Saiten: In Ihrer heutigen Medienmitteilung heisst es, «aufgrund seiner stetig steigenden internationalen Verpflichtungen» sei eine Vertragsverlängerung über die Spielzeit 2017/18 hinaus mit Otto Tausk «nicht mehr möglich». Das heisst: eine Nichtverlängerung von Ihrer Seite?
Florian Scheiber: Nein, das heisst es nicht. Otto Tausk ist international sehr gefragt, er hat eine Reihe von Angeboten auch als Chefdirigent in anderen Ländern. Wir haben uns mit ihm freundschaftlich und einhellig darauf geeignet, dass er seine Karriere weiterverfolgen soll nach Ablauf der regulären Vertragsdauer.
Insgesamt wird Tausk dann sechs Jahre in St.Gallen gewesen sein. War das nicht von Anfang an ein Problem, dass der Chefdirigent so viele andere Engagements hatte?
Ein Problem ist das nicht, im Gegenteil. Wir wussten das schon bei seiner Wahl. Das Pensum ist klar definiert: Der Chefdirigent leitet die Hälfte der Sinfoniekonzerte und zwei Opern. Wir wollten jemanden, der jung und dynamisch ist, keinen Chef auf dem «Abstellgleis». Insofern haben wir Otto Tausk sehenden Auges engagiert. Und St.Gallen hatte bei seinen Planungen immer Priorität.
Für die Arbeit an der Orchesterkultur wäre es nicht wichtig, dass ein Chefdirigent stärker präsent ist?
Die Arbeit mit dem Orchester spielt sich in den gemeinsamen Proben für die Konzerte ab. Otto Tausk hat viel erreicht, er hat dem Orchester seine künstlerische Signatur aufgedrückt und wird dies weiterhin tun in den verbleibenden anderthalb Jahren. Andrerseits profitiert das Orchester aber auch von den vielen Anregungen, welche die Gastdirigenten mitbringen. Nach meiner Einschätzung hat sich das Orchester seit seinem Amtsantritt stark entwickelt, in der Klanglichkeit, die farbig und voller Dynamik ist, oder in der Durchschlagskraft.
Was sind für Sie die Höhepunkte der bisher vier Jahre?
Lohengrin finde ich sehr eindrücklich, umso mehr, als es Tausks erste Wagner-Oper ist. Auch Korngolds Oper Die tote Stadt 2014 war eine Riesenpartitur, die er sehr durchhörbar gestaltet hat. Im Konzert ist mir aus letzter Zeit die Symphonie fantastique in bester Erinnerung. Und vieles andere.
Tausk ist damals bei der Wahl nicht zuletzt auch als einer vorgestellt worden, der neue Ideen zur Musikvermittlung einbringt. Was haben Sie erreicht, um an neues und jüngeres Publikum heranzukommen?
Die Mittagskonzerte haben sich sehr gut etabliert, ebenso die Late Night Music in der Lokremise. Die «Hörwege» jeweils nach Schluss der Konzerte kommen gut an, besser als erwartet. Und es gibt eine wachsende Zahl von Schulklassen in den Sinfoniekonzerten. Wir lassen uns aber auch Neues einfallen – insbesondere wird dies rund um das Jubiläum «50 Jahre Theatergebäude» der Fall sein. 2018 soll ein festliches Halbjahr werden.
Wie sieht das Profil für den Nachfolger oder die Nachfolgerin von Otto Tausk aus?
Das ist noch nicht formuliert. Die Findungskommission wird nächstens ihre Arbeit aufnehmen. Sie besteht aus Suzanne Bühler, Mitglied des Verwaltungsrats-Ausschusses und Präsidentin des Freundeskreises, aus Operndirektor Peter Heilker, zwei noch zu bestimmenden Mitgliedern des Orchesters und mir. Meine persönliche Einschätzung ist, dass sich das Profil eines jungen und dynamischen Chefdirigenten, das Otto Tausk verkörpert, bewährt hat.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
Die Kunstgiesserei St.Gallen und die Stiftung Sitterwerk strahlen weit über die Region hinaus. Felix Lehner, Gründer und Leiter der Kunstgiesserei, Geschäftsleitungsmitglied Till Jäckli sowie Patricia Hartmann, Co-Leiterin der Stiftung Sitterwerk, sprechen im Interview über die letzten 40 Jahre, aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne.
Geschlechterspezifische Gewalt ist auch in Appenzell Realität, und doch wird zu wenig darüber geredet. Mit der Diskussionsveranstaltung «werom – schwätze statt schwiige» luden drei junge Appenzellerinnen zum offenen Austausch über Gewalt, Prävention und Zivilcourage.
Heimat – ein vielschichtiger Begriff. Das Kunstmuseum St.Gallen spürt ihm gemeinsam mit der Werksammlung der Schweizerischen Post nach. Zu sehen ist die entstandene Schau «Heimatflimmern» bis Ende Oktober in St.Gallen.
Die St.Galler Festspiele laden, nach der letztjährigen Pause, wieder zum Tanz in die Kathedrale. Choreograf Antonio Ruz und die Tanzkompanie nehmen den Raum mit Respekt in Beschlag – samt dem Klosterplatz.