abhängig. Unter anderem davon, wo die Bibliothek dereinst untergebracht ist und ob die Berufsschulen neue Standorte rund um den Bahnhof bekommen sollen.

Fazit: Die partizipative Planung ist nun abgeschlossen, der Kredit dafür ist eingehalten – aber auf grössere Veränderungen nördlich des St.Galler Bahnhofs warten wir wohl noch länger.

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0218 max

Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
IMG 5751

Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
Volksbad rene hornung 1

Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
2609 Staetevergleich DSC 6589

Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
7228 dsc00923

Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
1000229093

Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
3 gewerbemuseum winterthur next relations leon ehrmann matthis plaga 300dpi a5 1

Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
Ausstellungsansicht en Foto Sebasti

Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
Christina walker foto petra rainer 2026 farbe

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
IMG 0333
Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
Humanhuman 2026 calexandrakochdevos lowres 2

Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
2609 RIO Gerd Zikeli 01 IMG 1149

Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

Von Ursula Badrutt,
DSC9907 HDR WEB

Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

Von René Hornung,
01 1 Stickerei Dok Walters beide an Maschine von hinten Kopie

Nur das Jetzt zählt

Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

Von Vera Zatti,
Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights