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Marktplatz: Ankerplätze statt Leere

Eine Architektur-Ausstellung in Frankfurt zeigt derzeit internationale Wettbewerbsbeiträge, die die sozialen Aspekte bei der Gestaltung von Stadtplätzen ins Zentrum rücken. Laut NZZ vom 4. Mai, gelang es keinem Schweizer Beitrag auch nur eine Auszeichnung zu erlangen. Bezüglich Sozialraumgestaltung hinkt die schweizerische Architektur im internationalen Vergleich offensichtlich etwas hinterher. Und ohne einen direkten Bezug zu machen […]
Von  Gastbeitrag
Eine Architektur-Ausstellung in Frankfurt zeigt derzeit internationale Wettbewerbsbeiträge, die die sozialen Aspekte bei der Gestaltung von Stadtplätzen ins Zentrum rücken. Laut NZZ vom 4. Mai, gelang es keinem Schweizer Beitrag auch nur eine Auszeichnung zu erlangen. Bezüglich Sozialraumgestaltung hinkt die schweizerische Architektur im internationalen Vergleich offensichtlich etwas hinterher. Und ohne einen direkten Bezug zu machen liefert der Artikel die schonungslose Kritik der St. Galler Piazza-Idee für den Marktplatz als an den Realitäten vorbei gedachte Kopfgeburt. Viele Projekte, so die NZZ, „belegen einen Trend zum steinernen Platz nach italienischem Vorbild. Dabei wird oft übersehen, dass die Piazza von einer Platzkultur lebt, die von ihrer architektonischen Einbettung ins Stadtgefüge bis hin zu einem ganz bestimmten Lebensstil reicht. Dieser ist für mitteleuropäische Länder nicht eben typisch. Hier hat ein Platz vorwiegend eine Durchgangsfunktion, dort aber ist er ein Teil des gesellschaftlichen und politischen Lebens.“  Nebst der Erkenntnis, dass es sich bei der St. Galler Piazza eben nur um eine Trendidee handelt, zeigt die zitierte Passage auch, wie wenig durchdacht das Projekt in Bezug auf den realen sozialen Raum ist. Um den Durchgangsplatz zu einem Treff- Flanier und Verweilpunkt zu machen, braucht es für unsere Verhaltensgewohnheiten im öffentlichen Raum  gerade nicht dessen Leerräumung. Eine solche fördert nur den reibungslosen Durchgangsverkehr. Vielmehr braucht es die pointierte Inszenierung von Ankerplätzen. Mit der Calatrava-Langbank, dem wohl grössten zusammenhängenden und gedeckten Sitzplatzangebot ohne Konsumationszwang in einem mitteleuropäischen Stadtzentrum und der wunderschönen Rondelle verfügt der Marktplatz über zwei exzellente Ankerstellen. Um die Sache noch etwas zu optimieren, wäre zu überlegen, ob man diese zwei Wahrzeichen nicht miteinander vertauschen wollte. Die Rondelle im Zentrum des Platzes brächte wohl mehr Italianita als  alle Pflastersteine der Welt.
von Rolf Bossart
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