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Nordisches zum Neunten

Am Wochenende wird in St.Gallen wieder der Norden gefeiert: Auf dem Programm des diesjährigen Nordklang Festivals steht viel Folk und Elektronisches. von David Nägeli
Von  Gastbeitrag
Get Your Gun: Samstag und Sonntag am Nordklang

Skandinavische Elektro-Talente, düsterer Dänen-Rock mit Ostschweizer Chorbegleitung und sogar norwegische Naturgewalten – das Nordklang Festival zeichnet ein gewohnt vielfältiges Bild des hohen Nordens. In Zusammenarbeit mit dem Nordisk Festival (einer Konzert-Tour junger skandinavischer Bands) präsentiert der Verein Nordklang am kommenden Wochenende über ein Dutzend Konzerte in St.Gallen. Hier eine kleine (und durchaus subjektive) Auswahl an Sehens- und Hörenswertem:

Eröffnung mit der Rache des Fischers

Am Freitag wird das Festival mit einer Stummfilmvertonung eröffnet. Das Bildmaterial dazu liefert Victor Sjöström mit Terje Vigen, einer Adaption des gleichnamigen Gedichtes von Henrik Ibsen. Der Film von 1917 gilt als eines der wichtigsten Werke aus der Blütezeit des schwedischen Stummfilms. Die Handlung: Ein norwegischer Fischer versucht während der Napoleonkriege Anfang des 19. Jahrhunderts die britische Blockade zu durchbrechen und wird dabei gefangen genommen. Nach Kriegsende hat er Grund und später auch die Gelegenheit zur Rache.

Die Musik dazu kommt vom dänischen Produzenten Mike Sheridan und dem Gaiser Kontrabassisten Patrick Kessler – ein Duo, das nicht nur in geographischer Hinsicht einiges trennt. Sheridan, das 23-jährige «Techno-Wunderkind» aus Dänemark, veröffentlichte nach etlichen Club-Gigs 2008 sein Debütalbum I Syv Sind. Seither kennt ihn seine Heimat als den «neuen Trentemøller» – ein Vergleich, dem er zumindest stilistisch mehr als gerecht wird. (Am Samstag spielt Sheridan übrigens noch ein eigenes Programm im Pfalzkeller.)

Kessler hingegen steht schon länger auf der Bühne, als Sheridan auf seinen zwei Beinen. Der Kontrabassist verfügt über ein breites Spektrum zwischen Klassik, Jazz und Volksmusik aus aller Welt. Erst letzten Monat war er mit dem Experimentalduo Nomadton auf Nepal-Tour, zuvor hat er neben vielen anderen Projekten in Feldforschung versucht den Soundtrack des Appenzellerlandes zu fassen.

Das Zusammentreffen von Nord und Süd gehört beim Nordklang zum Programm. Doch hier treffen auch musikalisch zwei Welten aufeinander – das verspricht spannend zu werden.

Patrick Kessler (CH) & Mike Sheridan (DK): Freitag, 6. Februar, 20 Uhr, Lokremise.
Mike Sheridan Solo-Gig: Samstag, 7. Febraur, 20.15 Uhr, Pfalzkeller.

Spaziergang mit Chor und Kegel

Das Debütalbum The Worrying Kind des dänischen Trios Get Your Gun (Bild) wird seinem Namen mehr als gerecht: Die Band spielt düsteren Rock zwischen Post-Punk und Americana – stets mit schleppenden Rhythmen und ohne Scheu vor grossen Dynamikunterschieden oder kreischenden Verstärkern. Bemerkenswert: Die junge Band zeigt grosses Selbstvertrauen, beim Sturz in tiefe Melancholie ebenso wie auch in den aggressiven Parts ihrer meist überdurchschnittlich langen Songs.

Am Samstag zeigen Get Your Gun aber auch ihre ruhigere Seite. Und: Vor Beginn des ersten Konzertes ist ein kleiner Stadtspaziergang geplant. Gemeinsam mit einem Chor, den der St.Galler Chorleiter Bernhard Bichler speziell für diesen Anlass zusammengestellt hat, marschiert das dänische Trio mit akustischen Instrumenten durch die Innenstadt. Die Bewilligungen dafür sind ausgestellt, nur die genaue Route ist noch nicht bekannt. Möglicherweise kann man sich den Stadtspaziergang des dänischen Trios mit dem Ostschweizer Chor ähnlich vorstellen, wie die vergleichbare Session am Roskilde Rising 2014:

 

Am Sonntag begleiten Get Your Gun samt Chor und der dänischen (Electro-)Pop-Musikerin Lydmor am Flügel den Gottesdienst in der St.Laurenzenkirche.

Get Your Gun: Samstag, 7. Febraur, 23 Uhr, Grabenhalle.
Get Your Gun mit Chor & Lydmor: Sonntag, 8. Febraur, 10 Uhr, St.Laurenzenkirche.

Pop-Noir und Performance

Eigentlich hätte auch eine Band namens Bjørkås rund um den Norweger Künstler Kyrre Bjørkås (links) am 9. Nordklang auftreten sollen. Kurzerhand taufte er sein jüngstes Band-Projekt in New World Vulture um – den Metalleimer als Perkussionsinstrument trägt er aber weiterhin gerne bei sich.

kyrre

Bjørkås (Bild) ist seit vielen Jahren als Künstler und Szenograph tätig und war als Musiker an diversen Projekten beteiligt (unter anderem als Mitglied von DU und in Kooperationen mit den Pop-Musikerinnen Sandra Kolstad oder Sara Lunden).

Mit New World Vulture will sich Bjørkås nun dem Pop-Noir widmen. Pop Noir – das klingt mal nach Nick Cave mit ein wenig Synthie-Pop, ein andermal nach Krimi-Musik und Abfalleimer-Perkussion. Live dürfte die Band nicht zuletzt auch dank Bjørkås charakteristischem Auftritt ein Erlebnis wert sein.

Einen kleinen Vorgeschmack auf die noch junge Band liefert dieser Zusammenschnitt mehrerer Live-Videos.

New World Vulture: Samstag, 7. Febraur, 21.30 Uhr, Hofkeller.

 

Traditionelleres

Wer statt Americana und Elektronika lieber etwas traditionellere Klänge geniesst, dürfte sich am Konzerte von Asynje ziemlich wohl fühlen. Das Quartett aus Dänemark spielt mit mittelalterlichen Instrumenten diverse Balladen aus der nordischen Volksmusik.

Asynje: Samstag, 7. Febraur,  21.30 Uhr, Kellerbühne.

 

Weitere Infos und das vollständige Programm der 9. Nordklang-Ausgabe: nordklang.ch.

 

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