Im November 2016 war bekannt geworden, dass Otto Tausk 2018 nach sechs Jahren St.Gallen verlassen wird – keine Nicht-Verlängerung von Seiten der Genossenschaft, wie Konzertdirektor Florian Scheiber damals auf Anfrage erklärt hat, sondern eine Trennung im gegenseitigen Einvernehmen als Folge von Tausks Wahl zum Chef des Orchesters in Vancouver und seinen wachsenden internationalen Verpflichtungen.
Bereits ein halbes Jahr später hat der Verwaltungsrat der Genossenschaft Konzert und Theater St.Gallen jetzt am Montagabend den Nachfolger gewählt. Es sei dabei nicht um einen «Temporekord» gegangen – vielmehr habe man mit Modestas Pitrenas einfach den Richtigen gefunden, sagt Konzertdirektor Florian Scheiber: «ein wirklich fantastischer Dirigent».
Als Operndirigent international gefragt
Modestas Pitrenas sei «ein international erfolgreicher litauischer Dirigent der jüngeren Generation, der sich sowohl durch seine weitreichende sinfonische Konzerttätigkeit, als auch als Operndirigent bereits international etablieren konnte», heisst es in der heutigen Medienmitteilung. Pitrenas dirigierte unter anderem Mozarts Zauberflöte an der Oper Köln, gastierte an der Deutschen Oper am Rhein, dem Bolschoi Theater in Moskau, der Nationaloper in Warschau, dem Aalto Theater Essen, der Oper Stuttgart oder der Finnischen Nationaloper Helsinki.
In St.Gallen ist Pitrenas in den letzten Jahren bereits sehr präsent gewesen. Neben Sinfoniekonzerten hat er die Opern Salome, La Wally, Der fliegende Holländer, Carmen und Massenets El Cid bei den St.Galler Festspielen dirigiert. Pitrenas, Jahrgang 1974, war Chefdirigent des Sinfonieorchesters von Kaunas in Litauen undGeneralmusikdirektor der Lettischen Nationaloper in Riga; zurzeit ist er Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Litauischen Nationalen Sinfonieorchesters in Vilnius.
«Wir kennen uns seit bald acht Jahren und haben uns einander entgegen entwickelt», sagt Scheiber. Pitrenas sei dirigentisch eine «Riesenbegabung» Mit seiner Persönlichkeit und körperlichen Präsenz hole er einen «unglaublichen Klang» aus dem Orchester heraus und habe sich bei den Musikern höchsten Respekt erworben. Ausserdem zeichne den gebürtigen Litauer ein «gewinnendes Wesen» aus, höflich und bescheiden, kurzum: «der absolute Wunschkandidat».
Fünf statt drei Jahre
Pitrenas bringe reiche Erfahrung sowohl auf dem Konzertpodium als auch im Musiktheater mit, «ein grosses Gespür für Dramatik, Stil und Klangregie». Er werde gegenüber Otto Tausk neue Akzente insbesondere im slawischen Repertoire setzen und bringe alle Voraussetzungen mit, «Sinfonieorchester und Theater St.Gallen auf einen vielversprechenden künstlerischen Weg zu begleiten».
Operndirektor Peter Heilker wird in der Medienmitteilung seinerseits mit den Worten zitiert: «Es ist uns gelungen, einen Dirigenten mit aussergewöhnlichen Begabungen und Fähigkeiten zu gewinnen, der in jeder Hinsicht eine Idealbesetzung ist.» In der Findungskommission wirkten ausser Scheiber und Heilker Suzanne Bühler als Präsidentin sowie die Orchestermitglieder Igor Keller (Konzertmeister) und Alain Pasquier (Posaune) mit.
Dass Pitrenas trotz vielfältiger anderer Engagements mit ganzer Kraft in St.Gallen wirken werde, steht für Florian Scheiber ausser Frage. «Er ist ein sehr seriöser Arbeiter und wird sich stark auf St.Gallen konzentrieren.» Andrerseits brauche es die Weitläufigkeit – «wir freuen uns, wenn unsere Chefdirigenten international erfolgreich sind.» Anders als wie bisher üblich für drei Jahre ist Modestas Pitrenas mit einem Fünfjahresvertrag engagiert worden. Die längere Dauer sei sinnvoll und künstlerisch fruchtbarer, und sie zwinge nicht nach kurzer Zeit bereits wieder zu Vertragsgesprächen, sagt Scheiber.
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