Der 7. Februar hat es in sich: Da sollte schon einmal die Bibliothek in der Hauptpost eröffnet werden. Zumindest fiktiv – ein Rückblick.
«Die St.Galler Bibliothek blickt auf ein bewegtes erstes Jahr zurück. Seit der Eröffnung hat sie sich zu einem pulsierenden Zentrum des Buchs und anderer Medien entwickelt… In der Eingangshalle, die an eine Hotel-Lobby erinnert, herrscht ein reges Treiben… Eine Rolltreppe führt in den ersten Stock, wo sich das breite Angebot an populärer Literatur befindet….». So stand es mit Datum vom 7. Februar 2012 geschrieben – allerdings als Utopie. Der Text trug den Titel «Zukunftsbild» und fand sich in den Unterlagen des Kantons zu einer Medienkonferenz am 7. Februar 2007. Thema: die inzwischen legendäre «KuBi»-Planung (neues Kunsthaus, neue Bibliothek).
Gemäss jenen Plänen wäre die grosse Publikumsbibliothek also seit genau zwei Jahren in Betrieb. Stattdessen entscheidet das Stadtparlament nächste Woche erst einmal über den Kredit für ein Bibliotheksprovisorium von Freihandbibliothek und Vadiana in der Hauptpost. Immerhin. Bei einem Ja wird das Provisorium im Frühling 2014 eröffnet, vorerst im ersten Stock (Bild unten) – aber hoffentlich genau so pulsierend, wie sich dies die Planer unter dem damaligen Kulturamtsleiter Hans Schmid in den schönsten Farben ausgemalt hatten.
2013 kann man zehn Jahre Bibliotheks-Auf-und-Ab feiern – ein paar Etappen:
2003 wird im Kantonsrat der Bericht zur Vadiana-Zukunft diskutiert. Er zählt dieselben Mängel auf, die bis heute gelten: wenig neue Medien, Magazin statt Freihand-Aufstellung, zu wenig naturwissenschaftliche Bücher etc. «Zur Diskussion steht ein Neubau in der Nähe des Hauptbahnhofs», heisst es im Bericht.
2003 steht auch die Initiative «Zukunft St.Gallen» und deren Gegenvorschlag auf dem Programm, mit hochfliegenden Kultur-Plänen vom Klanghaus bis zur Bibliothek. Vadiana und künftige Fachhochschul-Bibliothek sollen «komplementär» aufgebaut und zur Drehscheibe des «Denk- und Netzwerkplatzes St.Gallen» werden, proklamiert die Regierung. Das Volk sagt aber 2004 Nein zur Millionen-Zukunft.
2005 kommt der KuBi-Prozess in Gang. Textilstadt, Kunststadt, Buchstadt: St.Gallen soll gleich mehrere Kultur-Leuchttürme bekommen. Alle können mitreden. Für die Bibliothek erhofft man sich nicht zuletzt eine «prägnante architektonische Umsetzung» auf dem Areal neben der Fachhochschule und vergleicht sich mit Bau-Ikonen von Wien bis London. 2007 endet der KuBi-Prozess mit dem Projekt einer «Buchgängerzone». Realisiert wird vorerst nichts.
2007 klärt sich die Übernahme der Lokremise durch den Kanton, und statt eines Neubaus für das Kunstmuseum steht jetzt ein neues Naturmuseum im Vordergrund. Die Bibliotheksfrage ist weiter ungeklärt, neben dem Standort Hauptpost wird auch ein Standort am Blumenmarkt diskutiert¸von dem der Stadtrat aber «nicht begeistert» ist – kein Wunder, dort gibt es unterdessen Pläne für eine neue Parkgarage.
2008 «soll für St.Gallen ein Jahr des Buchs werden», deklariert die Stadt, unter anderem weil St.Gallen Gast am Genfer Salon du livre ist und sich abzeichnet, dass das Münchner Zentrum für das Buch nach St.Gallen kommen könnten.
2011 versenkt die Regierung die allzu kostspielig gedachte Weiterprojektierung einer Hauptpost-Bibliothek aus Spargründen. Als Reaktion formiert sich das Komitee für eine Bibliotheksinitiatitive. Sie wird am 27. Januar 2012 mit 10700 Unterschriften eingereicht. Daraufhin rafft sich der Kanton zu einem Bibliotheksgesetz auf und taucht die Idee eines gemeinsamen Provisoriums von Kanton und Stadt in der Hauptpost auf.
Was lange währt… «Die Öffnungszeiten der Bibliothek sind von 8 bis 22 Uhr an sieben Tagen in der Woche.» So stand es im eingangs zitierten fiktiven Bibliotheksporträt. Schöne Zukunftsmusik…
Ein Dossier zur Bibliotheksfrage bringt das Februar-Heft von «Saiten» mit dem Titel: POST IT!
Mit Hildegard Fässler (1951–2026) verstarb kurz vor ihrem 75. Geburtstag eine der profiliertesten Ostschweizer Politikerinnen an den Folgen einer schweren Erkrankung. Nachruf einer langjährigen Weggefährtin.
Versteckt im Sittertal produziert die Kunstgiesserei Werke renommierter Künstler:innen. Dabei gilt es oft, Neues auszuprobieren und Lösungen zu finden – mit Zucker, Wachs und natürlich Metall. Saiten erhält einen Einblick in das verrückte Schaffen am Rande St.Gallens.
Der FC St.Gallen gewinnt gegen den haushohen Favoriten aus Lissabon mit 2:1. Die grösste Sensation, die dieses Stadion je gesehen hat. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
Die Kunstgiesserei St.Gallen und die Stiftung Sitterwerk strahlen weit über die Region hinaus. Felix Lehner, Gründer und Leiter der Kunstgiesserei, Geschäftsleitungsmitglied Till Jäckli sowie Patricia Hartmann, Co-Leiterin der Stiftung Sitterwerk, sprechen im Interview über die letzten 40 Jahre, aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne.